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7. Freiherr v. Albini: Untergang des Mainzer Kurſtaates, Dieburg an Heſſen.:
Vom Marktplatz in Dieburg führt zwiſchen der Brauerei Braunwarth und der Lederfabrik von Karl Hiemenz ein ſchmales Gäßchen über die Gerſprenz zu dem ſogenannten Albiniſchen Schloß.
Wer dieſes Gäßchen durchgeht, gewahrt bald zur Rechten neben einem alten Stadtturm ein vornehmes Gebäude gleich einem ſtolzen Herrſcherſitz. Der Verhältniſſe unkundig, vermutet er wohl hierin das Albiniſche Schloß. Er iſt im Irrtum; das Albiniſche Schloß ſteht zur Linken, ein langer zweiſtöckiger Bau, nüchtern und ſchmucklos, an der Stelle, wo ehemals die Reſidenz des Erzbiſchofs Diether v. Iſenburg ſich erhob. Wie viel an⸗ ſpruchsvoller wir doch im Wandel der Zeiten geworden ſind! In dem modernen Herrſcherſitz zur Rechten werden die Geſchäfte eines heſſiſchen Verwaltungsbezirkes erledigt; hier iſt das Kreisamt und die Wohnung des Kreisrates. In dem ſchmuckloſen Bau ſchräg gegenüber liefen zeitweiſe die Fäden der europäiſchen Politik zu⸗ ſammen an der Wende zweier Weltalter; hier wohnte des mäch⸗ tigſten Kurſtaates leitender Miniſter, der in Ränken und Liſten, in Wehr und Waffen gegen den gewaltigen Korſen rang.
Franz Joſeph Freiherr von Albini wurde am 2. Juni 1748 zu St. Goar geboren, wo ſein Vater landgräflicher heſſiſcher Kanzlei⸗ direktor war. Seine Univerſitätsſtudien abſolvierte der junge Baron zu Pont à Mouſſon, Dillingen und Würzburg; mit 22 Jahren begann er ſeine politiſche Laufbahn in Würzburg als Fürſtbiſchöflicher Hof- und Regierungsrat. Als Vertreter des fränkiſchen Kreiſes kam Freiherr v. Albini als Aſſeſſor 1774 ins Reichskammergericht nach Wetzlar, 1787 als geheimer Reichs⸗ referendar nach Wien. In Wien gewann er raſch das Vertrauen Kaiſer Joſephs II. und wurde von ihm in wichtigen Miſſionen verwandt. Nach dem Tode dieſes Kaiſers 1790 trat Albini in kurmainzer Dienſte, vereinigte von 1792 ab alle Miniſterien in ſeiner Perſon und lenkte klaren Blicks und feſten Willens in dieſen ſchweren Zeiten den Mainzer Staatsorganismus.
Als Direktorial⸗Wahlbotſchafter leitete Albini 1792 die letzte deutſche Kaiſerwahl zu Frankfurt a. M., die Franz II. auf den Thron berief.
Auf dem Raſtadter Kongreß ſuchte der ſeinem Herrn treu ergebene Miniſter mit allen Mitteln die Abtretung des linken Rheinufers zu hintertreiben; an der brutalen Rückſichtsloſigkeit
Siehe den Artikel„Albini“ in„Zeitgenoſſen, Biographien und Charakteriſtiken“, Leipzig, Brockhaus 1818, Band III, und in der All⸗ gemeinen Biographie I. S. 220, ferner das Regiſter bei Bockenheimer:
Wie Mainz zum zweitenmal an Frankreich kam. Mainz 1897. 3*


