Aufsatz 
Geschichte des Bensheimer Gymnasiums nach den Urkunden dargestellt : 1. Teil / von Heinrich Dinges
Entstehung
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einem Zimmer. Der Mißſtand dauerte bis 1750, wo Konrad Fuhrer aus Bensheim ſeine Ausbildung im Seminar vollendet hatte und aushelfen konnte. 1751 ſtarb Benefiziat Meyer und der Stadtrat konnte nun nach einer Verordnung von 1746 einen Nachfolger präſentieren. Er bezeichnete dem erzbiſchöflichen Generalvikariat die ſechs Bensheimer Söhne Adam Franz Zipp, Philipp Jakob Seytz, die Brüder Konrad und Friedrich Kaspar Fuhrer, Sebaſtian Becker und Chriſtian Willig mit der Bitte, praevio examine den Tüchtigſten zu wählen. Da die Präſentationsurkunde die einzige iſt, welche mir aus dieſer Periode zu Handen gekommen iſt, will ich ſie hier niederſchreiben. Sie lautet:

Nos praetor, burgimagister et scabini civitatis Bensheimensis dilectis nobis in Christo Adamo Francisco Zipp, Philippo Jacobo Seytz, Conrado et Frederico Casparo Fuhrer, fratribus, Sebastiano Becker et Christiano Willig salutem precamur in Domino.

Cum beneficium huiatis parochiae ad Sanctum Spiritum et Joannem per obitum ultimi eiusdem possessoris Christophori Meyer vacare contigerit, idque in praesens vacet, cuius praesentatio casu vacationis occurrente ad nos pleno iure spectare dignoscitur, hinc vos Adamum Franciscum Zipp, Philippum Jacobum Seytz, Conradum et Fredericum Casparum Fuhrer, Sebastianum Becker, Christianum Willig, qui de vita, moribus aliisque virtutum meritis nobis commendati estis, ad praefatum beneficium vacans praesentandos duximus, prout vos per praesentes in Dei nomine praesen- tamus, reverendissimum vicariatum Archiepiscopalem Moguntinum, ad quem institutio et collatio de iure Archiepiscopali et ordinario pertinet, submississime rogantes et petentes, quatenus Is, qui praevio examine magis capax et idoneus praecipue pro doctione scholastica repertus fuerit, ad memoratum beneficium modo consueto commendare seu instituere clementissime velit. In cuius rei fidem hasce literas sigillo nostrae civitatis munitas dedimus. Bensheimi in curia die Veneris 16. Aprilis 1751.

(L. S.)

Fredericus Casparus Meyer, p. t. praetor, Joann Loss, Rathssenior, Joseph Heckler, des Rathes, Conrad Müller, des Rathes, Sebastian Ziepp, des Rathes, J. Emig, des Rathes, Conrad Lamärtt, Peter Krick, Joannes Mang, Joann. Henr. Stock, Joann. Meissel.

Das Siegel der Urkunde ſtellt einen Biſchof vor mit der Umſchrift sigillum civitatis Bensheimensis 1676.

Das erzbiſchöfliche Generalvikariat erwählte aus dieſen 6 Kandidaten den Konrad Fuhrer, einen Mann, der alsbald nach Antritt ſeiner Stelle in vielerlei Unannehmlichkeiten verwickelt wurde. Teils um Abhülfe zu treffen, teils weil man ſich mit der Abſicht trug, die lateiniſche Schule auf 5 Klaſſen zu erweitern, bittet Schultheiß und Rat in einem Geſuch an erzbiſchöfliches Generalvikariat vom 12. Mai 1755, den Chriſtian Willig zur Qualifikation für eine der Lehrerſtellen in das erzbiſchöfliche Seminar aufzunehmen. Ihre Bitte wurde gewährt. Willig hatte ſich zum Examen zu ſtellen, das er beſtand, und 1756 wird er in den Akten als tüchtiger Lehrer erwähnt. Damals verſah er wegen Krankheit des Schlinck deſſen Stelle. Im folgenden Jahre wirkte bereits Johann Krick aus Bensheim, jener verdiente Forſcher der Geſchichte des Kloſters Lorſch,*¹) deſſen Manuſkript Dahl benutzt hat. Krick war damals 20 Jahre alt und leiſtete an der lateiniſchen Schule Aushülfe gegen jährliche Remuneration von 50 fl. Im Jahre 1761 wurde er nach Willigs Tod vom erzbiſchöflichen Vikariat als Subſtitut für den kränklichen Fuhrer beſtellt, der ihm von ſeinen jährlichen 300 fl. den Betrag von 50 fl. nebſt 10 fl. Holzgeld abzutreten hatte. Krick mußte nun bis zum Jahre 1780 Subſtitut bleiben, obwohl die beiden Benefiziaten im Laufe der Zeit außer Stand gekommen waren, ihre Amtespflichten, namentlich in der Schule zu verrichten; denn er konnte nach Art. 2 der Verordnung des Kurfürſten Johann Friedrich Karl vom 10. Juni 1746 bei Lebzeiten der beiden Benefiziaten keins der beiden Benefizien definitiv bekommen. Nach einem Bericht des Pfarrers Heckmann

²⁷) S. Geſchichte des Kloſters Lorſch von F. Falk, Seite 217, Anm. 160.