Martinspfründe nur 6 Malter Korn und 6 Malter Gerſte geben. Das genüge. Auch möge man jedem der beiden Magistri 300 fl., 10 Malter Korn, 5 Malter Gerſte und 1 Fuder Wein als jährlichen Gehalt feſtſetzen. Der Üüberſchuß aber, der wohl durchſchnittlich per Jahr 150— 200 fl. betrage, ſolle in den Fonds fließen. Der Antrag wurde befolgt(ſiehe Art. 2 der Verordnung des Kurfürſten Franz Ludwig vom 16. April 1731) und es war ſomit der Weg der Erſparung betreten, der die ſpätere Erweiterung der lateiniſchen Schule zu einem Gymnaſium möglich machte.**¹)
Von 1739— 1757 Georg Adam Caſtricius von Hammelburg wurde dem altersſchwachen Matthias Kalter als Koadjutor beigegeben. Er war zugleich Pfarrer von Gernsheim, behielt dieſe Pfarrei bei, nachdem er nach Bensheim berufen war, und ließ ſie durch einen Kaplan verwalten. Doch wurde 1746 ſeine Wirkſamkeit auf die Pfarrei Bensheim beſchränkt. Caſtricius war ein ſehr thätiger Mann, bebaute das Pfarrgut ſelbſt, renovierte das Pfarrhaus und ließ die Mauer um den Pfaffenſtein bauen. Einen harten Stand hatte er in dem oben geſchilderten Streit von 1746 um das Präſentationsrecht des Bens⸗ heimer Rats auf beide Benefizien. Er ſtand im Verdachte, die unliebſame Verordnung des Kurfürſten Johann Friedrich Karl von Oſtein beantragt zu haben, welche dem Bensheimer Rat nur nach dem Ab⸗ leben eines Benefiziaten die Präſentation geſtattete, bei ſonſt eintretender Vakanz aber z. B. bei erwieſener Unfähigkeit eines Beuefiziaten oder bei Verſetzung eines ſolchen das betreffende beneficium durch erzbiſchöf⸗ liches Generalvikariat zu beſetzen gebot.(So Art. 2 der erwähnten Verordnung, vgl. Anm. 25.) Caſtricius ſtarb den 16. Mai 1757 in einem Alter von 60 Jahren.
Von 1757— 1793 Johann Baptiſt Heckmann von Mörlenbach, vorher Pfarrer zu Lorſch, ſeit dem 1. Juli 1757 Pfarrer und Dekan zu Bensheim, ſtarb den 5. Juli 1793.
Von 1793—1801 Peter Schäfer, geboren zu Limbach 1761 am 5. März. Die Pfarrei Bensheim war von dem Mainzer Erzbiſchof Friedrich Karl Joſeph zu einer Doktoralpfarrei erhoben worden und als ſolche erhielt ſie zuerſt Schäfer, den 17. Juli 1793, nachdem er 5 Jahre Kaplan hier war. Er ſtarb den 22. Oktober 1801.
1801— 1803. Peter Müller von Mainz hatte als Doktor der Theologie die Pfarrei Amorbach erhalten und erhielt als ſolcher nun den 27. November 1801 die Pfarrei Bensheim. Er ſtarb den 3. Fe⸗ bruar 1803 im Alter von 43 Jahren.
1803— 1822. Johann Sebaſtian Reichert von Erlenbach am Main war persona gratissima dem Kaiſer Leopold II., der durch ſ. g. preces primarias vom 27. Februar 1791 allen denen, ſo eine Kollation zu einem der Altarbenefizien in der Kirche zu St. Agnes in Mainz zuſtehe, den Befehl erteilte, bei erſter Vakanz dem Sebaſtian Reichert eine Pfründe zu verleihen und den Erzbiſchof von Mainz Emmerich Joſeph, ſowie den Biſchof von Bamberg Franz Ludwig mit der Ausführung dieſes kaiſerlichen Befehles beauf⸗ tragte.*²) Reichert war daun 24 Jahre lang vicarius und erſter Domprediger zu Mainz und auch persona gratissima dem Landgrafen Ludwig X. von Heſſen, dem er ſeine Anſtellung als Pfarrer zu Bensheim durch
27) Wie früher die Behörde die Anfrage geſtellt hatte(1730), ob es nicht möglich ſei, die lateiniſche Schule durch Anſtellung eines dritten Benefiziaten zu erweitern, ſo glaubte ſie(wohl in Folge der Erſparungen) ſchon 1746 die Zeit gekommen, die projektierte Erweiterung auszuführen, wie aus einem Schreiben des Rates und Bürgermeiſters an Erzb. G.⸗V. hervorgeht. Das Schreiben iſt d. d. 26. März 1746 und hat folgenden Inhalt. Nach der vor einigen Jahren, vor⸗ genommenen und noch andauernden Renovation der Gefälle der Pfarrkirche hätten ſich deren Verhältniſſe gebeſſert, zumal die Schulbedürfniſſe aus der Stiftung des 1734 verſtorbenen Rats⸗senior Kaspar Mibbous beſtritten würden. Den beiden Benefiziaten ſei ein fixer Gehalt beſtimmt und die übrigen Erträgniſſe der Benefizien gehörten dem Fonds. Doch hätten ſich die Mittel noch nicht ſo gehoben, daß man einen dritten Benefiziaten anſtellen könne. Nach einer beiliegenden Spezi⸗ fikation betrugen die Einkünfte des erſten Benefiziums in glücklicher Zeit jährlich 508 fl. 32 Kreuzer, in unglücklicher Zeit aber nur 100 fl. 20 Kr., die des zweiten in glücklicher Zeit 324 fl. 22 Kr., in unglücklicher Zeit aber nur 179 fl. 37 Kr.
²8) Die ſchöne lateiniſche Urkunde auf Pergament mit wohlerhaltenem kaiſerlichem Siegel findet ſich im Archiv der Bensheimer Pfarrkirche.


