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rück; ſein Bruder Johann Kaſimir, der 1585 die Regierung übernahm, brachte den Kalvinismus wieder zur Herrſchaft. So ſtehen in den heſſiſch-pfälziſchen Orten Reformierte und Lutheraner einander gegenüber und zwar mit all den Folgeerſcheinungen kon⸗ feſſioneller Verbitterung.
Eine neue Wendung erfolgte, als mit dem Ausſterben der Simmerſchen Linie 1686 in der Pfalz die Neuburger Linie zur Regierung kam. Sie war katholiſch. Von dem Rechte, die Unter⸗ tanen zur Religion des Landesherrn zu zwingen, konnte ſie frei⸗ lich keinen Gebrauch machen, im halliſchen Erbvertrag 1685 hatte ſie ſich verpflichten müſſen, die proteſtantiſche Religion in der Pfalz zu erhalten. Die Seelſorge katholiſcher Untertanen ſollte abwechſelnd durch lutheriſche und reformierte Geiſtliche beſorgt werden; doch ſollte es den Katholiken geſtattet ſein, etwaigen katholiſchen Gottesdienſt in Nachbarorten zu beſuchen und ihre Toten nach Entrichtung der Stolgebühren an die proteſtantiſchen Pfarrer in der Stille dort beerdigen zu laſſen.
Die pfälziſche Regierung ſuchte natürlich das Los ihrer Glaubensgenoſſen zu erleichtern. Sie richtete für ihre katholiſchen Beamten zunächſt privaten Gottesdienſt ein, der bald auch von anderen katholiſchen Untertanen beſucht wurde und ſchließlich unter mancherlei Hemmniſſen und Störungen öffentlich-⸗rechtlichen Charakter erhielt.
So entſtanden wieder katholiſche Gemeinden in Groß⸗Umſtadt mit Gottesdienſt im pfälziſchen Schloß, in Lengfeld und in Groß⸗ Zimmern. In Groß⸗Zimmern wurde 1704 die Kirche bald von den Katholiken, bald von den Proteſtanten erſtürmt, bis man ſich auf gemeinſame Benutzung einigte; ebenſo wurde in Lengfeld 1704 ein Simultaneum eingeführt.
Habitzheim war ſeit 1530 unter pfälziſcher Oberhoheit im Beſitz der Grafen von Löwenſtein; nach der Rückkehr des Grafen Karl Ferdinand zu Löwenſtein⸗Wertheim zur katholiſchen Kirche bildete ſich auch in Habitzheim wieder eine katholiſche Gemeinde mit Gottesdienſt im Schloß.
Bei der Sammlung der Katholiken wirkten eifrig mit die Kapuziner von Dieburg, die unter mancherlei Schwierigkeiten und Gefährlichkeiten den Gottesdienſt in den benachbarten pfälziſch⸗ heſſiſchen Orten beſorgten. Sie hatten ſeit 1650 eine Niederlaſſung in Dieburg; am 3. Oktober 1692 war der Grundſtein zu ihrem Kloſter gelegt worden, das am 18. Oktober 1695 von ihnen be⸗ zogen wurde; es iſt das jetzige Arbeitshaus der Muttergottes⸗ kapelle gegenüber.
¹ F. Hieroth.: Prov. Rhen.: Fratrum minorum capucin. Lib. III. Steindecker: S. 31. ff.


