Vorwort.
Infolge eines Erlasses des hohen k. ung. Ministeriums für Kultus und Unterricht hat das hochlöbliche Landeskonsistorium der evangelischen Landeskirche A. B. in den sieben- bürgischen Landesteilen Ungarns unterm. 4. August 1893, 2. 1599, den Direktionen der ihm unterstehenden Mittelschulen den Auftrag erteilt, in dem Programm für das Schuljahr 1895/96 die Geschichte der betreffenden Anstalt zu veröffentlighen.
Dieser Auftrag bildet die Veranlassung zu der vorliegenden Arbeit.
In dem Archiv des Vereins für siebenbürgische Landeskunde ist von Herrn Dr. Friedrich Teutsch in Bd. XVII und XIX die Geschichte des Hermannstädter Gymnasiums bis zum Jahre 1850 veröffentlicht worden.
Sie hat einen grösseren Hintergrund, indem sie die Geschichte der Hermannstädter Schule immer im Zusammenhang mit den geistigen Bestrebungen des gesamten sächsischen Volkes schildert, die in grossen Zügen für die einzelnen Perioden zur Darstellung gelangen.
Die vorliegende Arbeit bewegt sich in viel engeren Grenzen. Die Geschichte der Her- mannstädter Schule bietet übrigens nicht viel bedeutende Momente. Richtung gebende Pädagogen haben an ihr nicht gewirkt. Die Schule hat sich, wie nicht anders möglich, nur allmählich entwickelt, sie ist dabei im Allgemeinen stets den Fortschritten der Paedagogik in Deutschland gefolgt, aber der Zeit nach immer um ein gutes Stück hinter ihnen zurückgeblieben. Bei der vollständigen Freiheit und Selbständigkeit, welche die Schule in Bezug auf Lehrgang und Lehrmethode bis zur zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts besitzt, ist die Entwickelung derselben mehr noch, als dieses ohnehin der Fall zu sein pflegt, von den an ihr wirkenden Lehrkräften abhängig, darum nicht immer eine fortschrittliche. Dié aus der früheren Zeit vor- handenen Quellen beziehen sich im Wesentlichen fast nur auf die äussern Verhältnisse der Schule und gerade die für die Geschichte einer Schule bedeutsamsten auf die innere Ent- wickelung bezüglichen Verhältnisse treten wenig scharf hervor.
Seit dem Erscheinen der Hermannstädter Schulgeschichte von Dr. Fr. Teutsch sind durch die von demselben Verfasser als Bd. VI und XIII der Monumenta Germaniae Paeda- gogica herausgegebenen siebenbürgisch-sächsischen Schulordnungen zum Teil neue, zum Teil eingehender behandelte Quellen zur siebenbürgisch-sächsischen Schulgeschichte eröffnet worden. Bei der Schulgeschichte von Teutsch ist das Hermannstädter Stadtpfarramts-Archiv nicht benützt worden und dieses enthält für die zweite Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts reiches Material. Als willkommene Ergänzung sind dazu einige kleinere auf die Geschichte des Hermannstädter Gymnasiums bezügliche, später in dem Korrespondenzblatt des Vereins für siebenbürgische Landeskunde veröffentlichte Mitteilungen gekommen.
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