Aufsatz 
Festschrift zur Einweihung des Neubaues der höheren Bürgerschule zu Dieburg am 6. August 1908
Entstehung
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vember 1463; bevor dieſer zu Ende ging, unterwarf ſich Diether Anfangs Oktober zu Frankfurt am Main; er verzichtete feierlich auf das Erzbistum, leiſtete dem päpſtlichen Nuntius Pietro Ferrici knieend Abbitte und empfing die Losſprechung vom Kirchenbann. Als eine kleine Entſchädigung ſollten dem Diether von Iſenburg lebenslänglich verbleiben: Lahnſtein mit Schloß und Zoll, Höchſt am Main mit Schloß und Zoll, Steinheim mit Schloß und Zoll und Dieburg, Stadt und Amt. So war Dieburg vom Erzbistum getrennt. Seine Reſidenz nahm Diether bald in Dieburg, bald in Steinheim.

Zum Glück dauerte die Trennung nicht ſehr lang. Am 6. September 1475 ſtarb Adolf von Naſſau; der erzbiſchöfliche Stuhl blieb nun Wochen lang unbeſetzt; am 9. November wählte das Domkapitel Diether von Iſenburg abermals zum Erzbiſchof.

Papſt Sixtus IV. legte zuerſt gegen dieſe Wiederwahl Ver⸗ wahrung ein, beſtätigte ſie aber ſchließlich im folgenden Frühjahr, Freitag vor Palmſonntag, 5. April 1476.2

Die von Diether ſeither innegehabten Orte kamen ſo wieder an das Erzbistum.

Diether befliß ſich einer Reform des geiſtlichen Standes, ver⸗ beſſerte die Kirchenzucht in den Klöſtern, reformierte z. B. das Kloſter Seligenſtadt,deſſen Mönche alle edel von Namen, aber unedel von Sitten waren; auch gründete er die Mainzer Univer⸗ ſität, ſo daß ſeine zweite Regierung dem Land zu großem Segen gereichte.

4. Reformation und 30 jähriger Krieg.

Dank ſeiner Zugehörigkeit zu Mainz blieb Dieburg im Zeit⸗ alter der Reformation der katholiſchen Kirche erhalten, nicht ohne Erſchütterungen freilich. Nur wenige Notizen liegen vor, ſie laſſen aber deutlich erkennen, daß der Wellenſchlag der großen geiſtigen Bewegung auch Dieburg erreichte.

Das Minoritenkloſter ging in dieſer Zeit unter, jedenfalls weil der Nachwuchs fehlte und manche Mönche austraten. Dem mit elementarer Gewalt losbrechenden inneren und äußeren Sturm waren naturgemäß gar viele Glieder des Klerus nicht gewachſen; die Pfarrregiſter zeigen es. Bei den Namen der Pfarrer dieſer Zeit finden ſich Zuſätze, die in ihrer Kürze und raſchen Aufeinanderfolge ganze Bände reden. Da heißt es z. B. 1584 Ludwig N. dimissus(entlaſſen); 1588 Jakob Müller penuria congruae(aus Mangel an Einkommen); 1596 Joh.

¹ Die Chroniken der mittelrheiniſchen Städte. Mainz. Zweiter Band: S. 71.

² Paſtor: Geſchichte d. Päpſte Band II, S. 145, Anmerkung 2.

Städtechroniken: Mainz II, S. 86.