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1629 hatten ſich Bürgermeiſter und Rath zu Frankenberg wegen eines Knaben aus dieſer Stadt verwendet, damit derſelbe als alumnus, alſo frei, in das neue Gymnaſium zu Darmſtadt aufgenommen werde. Der Landgraf ſchlägt am 3. April 1629 die Bitte ab, da er ſchon uff die 10,000 Rthlr. berürtem gymnasio geordnet, und ihm zur Zeit nicht zuzumuthen ſei, noch mehrere alumnos frey unterhalten zu laſſen,„bei dieſen böſen läufften, da faſt alle unßere gefälle umb die helffte geſchwächt ſeind, und wir dennoch kaum vor jahresfriſt unſre Universität Marpurg mit Einmahlhundert⸗ tauſend Gulden wieder dotirt haben“.
Die erſte Sorge war nun die Beſchaffung eines Schulgebäudes.
III. Bau des Paedagogiums.
Durch Reſcript vom 3. Januar 1627 befiehlt der Landgraf ſeinem Kelner, Baumeiſter und Bau⸗ ſchreiber, daß ſie ſambt und ſonders ernſtes Fleißes daran ſein und befordern, daß mit dem vorhabenden neuen Schulbau fleißig angefangen, ohne underlaß fortgefahren und derſelbe ſchleunig ausgebaut werde. Die Koſten des Baues an baarem Geld waren angeſchlagen zu 3078 fl. 18 alb., wozu noch viele Natural⸗ lieferungen kamen, deren Geldwerth ſich der Berechnung entzieht. Zur Aufbringung dieſer für die da⸗ malige Zeit immerhin recht beträchtlichen Summe verordnet der Landgraf,„daß alle und jede unſre Unter⸗ thanen dieſes unſres orth Lands der Obergrafſchaft Katzenellenbogen in Städten und ufm Lande, Mann vor Mann, keines, es ſeye auch wer es wölle, hierinnen ausgeſchloſſen, und wer Pferd und Geſchirr hält, Ein Gulden, die aber keine Pferd halten, einen halben Gulden, Gott zu Lob und Preiß, und dieſem vor⸗ nehmen Werk zur Handleiſtung gutwillig beiſteuern ſollen.“ Das Gebäude wurde im ſüdlichen Theil der Stadt, dicht an der Stadtmauer neben dem Beſſunger Thor an einem ruhigen Ort„wo Lehrer und Lernende nicht geärgert und geſtört werden könnten“, in vierſtöckigem maſſivem Bruchſteinbau, aufgeführt. Die Nordſeite ziert ein Thurm, der den Treppenbau enthält und mit dem fürſtlichen Wappen geziert iſt; auf ſeinem höchſten Theile war die Schulglocke aufgehängt. Die Länge des Gebäudes beträgt 85“, die Breite 42“, die Höhe 80„ die Höhe des Thurmes 112. Der Flächeninhalt der Lehrzimmer nach der ſpäteren Einrichtung 1295, 874, 1023, 818, 710 ◻ F. Das unterſte Stockwerk umfaßte ein Vorgemach, eine große Schulſtube 30 zu 27 rh., eine Stube und Kammer„vor einen praeceptorem; der zweite Stock dieſelben Räumlichkeiten, der dritte Stock eine große Stube 31 ½ zu 31 ½, die in dem Plan als Bibliothek bezeichnet iſt, ſowie eine Schulſtube 31 ½ zu 25, der vierte Stock ein großes Vorgemach, 2 Stuben und 4 Kammern, ohne Zweifel zu Wohnungen beſtimmt. Nach der Declaration von 1658 hatten der Rector und der dritte Präceptor Wohnungen im Hauptgebäude, dem Conrector und einem Präceptor waren im Eingang des Hofes gewiſſe, abſonderlich dazu erbaute Loſamenter als Wohnung angewieſen. 2 praeceptores ſollten 20 fl. für ihre Wohnung in der Stadt erhalten,„weil ſie nicht alle im Paedagogio raum zum wohnen haben“.*)
Das neue Gebäude des Paedagogiums(im Volksmunde Pié oder PiÄü genannt) war neben dem fürſtlichen Reſidenzſchloſſe ſowohl durch ſeine maſſive Bauart, wie auch durch ſeine Höhe das hervor⸗ ragendſte Bauwerk der damals noch kleinen, unſchön und winkelig gebauten Stadt, und man wandte auf dasſelbe den Horaziſchen Vers an: Ep. I., 2, 10. laudaturque domus, longos quae prospicit agros. In der That, die weite Rundſicht, die man von den oberen Stockwerken aus nach den waldigen Höhen des Odenwalds und der Bergſtraße, wie nach dem ferneren Taunus und der weiten Rheinebene mit dem gewaltigen Plateau des Donnersberges am weſtlichen Horizonte genoß, und die erſt in unſerem Jahrhun⸗
*) Uebrigens wird ſchon 1658 über Baufälligkeit des Paedagogiums geklagt und eine Commiſſion zur Einſichtnahme und Abhülfe der Schäden angeordnet, und 1661 dem Fürſtlichen Baumeiſter Joh. Wilh. Pfannmüller ernſtlich befohlen, die hochnöthige reparirung im Paedagogio gewiß und ohnfehlbar zu werckh zu richten.


