— 92—
und dass wir die hochgeehrten Eltern ersuchen um die Unterstützung der Schule in ihrem Be- streben, dergleichen vorzeitige Ausschreitungen der Jugend zu verhüten, welche die Gesundheit, den Fleiss und die Sittlichkeit der Schüler den grössten Gefahren aussetzen.— Einem andern Missbrauch, der sich in unsre Oberclassen eingeschlichen hatte, wurde im Laufe des Winter- semesters gesteuert. Es ergab sich, dass einige Schüler zu viele Privatstunden ertheilten, dabei recht hübsches Geld verdienten, aber ihre Schularbeiten vernachlässigten. Durch Beschluss der Lehrerconferenz vom 12. December 1878 wurde festgestellt, dass kein Schüler mehr als 4 Stunden wöchentlich geben dürfe, selbstverständlich auch diese nur nach vorgängiger Genehmigung des Ordinarius. Ausserdem hat, damit die Lehrer wissen, in wie weit die Zeit jedes Schülers ander- weitig als für Schularbeit in Anspruch genommen ist, jeder Schüler auch über die von ihm ge- nommenen Privatstunden, sowie über die Theilnahme an Vorlesungen u. s. w. dem Ordinarius Anzeige zu machen. Was die Vorlesungen im Senckenbergianum angeht, so erfolgt der Zutritt zu diesen schon nach dem bisherigen Gebrauch nur durch Vermittelung der Direction des Gymua- siums.— Die übrigen Disciplinarsachen dieses Jahres, wie bedauernswerth auch einige darunter waren, hatten für die Schule im Ganzen keine Bedeutung.
Das Maifest der Schule fand statt am 1. Juni 1878. Die Schüler machten classen- weise Ausflüge in die Umgegend, in Begleitung von Lehrern: Prima A und Prima B nach Wein- heim, Obersecunda nach Forsthaus Einsiedeln, Untersecunda A nach Lindenfels, Untersecunda B nach Wiesbaden und dem Rheingau, Obertertia A nach dem Melibocus, Obertertia B nach Geln- hausen, Ronneburg, Büdingen; Untertertia A nach Langenselbold, Ronneburg, Büdingen; Untertertia B, Quarta A und Quarta B nach der Bergstrasse, Quinta A nach dem Schwan- heimer Wald, Quinta B nach der Saalburg, Sexta in den Frankfurter Wald.— Der Sedantag, 2. September, wurde diesmal durch ein eigenthümliches Schulfest begangen, welches, da es allgemeinen Anklang gefunden hat, wahrscheinlich das nächste Mal wieder- holt werden wird. Am Morgen wurde ausgezogen in fünf verschiedenen Abtheilungen, welche zu einem gemeinschaftlichen Mittagsessen in Oberursel zusammentrafen. Um 2 Uhr marschirte die gesammte Schule, von Musik begleitet, nach dem nicht weit von da gelegenen, mit Kasta- nien bepflanzten Platze, von wo sich die malerischste Aussicht darbot. Hier wurden, nachdem mehrere patriotische Lieder gesungen waren und der Director eine kurze Ansprache gehalten hatte, Spiele aller Art organisirt, zuerst ein allgemeines Vogel- und Scheibenschiessen, dann ein Fünf- kampf, ausgeführt von den Schülern der Prima und Secunda, verschiedene Ballspiele der übrigen Classen, Topfschlagen, Klettern u. s. w.; zuletzt folgte die Vertheilung der Preise. Die erwählte Commission, bestehend aus den Herren Dr. Noll, Gillhausen, Turninspector Danneberg, Weiden- busch, Schmidt, hat sich durch rastlose Thätigkeit und geschickte Anordnung des Ganzen den Dank der Schule erworben. Das Fest verlief sehr heiter und wurde vom schöüsten Wetter be- günstigt. Zu den Kosten hatte das Hochlöbliche Curatorium die Güte eine Summe von 100 Mk. zu bewilligen; die übrigen wurden von den Schülern und Lehrern selbst aufgebracht.— Die Feier des Kaiserlichen Geburtstages am 22. März 1879 wurde durch einen Schulact im Kaisersaal begangen, bei welchem Herr Dr. Schütz die Festrede und damit zugleich seine An- trittsrede hielt.— Am Schlusse des Semesters(3. April 1879) beabsichtigen die Schüler der obern Classen eine dramatische Aufführung zu Stande zu bringen, ühnlich wie sie früher öfter im hiesigen Gymnasium(zuletzt 23. März 1870) um Fastnacht stattzufinden pflegte.— An


