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Lebenszustände hinzugeben und dadurch an selbstschaffender Energie einzubüssen, bewahrt ihn sein fein entwickelter Sinn für die Wirklichkeit, der doch immer den Ausgangspunkt für seine geschicht- liche Auffassung bildet; dafür steht er viel zu sehr auf dem Boden der Gegenwart und ge- schichtlichen Entwickelung; dafür offenbart sich in seinen Dichtungen ein viel zu kräftiger Realis- mus. So heisst es in dem Gedicht„An den Ritter Wolfart von Greifenegg“:
Drum wollen wir die Gegenwart Und was die junge Welt erharrt,
Mit rechter Treu verwalten, V Versuchen zu gestalten. ¹)
Und damit leitet er zugleich als prophetischer Wegweiser in die Zukunft über:
Wir hoffen von der Zukunft viel, V Und länger nicht der Willkür Spiel
Das Recht soll wiederkehren, Das deutsche Volk entehren. ²)
Kein Dichter hat wohl den hohen Beruf, die Weihe und die Stellung des deutschen Volkes inmitten der grossen Völkerfamilie, innerhalb deren die deutsche Nation als gründlichste, inner- lichste und beschaulichste, als die zur natürlichen Vorkämpferin für der Menschheit höchste und heiligste Güter am ersten berufene erscheint, erhabener und schöner gezeichnet als Schenkendorf in dem Gedichte„Antwort“:
Ein Geist von oben dringet Das ist das Volk im Herzen Durch alle Völker hin, Der heil'gen Christenwelt,
Doch jeden Stamm bezwinget Das fester alle Schmerzen
Sein eigner tiefer Sinn. Und alle Freuden hält.
Wie viel auch sind der Stufen Das ist ein Volk der Treue,
Am Thron der Ewigkeit, Der Demut und der Kraft.
Ein Volk ist hoch berufen Das ist die Gottesweihe,
Vor allen weit und breit. Die Deutschlands Würde schafft. ⁵)
Ein deutsches Reich und ein deutscher Kaiser ist der Grundgedanke seiner politischen Wünsche, den er tief wie irgend einer gehegt, edel und gewaltig wie kein anderer im Liede verkündigt.„Er liess die Sehnsucht rufen so laut, dass Deutschland ihn, die verlass'ne Braut, nennt ihren Kaiserherold.“ Von den vielen Stellen, die dem Verlangen nach einem Reichsoberhaupt Ausdruck geben, mögen hier die charakteristischsten angeführt werden. In diesem Sinne richten „Die Deutschen an ihren Kaiser“(Juli 1813) die Aufforderung:
Deutscher Kaiser! deutscher Kaiser! Komm zur Sühne, komm zur Rache— Komm zu rächen, komm zu retten, Sei ein Rudolf, sei ein Karl!—
Löse deiner Völker Ketten, Wirf nicht fort, was Gott geboten; Nimm den Kranz, dir zugedacht!— Wieder auf entsühntem Throne Deutscher Kaiser! deutscher Kaiser! In der alten heil'gen Krone
Säumst du? schläfst du? Auf, erwache! Sei der Stern der Christenheit! ⁴)
So lauten die 1., 4. und 5. Strophe des Gedichts, welches die Überschrift trägt„Der Stuhl Karls des Grossen“:
Frei geworden ist der Strom, Allen Völkern zum Ergötzen, Ist das Land am deutschen Rheine; Der Bedrängten Schirm und Wehr? v. l. Nur Doch der Stuhl von Felsgesteine Ach die Sehnsucht wird so laut! v. 1. das Sehnen Trauert noch im Aachner Dom.— Wollt ihr keinen Kaiser küren? Steht er wohl noch lange leer? Kommt kein Ritter, heimzuführen Will sich drauf kein Kaiser setzen Deutschland, die verlass'ne Braut? ⁵) 1) 7. Str. pag. 108.— Bei dieser Gelegenheit mache ich auf einen sinnentstellenden Druckfehler der Ausgaben
in der 6. Str. aufmerksam, woselbst statt„warum“ wir alle werben„worum“ zu lesen ist. 2) ib. Eingangs-
strophe pag. 107. 3) 2. und 3. Str. pag. 84. 4) 1, 9., 13. Str. pag. 76, 77. 5) pag. 149. 3


