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Die Beſtürzung in Rom war groß; die päpſtlichen Nuntien verſicherten, daß es nicht die Meinung des Papſtes ſei, den geiſt⸗ lichen Zehnten ohne Zuſtimmung der Nation aufzulegen; ſie be⸗ mühten ſich, die einzelnen Glieder der Fürſtenverſammlung wieder zu gewinnen, zu beruhigen und von Diether zu trennen.
Ein neuer Fürſtentag, den Diether am 4. Juni in Mainz verſammelte, war nur ſchwach beſucht. Diether forderte ein all⸗ gemeines Konzil als das einzige Mittel,„das gegen die Herrſch⸗ ſucht des Apoſtoliſchen Stuhles übrig bleibe“; die päpſtlichen Ab⸗ läſſe und Zehnten ſeien Gelderpreſſungen, wozu der Türkenkrieg den erwünſchten Vorwand abgebe.
Am 21. Auguſt 1461 wurde Diether vom Papſte ſeiner erz⸗ biſchöflichen Würde enthoben, Adolf von Naſſau zu ſeinem Nach⸗ folger beſtimmt. Diether appellierte von dem übel unterrichteten Papſt an den beſſer zu unterrichtenden und verſuchte, ſein Land mit Waffengewalt zu behaupten. Er verband ſich mit dem Pfalz⸗ grafen Friedrich und verpfändete ihm gegen 100000 Gulden die Bergſtraße. Von Höchſt aus erließ dann Diether am 30. März 1462 jenes berühmte Manifeſt an alle geiſtlichen und weltlichen Fürſten, worin er an ihr Solidaritätsgefühl gegen den päpſtlichen Stuhl appelliert. Von dem erſten Buchdrucker, Johann Guten⸗ berg zu Mainz, wurde dieſes Manifeſt in vielen Exemplaren ge⸗ druckt. Die Stadtbibliothek zu Frankfurt, das Geſamtarchiv zu Weimar, die Bibliothek zu München, die Stadtarchive zu Speier und zu Kolmar beſitzen noch Exemplare dieſer Flugſchrift, die jetzt zu den wertvollſten typographiſchen Seltenheiten gehört.:
Mit der Stadt Mainz verhandelte Diether von ſeinem Schloß in Dieburg,? und ſuchte ſie zu beſtimmen, ihm treu zu bleiben. Er verſprach ihr dagegen, die Steuer⸗ und Oktroifreiheit der Geiſt⸗ lichen zu beſeitigen. Die Bürger aber waren geteilt, der Rat un⸗ ſchlüſſig und die Stadt verſchuldet. So gelang es den Verbün⸗ deten Adolfs von Naſſau, in der Nacht vom 27. auf 28. Oktober die Stadt Mainz zu überrumpeln und zum Gautor einzudringen. Nach hartnäckigem Straßenkampf wurden die Anhänger Diethers überwältigt. Am folgenden Tag nach der Einnahme, Freitag, den 29. Oktober, hielt Adolf von Naſſau ſeinen Einzug in die geplünderte und verwüſtete Stadt Mainz. Das Erzbistum ſelbſt blieb geteilt; das Rheingau hielt zu Adolf von Naſſau; das Oberſtift zu Diether von Iſenburg. Der Verluſt der Stadt Mainz aber war für Diether ein ſchwerer Schlag; er bequemte ſich zu Unterhandlungen mit ſeinem Gegner. Zuerſt wurde ein Waffenſtillſtand verabredet, dauernd vom 24. April bis 11. No⸗
1 Paſtor: Geſchichte der Päpſte, II. S. 144. Anmerkung 2. Die Chroniken der mitttelrheiniſchen Städte. Mainz. Zweiter Band: S. 29.


