Aufsatz 
Festschrift zur Einweihung des Neubaues der höheren Bürgerschule zu Dieburg am 6. August 1908
Entstehung
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Barthol. Weiſenus parochia cessit. reprobatus 1603(vperließ die Pfarrei; zurückgewieſen), 1608 Konrad Zimmer ob quasdam causas depositus(gewiſſer Gründe wegen abgeſetzt), 1615 Philipp Beumler excessit clanculum(ging heimlich durch).!

Die Zeit unmittelbar nach der Reformation war für die deutſche Kirche eine Zeit beiſpielloſen Prieſtermangels, und die Prieſter, die da waren, waren innerem Schwanken, infolge des Ausfalls frommer Stiftungen und Zuwendungen auch oft äußerem Mangel ausgeſetzt.

Auch ein kleiner Säkulariſationsverſuch fehlte in Dieburg nicht. Philipp Groſchlag wollte die Gefälle des von ſeiner Familie ſeinerzeit geſtifteten Laurenzialtars ſamt den dazu gehörigen Meßgewändern an ſich reißen, ſich auf ſeine Zugehörigkeit zur Augsburgiſchen Konfeſſion berufend.

An der Entſchiedenheit der Mainzer Regierung ſcheiterte der Verſuch.Wolle der Herr von Groſchlag, ſo lautete der Entſcheid, dem katholiſchen Gottesdienſt nicht beiwohnen, ſo möge er fern bleiben, aber ärgerniserregender öffentlicher Kritik ſich enthalten und die Hände von den Stiftungen ſeiner frommen Vorfahren laſſen.

Wir nahen der traurigſten Periode deutſcher Geſchichte, dem 30 jährigen Krieg. Eine tauſendjährige Kulturentwicklung hat er unterbrochen, vernichtet. Von ſeinen Nachwehen erholen eigentlich erſt wir uns.

Gleich bei Beginn des 30 jährigen Krieges, in der böhmiſch⸗ pfälziſchen Periode, bekamen Dieburg und Umgebung ſchon einen Vorgeſchmack der kommenden Drangſal und Not. Lag doch die kurpfälziſche Feſte Otzberg in der Nähe und zog die Feinde an.

Zwar ſuchten ſowohl Graf Johann Reinhard von Hanau als auch Landgraf Ludwig V. von Heſſen⸗Darmſtadt und Kur⸗ fürſt Johann Schweikart von Mainz, ihren Gebieten durch Neu⸗ tralitätsverträge mit der Union und der Liga den Frieden zu erhalten, wer aber reſpektierte in jenen Zeiten Neutralität? Luck erzählt in ſeiner Erbacher Reformationsgeſchichte:Im Monat April 1621, da ſich die Bayeriſche Armee mit der Spaniſchen conjungiert, kamen von Dieppurg 6000 Mann zu Roß und zu Fuß und hatten in den 3 Dörfern Seeheim, Jugenheim und Bickebach ein Nachtlager und hauſeten übel mit den Leuten, trieben das Vieh mit Haufen weg uſw.

Am 23. Oktober 1621 rückten 2000 Mann bayeriſcher Truppen in Schaafheim, Langſtadt, Kleeſtadt, Harreshauſen und Altheim ein, eine zweite ſtärkere Abteilung von 6000 Mann

Verzeichnis bei Steiner S. 195 u. 196, bei Steindecker, das Gnadenbild in die Wallfahrtskirche zu Dieburg S. 25 und 26. ²¹ Hoſpitalbuch S. 191. Steiner S. 66.