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Ehrengabe zu weihen. Haben sie ja doch auch für das Gemeinwohl ihre Leiber hingegeben und für sich unverwelklichen Ruhm gerettet und ein Grab voll der Ehren, nicht sowohl um darin zu ruhen, sondern als eine Stätte, an der ihr Ruhm bei jeder feierlichen in Wort oder That sich äussernden Gelegenheit unverlöschlich haftet. Denn in die Augen fallender Männer Grab ist das All und nicht Säulenaufschriften allein in ihrem eigenen Hause zeugen von ihnen, sondern es hält auch Jänger vor über ihren Bereich hinaus in jedem das nicht verbriefte Andenken des ständigen Gefühls, als des ausseren Ausdrucks desselben. Ihr nun in würdiger Nacheiferung dieser hier erkennet in der Freiheit das Wesen des Glücks und im Beherztsein die wahre Freiheit und blickt nicht ängstlich um euch ob der Feindesgefahr. Denn mit weniger Fug dürften wohl diejenigen, denen es schlecht geht, auf Schonung ihres Lebens denken, für die es schlechterdings keine Hoffnung auf Besserung gibt, sondern die, bei denen ein Umschlagen im Fall des Weiterlebens zu besorgen ist und denen am meisten fühlbar die Kluft wäre, wenn sie einmal ins Sinken fallen sollten. Denn schmerzlicher ist für einen Mann von Ehre neben seinem verweichlichten Wesen das Sinken in der Achtung, als der im Gefühl der Stärke und in Begleitung der alle bewegenden Hoffnung eintretende schmerzlose Tod.
44) Drum beklage ich auch jetzt nicht sowohl euch Eltern der hier liegenden, so viele ihr da seid, als ich vielmehr Trost sprechen will. Denn sie wissen sich in buntwechselnden Schicksalsfüg- ungen gross gezogen, ein Glück aber für die, so das höchste Mass des Ruhmes erloost haben, wie die jetzt hier ihren Hingang, ihr aber Trauer— und als Menschen, denen der Lebensweg gleich- mässig hingemessen wurde auf ihm glücklich zu sein und ihn wie auch immer abzuschliessen. Wohl verkenne ich nun die Härte nicht zu trauern ¹) um die, an welche ihr auch oft in der Zukunft noch (unliebsam) werdet gemahnt werden angesichts der Glückslage anderer, deren ihr euch auch selbst einmal rühmen konntet. Auch pflegt ja Trauer nicht zu sein um Güter, deren einer vielleicht verlustig geht ohne sie nur gekostet zu haben, sondern um solches, das einem lieb geworden ge- waltsam genommen wird. Aber stille zu halten gilt es auch in der frohen Aussicht auf andere Kinder, so noch Zeugungskraft haben. Denn im Familienkreise werden die nachkommenden Manchen die nicht mehr Seienden vergessen lassen und dem Staate werden sie nach zwei Seiten von Nutzen sein, insofern er dadurch nicht entvölkert wird und(damit) für seine Sicherheit. Denn es geht nicht an, dass mit gleicher Billigkeit und Gerechtigkeit im Rathe sitzen, die nicht ebenso auch ihre Kinder hinzugeben sich entschliessen können. So viele ihr dagegen über die Jahre hinaus seid, erachtet als Gewinn die längere Spanne, die ihr glücklich waret und als kurz die noch kommende, und macht es euch leichter ums Herz durch den Ruhm der hier. Denn das Element der Ehrliebe altert allein nicht und nicht stimmt etwa zu höherer Freude auf der unbrauchbaren Altersstufe materieller Gewinn, wie manche behaupten, sondern in Ehren zu stehen.
45) Und anderseits für Kinder derer hier, so viele ihr zugegen seid, oder Brüder ahne ich den Wettstreit als schwierig; denn den nicht mehr lebenden pflegt jeder zu loben und kaum dürftet ihr bei übermässigem Kraftaufwand geschweige als gleiche, vielmehr kaum um ein geringes ihnen nach- stehend erscheinen. Denn die lebenden trifft Neid angesichts der Nebenbuhlerschaft, was aber nicht (mehr) hemmt, geniesst der Ehre einer wohlwollenden und unbestritten neidlosen Gesinnung.
Soll ich auch in etwas noch der Tugendforderungen an die Weiber gedenken, so viele ihrer
1) g⁵νϑεεν statt des herkömmlichen eiειν(Reifferscheid.)
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