Schulnachrichten.
1 Chronik des Gymnaſiums von Oſtern 1856 bis Oſtern 1857.
Der Unterricht im Sommerhalbjahr begann am 3. April und wurde mit einer oͤffentlichen Prüfung der 4 unteren Claſſen am 25. September und einem oratoriſch⸗ muſikaliſchen Actus am 26. September beſchloſſen, nachdem er durch die gewöhnlichen Sommerferien und das hierſelbſt abgehaltene erſte rheiniſche Muſikfeſt einige Unterbrechung und durch die am 22. April erfolgte Penſionirung der Profeſſoren K. Baur und Dr. E. Piſtor manche Aenderung und Stellvertretung erfahren hatte. Jener war am 30. October 1816, dieſer am 31. October 1818 am Gymnaſium angeſtellt worden. „Nicht ohne wehmüthige Erinnerung“, ſchrieb Dilthey ſehr wahr in ſeinen hinterlaſſenen Aufzeichnungen,„an den Wechſel und Wandel aller menſchlichen Dinge konnte eine ſeit mehr als 30 Jahren beſtandene amtliche Verbindung gelöſt werden, aus welcher uns die achtungsvolle Anerkennung geleiſteter Dienſte und erworbener Verdienſte verbleibt.“ Prof. Baur ertheilte übrigens ſeinen bisher gegebenen Unterricht bis zu Ende des Halb⸗ jahrs fort und iſt ihm auch fernerhin für deutſchen Unterricht in den beiden oberſten Claſſen je eine Lehrſtunde überwieſen worden.
Nach dem am 3. März erfolgten Tod des Großh. Oberſtudienraths Dr. Kümmich ſetzte Prälat Dr. Zimmermann auf den Wunſch Großh. Oberconſiſtoriums den von jenem begonnenen Confirmandenunterricht am Gymnaſium fort und vollzog am 4. Mai die heilige Handlung der Confirmation von 36 Gymnaſiaſten in der Stadtkirche nach der am 27. April gehaltenen Prüfung in einer alle Theilnehmer tief ergreifenden Weiſe. Durch die erfreulichen Folgen ſeiner Wirkſamkeit hat ſich der Hr. Prälat veranlaſſt ge— funden, die Confirmation der Gymnaſiaſten auch für das jetzige Jahr zu übernehmen.
Nachdem der mit der Specialaufſicht über den Religionsunterricht am hieſigen Gymnaſium bisher betraut geweſene Oberconſiſtorialrath Dr. Ludwig gewünſcht hatte, davon entbunden zu ſein, hat Großh. Oberconſiſtorium am 11. März 1856 dieſelbe dem Oberconſiſtorialrath und Hofprediger Dr. th. Palmer übertragen, und daderſelbe ſehr bald darauf auch zur proviſoriſchen Verwaltung der Stelle eines Oberſtudienraths berufen wurde, mußte er um ſeiner neuen Amtsobliegenheiten willen von Ertheilung des ihm in der Prima noch verbliebenen Religionsunterrichtes einſtweilen ent]bunden werden. Ihn erſetzte inzwiſchen G. L. Dr. Lucius. Da ferner durch allerhöchſte Entſchließung Sr. K. H. des Großherzogs Herr Oberconſiſtorialrath Dr. Palmer in dieſen Tagen definitiv zum Oberſtudienrath ernannt worden iſt, ſo iſt er nunmehr aus ſeiner Lehr⸗ thätigkeit, die er ſeit Oſtern 1827 mit ſo ſegensreichem Erfolge ausgeübt hatte, ganz geſchieden. Stets wird ſeinen bisherigen Collegen im Lehramte das Andenken an ihre in Hochachtung und Freundſchaft verlebte Genoſſenſchaft und das gemeinſam mit ihm verfolgte Ziel theuer und hoch und hehr bleiben.
Mit dem Beginne des Sommerhalbjahrs traten die Gymnaſial⸗Lehramtscandidaten Joh. K. Becker aus Mainz und Dr. Ferd. Lotheißen aus Darmſtadt ihren Acceß


