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im Anfang der 30er Jahre das praktiſche Bedürfniß ſich mit unabweisbaren Anforderungen dem dominirenden philologiſchen Elemente der Gymnaſialbildung gegenüber geltend machte, hat er den Realien die gebührende Stelle eingeräumt(vergl. Linde's Ueberſ. S. 243 flg.); als aber ein neuer Bildungsweg getrennt von dem älteren(gymnaſialen oder idealen) empfohlen und die betreffenden Anſtalten gegründet wurden, bekämpfte er mit Entſchiedeu— heit dieſe Richtung, wollte das Gymnaſialprincip bei der Vorbereitung zu den Univer⸗ ſitätsſtudien in der Hauptſache feſtgehalten, dem oberen Gymnaſium aber eine ſolche Einrichtung gegeben wiſſen, daß es auch für höhere techniſche Fächer und Berufsarten vorbereiten und das eigentliche Fachſtudium derſelben erſt nach vollendetem Gymnaſial⸗ curſus beginnen ſollte. Dieſe Anſicht war bei ihm aus tiefſter Ueberzeugung hervorgegangen und ſtand mit ſeinem ganzen Weſen im innigſten Zuſammenhang; wiewohl ihn dieſelbe mit den Anhängern der ſtreng philologiſchen Richtung, ebenſo wie mit den Freunden der neueren in ſchweren Conflict brachte und die Praxis endlich gegen ihn entſchied, ſo hat er ſie doch in der Theorie niemals aufgegeben(ſ. d. gewechſelten Streitſchriften und ſpäteres darauf Bezügliche in Scriba's Schriftſtellerlex. I. u. II.). In drei Abhand⸗ lungen„zur Gymnaſialreform“ 1848—1850, die von ſeiner umfaſſenden Bekanntſchaft mit den höheren Schuleinrichtungen Deutſchlands zeugen, führte er die damals für ein unabweisbares Bedürfniß erklärte Umwandlung der Gymnaſien auf einige nothwendig gewordene zeitgemäße Verbeſſerungen im Einzelnen zurück.— Während eines vollen Menſchenalters wirkte D. als Mitglied einer hohen Schulbehörde mit unermüdlichem Fleiß und geſchätzt von Vorgeſetzten und Collegen wegen ſeiner gründlichen und werth— vollen Arbeiten. Eben ſo lange als Dirigent einer blühenden Schule, hochgeachtet von den ihm untergebenen Lehrern, ein Vorbild gewiſſenhafter Pflichterfüllung und Muſter der Treue gegen Fürſt und Vaterland, ein wohlwollender Freund und Berather, gern anerkennend alles Gute, in den Angelegenheiten der Schule belehrend durch mündliche Mittheilung und eine Reihe von Schriften, die, zunächſt für den Cirkel der Collegen beſtimmt, aber werth an die Oeffentlichkeit zu treten, die bedeutendſten Fragen der Pädagogik, Didaktik und Schulverfaſſung treffend und allſeitig beleuchten. Wenn er nur ſelten eine eigene Entſcheidung hinzufügte, ſo that er es wohl deßhalb nicht, weil er dieſe von der Individualitat der ausführenden Perſönlichkeit abhängig machte.— Neben ſeiner Amtsthätigkeit fand der vielbeſchäftigte Mann noch Muße zu gelehrten Arbeiten und Studien auf dem Gebiete der Etymologie und vergleichenden Sprachforſchung, der vaterländiſchen Geſchichte und Alterthümer, wovon einige Reſultate und Proben gedruckt (ſ. Scriba a. a. O.), ein vergleichendes Wörterbuch der alten und neueren Sprachen und eine Geſchichte von Heſſen von der älteſten Zeit bis auf Karl den Großen beinahe druckfertig vorliegen. Aber mehr als in dieſen gelehrten Beſchäftigungen fand er das Glück ſeines Lebens in dem Unterricht und mündlichen Verkehr mit ſeinen Schülern als Hauptlehrer der oberſten Klaſſe. Selbſt in den letzten zehn Jahren, wo er von ſchweren körperlichen Leiden heimgeſucht wurde, gönnte er ſich keine Erleichterung und ſchonte ſich nur zu wenig; als Lehrer und Bildner der ihm anvertrauten Jugend, die ſeine Verdienſte und ſein Wohlwollen mit inniger Liebe und Ergebenheit lohnte, wollte er ausharren bis an das Ende ſeiner Tage. Und dieſer Wunſch ward ihm erfüllt. Am 9. Februar wurde er durch einen heftigen Krankheitsanfall genöthigt, ſeine Lehrſtunde um 8 Uhr Morgens auszuſetzen; aber kaum hatte ſich ſein Zuſtand gebeſſert, als er eilte, noch an demſelben Vormittage das Verſäumte nachzuholen. Es war zum letzten Mal, daß er vor ſeinen Schülern erſchien: für ſie war von dieſer Stunde an der beredte Mund verſtummt, nur das warme Herz ſchlug noch kurze Zeit für ſie und die Seinen. Nach achttägigem Schwanken der Krankheit trat eine Lungenlähmung ein, die am 17. Febr. ein ſanftes Hinüberſchlummern in ein beſſeres Jenſeits herbeiführte. Eine große Anzahl hier anweſender Schüler, Collegen, Freunde und Gönner des Verewigten erwieſen ihm am 19. Februar die letzte Ehre. Have pia anima!


