Aufsatz 
Ueber die Natur der Eigennamen / Karl Dilthey
Entstehung
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ſichtbarer, auch auf der Charte des Generalſtabs und Steiners Charte des römiſchen Maingebietes verzeichneter Mainarm einſt von Raunheim über Königsſtädten nach dem Schönauer Hof gezogen iſt, von wo er theils über Bauſchheim, Aſtheim und Ginsheim, theils hinter Tribur den Rhein, oder vielmehr einen alten Nebenarm oder Zufluß des Rheins erreichte. Solche Nebenarme, beiden Flüſſen mit gleichem Rechte angehörig und bald von dem einen, bald von dem andern mit ſtagnirenden Gewäſſern erfüllt, mögen in der Niederung mancherlei geweſen ſein. Aber ſeine Hauptmündung konnte der Main bei Tribur niemals haben, ohne der Senkung von Land und Waſſer entgegenzuſtrömen. Die Hauptmündung des Mains iſt, wie auch durchgehends angenommen wird, niemals eine andere, als die jetzige geweſen. Die jetzige Mainſpitze bei Guſtavsburg war ſchon eine Römerſtätte mit einem für Jupiter und Juno von Claudius Quartinus i. J. 217 errichteten Altar, und der römiſche Centurio der 22 Legion T. Javennius Proculus aus Faventia wie der Reitersmann Togitius, Solimari filius, liegen hier begraben.

Nava Nahe beweiſt ihren celtiſchen Urſprung durch die Wiederkehr in dem Fluſſe Naab. Daß Neriae aquae, wie auch eine Stadt der Bituriges Cubi heißt(f. Niris), der alterthümliche Name von Nierſtein geweſen, welcher letztere Name durch die zwiſchen Alemannen und Franken gelegten Gränzſteine entſtanden ſei, die ſich quer durch Rheinheſſen hindurch bis nach Saarbrück zogen, iſt eine Vermuthung von Lehne, die um ſo beifallswürdiger erſcheint, da man bis auf den Virgiliſchen Nar albus aqua ljetzt it. Neri) zurückgehen kann, wozu Servius bemerkt: Sabini lingua sua nar dicunt sulfur. Der Nicer wird zwar als Flußname für celtiſch gehalten, alle Erklärungen führen aber doch nur auf germaniſchem Wege zu dem ahd. nichus, Nichar und den Nixen, die ihre Bewunderer in den Waſſertod verlocken; nur das von necare geformte noyer, bekannt durch die republicaniſchen Noyaden, könnte in der ſpeciellen Bezeichnung des Waſſertodes noch von celtiſcher Nachwirkung ſein, dazu Neckarhauſen und Neckarſteinach. Nida wird wie Nidder und Itter von Mone aus dem Cel⸗ tiſchen durch Salmenbach gedeutet; näher liegt e. neath nied als Niedau, Thalfluß. Der alte Rhenus ſpottet aller Verſuche ſeinen Namen zu erklären, ſobald man darüber hinausgeht, daß er aus romaniſchem Lande kommend, wo noch jetzt jeder Bach Rhein genannt wird, zu celt. rhin: canalis, wohl die Beiziehung von éec geſtatten möchte, und daß er in dem Rhenus bei Bologna ſich erneuert. Sirona machte Mone zu einer Wohlbeſinden ſpendenden, ſpäter zu einer Sternenjungfrau; gewiß iſt nur, daß ſie als heidniſche Heil- und Schutzgöttin ihres Bades zu Nierſtein ſich ohnmächtig erwieſen hat, und daß man an ihrer Stelle wohl beſſer eine chriſtliche Heilige zur Schutzpatrouin des Bades gemacht hätte; das bei Entdeckung ihres Namens i. J. 1803 vielgeprieſene Sironabad beſteht nicht mehr. Taranuenus Compoſition oder Adjectivform von Taranis, dem celtiſchen Donnergotte, ſchwerlich verſchieden von Thor. Taunus, wenn überſetzt durch Höhe, wie Homburg immer vor der Höhe heißt, mag als laut⸗ verſchobene Form von celt. dunum(was aber nach Zeuß nicht locus eminens, ſondern locus munitus iſt) gelten, was auch in dem rhätiſchen Schachtaun, Pardaun u. ſ. w. wiederkehrt, man müſſte denn vorziehen, den Taunus als Gebirgszaun zu denken, wie e. town eine Umzäunung durch Mauern bezeichnen mag.

Daß Tribur oder, wie es im Munde des Volkes lautet, Treber, weder Dreiburg, noch Dreifurth bedeuten kann, ſondern mit Treveri, 70₰GοQx%m Trier, iden⸗ tiſch iſt, habe ich ſchon früher zu erweiſen verſucht, und liegt vielleicht mit hierin ein Anlaß zu der alten Volksſage, die Tribur als ein zweites Rom ſchildert, es mit Trier, dem galliſchen Rom verwechſelnd. Vielleicht darf man zur Erklärung des Namens bis auf die Treres, die alten Bundesgenoſſen der Cimmerier bei ihren Einfällen in Klein⸗

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