Aufsatz 
Einige Worte über den Wert der Kommentarien Cäsars vom Gallischen Kriege für die Jugend und die Schule
Entstehung
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und das Leben der Völker verräͤth Cäſar wenig äͤchte Wißbegierde, und noch weniger Sinn und Gemüth für die Eigenthümlichkeit ihres Seins nnd Strebens. Wie könnten wir freilich die gerechte Würdigung eines Tacitus von dem er warten, der mit der Freiheit der Völker den innerſten Keim ihres nationalen Lebens erdrückte! Nur was verſpricht, für ſeine eigne Zwecke Mittel zu werden, oder was in der äͤußern Erſcheinung ſcharf genug hervortritt, um durch den Reiz des Neuen zur Unterhaltung der Leſer zu dienen, findet bei ihm Beachtung. Wie viel nun Cäſar abſichtlich verſchwiegen, oder was er entſtellt hat, läßt ſich nicht mehr mit Sicherheit ausmitteln, und nur etwa muthmaßlich errathen 10). Allein ſichtbar iſt ſein Beſtreben, die Thatſachen zu ſeinem Vortheile zuſammen⸗ zuſtellen und ſeine Ungerechtigkeit und Herrſchſucht zu verdecken. In dem Tone eines Römiſchen Weltmannes weiß er die Motive und Beſtrebungen ſeiner Gegner herabzuwürdigen und zu verhöhnen; mit ſchamloſer Dreiſtigkeit eigne Härte, Arg⸗ liſt und Unmenſchlichkeit mit Bösartigkeit und Tücke der Barbaren zu rechtferti gen. Er iſt geneigt, gerechten Widerſtand und Liebe zum Vaterland mit dem Namen der Undankbarkeit und des Verrathes zu brandmarken, und die Kunſt zu verlocken, zu bethören, Mistrauen und Zwietracht auszuſäen, in den Schein Roͤ⸗

tos putat; cum Cæsar pleraque, et quae per alios erant gesta, temere crediderit, et quae per se, vel consulto, vel etiam memoria lapsus, perperam ediderit: existimatque rescripturum et correcturum fuisse. Man ſieht, die Gedaͤchtnißfehler ſollen zur Milderung des Urtheils dienen.

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Labiens Auftrag an Voluſen: Commium per simulationem conloqui curaret interficiendum, und die Art, wie Hirtius b. g. VIII., 23. dieſe perfidia zu beſchönigen ſucht, erregt uͤber viele andere Vorgaͤnge gerechten Verdacht, ſelbſt uͤber den nur beilaͤufig erwaͤhnten Tod des Koͤnigs Arioviſt V., 29., an dem die Critiker ſchon oft Anſtoß fanden. In jedem Falle iſt in der letzten Forderung des edlen Atrebaten, VIII., 48. ut timori suo(*) conce- datur, ne in conspectum veniat cuiusquam Romani, ein ſchrreres Zeugniß gegen Caſar und ſeine Werkzeuge ausgeſprochen.