Aufsatz 
Die einfachsten Mittel zur Zeitbestimmung für's praktische Leben : 1. Teil
Entstehung
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den Sternen fortrückt, und dass der wahre Sonnentag länger sein muss, als der Sterntag, sowie dass die Sonnentage unter sich nicht von. gleicher Länge sein können. Denn nähmen wir an, die Erde habe keine Bahnbewegung, sondern stehe still, und rotiere nur um ihre Axe, so würde uns auch die Sonne an einem Orte unter den Fixsternen still zu stehen scheinen und nur die allgemeine Bewegung des ganzen Firmamentes mit den übrigen Sternen theilen. Sie würde alsdann mit dem Fixstern, der mit ibr von demselben Stundenkreise getroffen wird(gleiche Rectascension mit ihr hat) immer zu gleicher Zeit durch den Meridian gehen und ein Sonnen- und ein Sterntag würden vollkommen gleich sein. Da sie aber nicht stille steht, sondern jeden Tag durchschnittlich um nahe 1 Grad östlich fortrückt, so wird am nächsten Tage der Stern, mit dem sie Tags vorher zugleich durch den Meridian gieng, früher in denselben treten, als die Sonne, welche in dieser Zeit um 1o0 nach Osten weiter fortgerückt ist. Die Sonne bedarf also noch einer kleinen Zeit(nahezu 4 Minuten) um den Meridian zu erreichen, und der Sonnentag wird also um so viel länger sein, als der Sterntag, als der kleine Bogen des Aequators, der jezt zwischen den beiden Stundenkreisen der Sonne und des Sternes liegt, Zeit bedarf, um sich durch den Meridian zu schieben. Da ferner die unter den Fixsternen fortschreitende Bewegung der Sonne eine ungleich- förmige, bald langsamere bald schnellere ist, so müssen auch die Bogen zwischen den Stundenkreisen der Sonne und der Sterne ungleich sein, und desshalb auch die wahren Sonnentage in den verschiedenen Zeiten des Jahres unter sich ungleich an Länge ausfallen. Es kann daher ein einzelner derselben nicht als Einheit für ein Zeitmass angenommen und gebraucht werden, wie dieses mit dem Sterntage sehr gut geschehen könnte. Man ist daher genöthigt gewesen, weil das Zeitmass ein unabänderlich festes uud bestimmtes und doch an die Sonne, die all unser Thun und Treiben regelt, geknüpft sein muss, einen in seiner Dauer sich stets gleichen, gleichsam künstlichen Tag zu erfinden und ihn aller Zeitmessung und Zeitbestimmung als Ein- heit zu Grunde zu legen. Zu diesem Zwecke denkt man sich eine zweite Sonne, die, während die wirkliche Sonne mit ungleicher Geschwindigkeit die Ekliptik durch- läuft, sich mit stets gleicher Geschwindigkeit im Aequator fortbewegt. Beide lässt man in demselben Momente durch den Frühlingspunct der Tag- und Nachtgleiche des Aequators gehen und nach Verlauf eines Jahres genau zur selben Zeit sich dort wieder begegnen*). Diese fingierte Sonne wird also jeden Tag um dieselbe Grösse

*) Obige Annahme ist nicht ganz scharf. Wir haben sie aber darum gewählt, weil sich das Verhält⸗ nis der mittleren zur wahren Sonne dadurch am leichtesten überschauen lässt, dass man sie beide von einem den Bahnen beider gemeinschaftlichen Puncte ausgehen lässt. In der Wirklichkeit geht die mittlere vor der wahren Sonne durch den Durchschnittspunct des Aequators und der Ekliptik(in diesem Jahre um 7 Min. 50,3 Sec.). Um das Verhältnis scharf zu fassen, muss man beide in ihren respectiven Bahnen von demjenigen Meridian zugleich ausgehen lassen, wo die Bahngeschwindigkeit der wahren Sonne