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derte durch neue, nach allen Seiten hin entſtandene Stadttheile beſchränkt worden iſt, mußte den Natur⸗ freund mit Entzücken erfüllen. Die Forderungen der Geſundheitslehre unſrer Zeit muß man freilich nicht als Maßſtab anlegen, denn dieſe würde ſich ebenſowenig mit dem unmittelbar im Südoſten anſtoßenden Friedhof, noch mit dem ſtinkenden Sumpf des Stadtgrabens abfinden können, deſſen trübe Fluthen nicht ſelten in die Keller des Paedagogiums einbrachen, und deſſen ſchwarze Ablagerungen noch in unſren Tagen bei der Fundamentirung von Neubauten wieder aufgedeckt worden ſind.
Nachdem der Bau in etwa 2 Jahren vollendet und das Lehrercollegium conſtituirt war, konnte trotz der äußerſt ungünſtigen Zeiten, die beſonders ſchwer auf der oberen Grafſchaft Katzenellenbogen laſteten(im Jahr 1622 war nicht nur das flache Land von dem Grafen von Mansfeld ausgeplündert und verwüſtet, ſondern auch die Stadt Darmſtadt ſtark gebrandſchatzt worden), mit der Eröffnung der Schule vorgegangen werden.
Die meiſten Schwierigkeiten hatte die Berufung eines Rectors für die neue Anſtalt gemacht, und es bedurfte längerer Verhandlungen mit dem Rector des Marburger Gymnaſiums M. Tonſor und dem D. Juſtus Feuerborn, bis M. Balthaſar Klinckerfus, primarius praeceptor in paedagogio zu Marburg dem dringlichen*) Anſinnen des Fürſten entſprach und den Poſten annahm. Da der Landgraf wohl wiſſe, daß derſelbe lieber am Predigtamt als an der Schulen zu dienen geneigt ſei, ſo ſolle K., wenn er die Stelle ein Jahr oder drei verſehen, eine der beſten Pfarrſtellen im Lande erhalten; auch ſolle ihm zu Darmſtadt in der fürſtlichen Hofkapelle und in der Stadtkirche Gelegenheit gegeben werden, ſich im Predigen zu üben. „Und wenn auch dieſe vocation nicht allerdings ſeinem Sinn gleich wär, hätt er doch zu bedenken den Spruch der heiligen Schrifft scio, domine, non esse penes hominem ipsius viam, non esse penes mor- tales ingredi et suum firmare gressum.“
Als Lehrer wurden berufen der Conrector M. Heinrich Wormbßer und die Collegen M. Heinrich Wick, M. Jakob Walther, M. Johann Matern.
Am Sonntage nach Oſtern, am 12. April, erfolgte im Fürſtlichen Reſidenzſchloſſe die feierliche Eröffnung und Einweihung des Paedagogiums. Um auch der Nachwelt zu überliefern, wie ein erleuchteter Fürſt die Schule ehrte, laſſen wir einen Abdruck der handſchriftlichen in dem Archive aufbewahrten officiellen Beſchreibung der Feierlichkeit folgen.
IV. Beſchreibung, wie die newe fürſtliche ſchul zu Darmſtatt, im monaht Martio(7) anno 1629 eröffnet worden.
Anno Christi 1629 am Sontag Quasimodogeniti, früh zwiſchen ſechs vnd ſiben vhr, ſeind zu Darmſtatt, im Fürſtlichen Schloſſ in einem Gemach daſelbſt, etwa der alten Fürſtin Gemach, nunmehr aber das fürſtliche vorgemach genant, in der mitte ſeine ſeül habend, perſönlich erſchienen, die Durchleüchtige Hoch⸗ geborene Fürſten vnd Herrn, Herr Georg vnd Herr Johannes, gebrüdere, Landgrafen zu Heſſen, Grafen zu Catzenelnbogen, Dietz, Ziegenhain vnd Nidda, oben im gemach, beede nebeneinander ſtehend, vnd dan die Durchleüchtige hochgeborne Fürſtin vnd fraw, fraw Sophia Eleonora, geborne auß Churfürſtlichem Stamm, Hertzogin zu Sachßen, Gülch, Cleve vnd Berg, vermählte Landgräfin zu Heſſen, vnd ſtunden ferner im Gemach auf hochgedachter beeder Fürſten rechter ſeiten, die hierzu erforderte Adeliche vnd gelährte Rhäte, benantlich Cuno Quirin Schütz von holtzhauſen Vice⸗Statthalter, ſambt Hofrichter, Hofmarſchall, gehaimer Rhat vnd Ambtman zu Rüſſelsheim: D. Anthonius Wolf, Cantzlar, gehaimer Rhat vnd Ambtman zu Otz⸗
*) Auch nach der Annahme des Rectorats mußte K. zur Uebernahme des Amtes gedrängt werden.„Weil nun die Zeit der Oſtern herbeieilet, und uns befrembdlich vorkommt, daß du bei unſrer faſt zweimonatlichen Gegenwart zu Marburg dich bei Niemand der Unſrigen angemeldet, auch bis dato kein Wort geſchrieben“, ſo ergeht an dich der Befehl dich unfehl⸗ bar an Oſtern zur Uebernahme des Dienſtes zu ſtellen.


