verlag des Verfaſſers in der Druckerei von Heinrich Rothe in Hirſchhorn am Neckar erſchienenen Schriftchen beſonders die An⸗ gaben zum Jahre 1634 Seite 22—24, und zu 1635, Seite 25 und Seite 28—31.
Auch in dem Werk über das Großherzogtum Heſſen von Künzel⸗Soldan finden ſich die einſchlägigen Auszüge aus der Chronik des Magiſters Minck.
5. Der Hexenprozeß von 1627.
Die religiöſen Kämpfe mit ihren ſeeliſchen Aufregungen und Erſchütterungen, die Leiden und Greuel des dreißigjährigen Krieges ſchwächten die geiſtige Geſundheit des Volkes, entwerteten das Menſchenleben und zeitigten die Hexenprozeſſe als ſchreckliche Maſſenerſcheinung.
Auch Dieburg hat im Anfang des 17. Jahrhunderts(1600, 1604 und 1612) verſchiedene Hexenprozeſſe. Das ausführliche Protokoll eines ſolchen aus dem Jahre 1627, alſo aus der Siede⸗ hitze des gegen die Hexen geführten Kampfes in Deutſchland, hat uns Steiner in ſeiner Geſchichte Dieburgs aus den Akten bekannt gegeben. ¹ Es iſt entſetzlich zu leſen; das Herz krampft ſich einem zuſammen, man meint, man müſſe aufſpringen, der Angeklagten, einer Häfnerswitwe, Anna Padt heißt ſie, in ihrem Elend beizuſpringen!
Wie pſychologiſch erklärlich iſt die Stufenfolge ihrer Geſtänd⸗ niſſe! Zuerſt ſind ihre Antworten klar, beſtimmt und im Bewußtſein ihres guten Gewiſſens entſchieden ablehniend.
Als man ſie auf die Geſtändniſſe ihrer Ankläger aufmerkſam macht, hat ſie angefangen laut zu rufen, Gott im Himmel ſolls erbarmen, daß ſie alſo fälſchlich angegeben ſei, es müßte ihren Anklägern in der Pein ſo in den Mund gekommen ſein, ſie ſei nie in ihren hexiſchen Conventikeln geweſen, Jeſus Chriſtus ſolle ihr Zeuge ſein, daß es nicht wahr ſei, wenn man an den Hund wolle, habe er das Leder gefreſſen.
Darauf ruft man den Scharfrichter. Bei ſeinem Anblick fängt ſie an zu ſchreien, ſie wolle ſich ans Kreuz begeben, das müſſe Jeſus Chriſtus erbarmen, daß ſie alſo fälſchlich belangt würde, ſie wiſſe nichts, die Herrn ſollten ihre Seele bedenken.
1. Nun hat man den Scharfrichter ſie angreifen und am rechten Schenkel ungefähr ein Vater unſer lang beſchrauben laſſen. Da rief ſie zunächſt, die heiligen Engel ſollten ihr zu Hilfe kommen, ſchließlich erklärte ſie, ſie wolle alles geſtehen. Darauf hat der Meiſter aufgeſchraubt, und nun folgen ihre Geſtändniſſe. Ihre Mutter, die auch eine Hexe war, hat ihr einen Mann ver⸗
¹ Vgl. auch Englert in Heſſ. Blättern für Volkskunde VW. Heft 2 und 3 über den Schultheißen Hans Fleiſchbein zu Schaafheim † 16. 7. 1632.


