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Schoß der Erde geborgene und unberührte Ueberreſte unſrer heidniſchen Vorfahren ſtießen: auf Aſche, angebrannte Knochenſtückchen, größere und kleinere Geſchirre verſchiedener Form aus ſchwarzgrauer Thonerde. Leider waren dieſe bereits entweder durch die dar⸗ auf laſtenden Erdmaſſen zerdrückt, oder durch eingewachſene Baumwurzeln zerſprengt, oder ſie wurden, feucht und leicht zerbröckelnd, bei der Schwierigkeit des Aufgrabens und aus Unvorſichtigkeit zerſchlagen. Nur Ein ganzes ſchönes urnenartiges Gefäß gewann die zu gleichem Zwecke mitgenommene Mannſchaft des für die Sache ſich ſehr intereſſiren⸗ den Herrn Hauptmann Krohn vom 19. Linien⸗Infanterieregiment. Einige ſpätere Nachgrabungen, wobei zum Theil auch Lehrer und Schüler waren, lieferten mehr Aus⸗ beute, auch Metallſtücke, z. B. einen Armring aus Bronze u. A. Dieſe Arbeiten haben übrigens Anlaß gegeben zum Zuſammentritt eines Vereins für teutſche Alterthümer und Geſchichtskunde, welcher jetzt der höhern Beſtätigung ſeiner Statuten entgegenſieht und bald ein Lebenszeichen ſeines Beſtandes und ſeiner Thätigkeit zu geben gedenkt. Vor⸗ läufig findet ſich eine Nachricht über dieſen Gegenſtand in der Berliner Staatszeitung No. 189.
Den dritten Auguſt feierte die Anſtalt, nach dem Beſuch des Gottesdienſtes, dießmal durch Geſang, Feſtreden und Recitation von geeigneten Gedichten. Der Quin⸗ taner Franz Schreiner aus Frauſtadt declamirte das preußiſche Mantellied von Hol⸗ tei, der Quartaner Oskar Graff von hier das preußiſche Volkslied: Wo iſt das Volk u. ſ. w., der Tertianer Wilhelm Thorn aus Neuwied Müchler's Zuruf an die Teutſchen, und der Secundaner Karl v. Düring aus Coblenz die Huldigung des Rheins an Friedrich Wilhelm III. von A. W. v. Schlegel. Mit einer eigenen Rede über das Thema: Aus welchen Quellen entſpringt wirkſame Vaterlandsliebe? trat der Primaner Georg Mannskopf aus Siegen auf, und der Oberlehrer Graff ſchloß den Redeactus mit Betrachtungen über den Entwickelungsgang der Menſchheit, wie ſolcher in der Weltgeſchichte ſich offenbart. Eine zahlreiche Verſammlung von Män⸗ nern und Frauen bezeigte dieſem patriotiſchen Schulfeſte ihre Theilnahme.
Nicht ohne öftere Störungen durch Kränklichkeit einzelner Lehrer iſt dieſes Jahr vorübergegangen. Beſonders angegriffen fühlte ſich der Oberlehrer Steger gegen Ende des Winterſemeſters, daher ihm das Königl. Provinzial-Schulcollegium im Sommer einen vierwöchentlichen Urlaub ertheilte zu einer Erholungsreiſe, von welcher er Gottlob! mit geſtärkter Geſundheit und wiederum geſchickt zur Ausübung ſeiner Berufspflichten zurückgekehrt iſt. Der größere Theil ſeiner Unterrichtsſtunden wurde während ſeiner Abweſenheit durch den Director und die andern Lehrer verſehen.
Da durch den Weggang des Herrn Profeſſor Wiedaſch eine Stelle im Gymna⸗ ſial⸗Verwaltungsrathe, der auſſer ihm den Königl. Landrath Herrn v. Sparre und den Director des Gymnaſium zu Mitgliedern zählte, erledigt worden war, ſo ernannte
Solms⸗Braunfels ſchon im Jahre 1816 Nachgrabungen veranſtaltet und aus 69 geöffneten Gräbern eine Sammlung anlegen laſſen, welche der Fürſtliche Archivar Schaum in einem eigenen Werke beſchrieben hat.


