Aufsatz 
Ueber die Natur der Eigennamen / Karl Dilthey
Entstehung
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Wenden wir dies auf unſer Gebiet an, ſo fragt ſich zunächſt, was hier als celtiſch zu betrachten ſei. Während Mone einen großen Theil unſerer Ortsnamen aus dem Cel⸗ tiſchen erklärt, findet Weigand nicht die mindeſte Spur des Celtismus in Oberheſſen, und ſämmtliche Deutungen, welche beide Forſcher von denſelben Namen geben, ſtehen in dem entſchiedenſten Widerſpruch; ſo iſt Gleen dort vallis, hier rivus, in Ilsdorf dort lapis, hier oleum, Klingen dort vallis, hier torrens, Schwalm dort ein kleiner, hier ein Schwalbenfluß, Trais dort domus, hier Drieſch, Utphe dort Schafhagen, hier Waſſer am Gute u. ſ. w. Es handelt ſich dabei faſt nicht mehr um verſchiedene Auslegungen eines Wortes, ſondern um ganz verſchiedene Wörter, denn wirklich wird das Wort oft ein radical verſchiedenes, je nachdem man es in Rom, in Irland, oder in Deutſchland wieder ſucht und zu finden glaubt, es den lateiniſchen, den irländiſchen, oder den deutſchen Lautgeſetzen anzupaſſen bemüht iſt. Nach ſorgfältiger Durchprüfung laſſen ſich auf dem hier behandelten Gebiete etwa folgende Namen als wahrſcheinlich celtiſch aufſtellen: Alteja, Belgae, Bingium, Bonconica, Borbetomagus, Britonum villa, Cambus, Helvetii, Lupodunum, Mairae, Massilia, Moenus oder Mogus, Mogun- tia, Nava, Neriae aquae, Nicer, Nida, Rhenus, Sirona, Taranucnus, Taunus, Toutiorix, Treveri, Turones, Visucius. Die Erklärung derſelben muß jedoch jenen Anſichten gemäß hier auf wenige Bemerkungen beſchränkt werden. Altiaja oder Alteja Alzei liegt am Fluſſe Selz, und dieſer Umſtand macht es wahrſcheinlich, daß das all⸗ gemein indogermaniſche Wort aäls, sal, f. sel, Salz das verbindende Glied jener Na men ſei, zumal von dem geheiligten Salz, um deſſen Beſitz einſt Chatten und Hermun⸗ duren, Alemannen und Burgunder blutige Kriege führten, ſo viele Orte ihre Namen tragen, wie Selzen, an denſelben Fluſſe gelegen, ſich wiederfindet in dem Selzer Brunnen bei Okarben, in Selters(Saltrissa) und in den celtiſchen Ortsnamen Sa⸗ letio, Saliso, Salusa(letzteres von Zeuß erklärt durch fons salsioribus aquis de- fluens). Vielleicht hat dieſer Umſtand dazu mitgewirkt, daß die vicani Altiajenses, die Bewohner des Ortes Alzei, ſchon im Jahr 223 den Nymphen einen Votivaltar errichtet haben. Sind jetzt ſalzige oder mineraliſche Beſtandtheile des Waſſers dort nicht mehr bemerkbar, ſo ſpricht dies nicht dagegen, da die Naturkunde deren Abnahme beſtätigt. Bin- gium, bei Auſonius Vincum, ſcheint von Bingenheim nicht verſchieden. Bonconica, nur in dem Itinerarium genannt, ſcheint Oppenheim zu ſein. Von Borbetomagus oder Bormetomagus iſt die Endung magus in dem Sinn von campus geſichert. Für die erſte Hälfte liegt nichts näher, als der celtiſche Apollo Borbo, Bôrvo, Burbo, Bormo, deſſen Name bei mehreren Heilquellen in Gallien wiederkehrt. Wenn699090 und f. bourbe ſich nicht davon trennen laſſen, ſo verliert das Wort darum nicht ſeine höhere Beziehung, wie ſchon der Umſtand beweiſt, daß Aquae Bormonis, f. Bourbon l'Ar- chambaud, jenen Ort bezeichnen, von welchem die Dynaſtie der Bourbons ihren Namen trägt. Nimmt man dazu noch den mariandyniſchen Waſſerheros Bormus und das macedoniſche Worms Bormissus, wo Euripides in der Umgebung zweier Quellen im Grabe ruht, ſo bleibt der Grundbegriff einer waſſerreichen Niederung, dem die Lage von Worms zur Genüge entſpricht. Durch die celtiſchen Wanderungen mag der Name übertragen ſein auf it. Bormio Worms am Wormſer Joch im Veltlin. Die deutſche Ueberſetzung von Borbetomagus möchte demnach ahd. Wormazfeld ſein, was dann freilcch an Wurm angelehnt zu der Sage vom Lindwurm geführt hat, den Worms früher im Wappen führte. Hieraus erklären ſich auch die Formen Gormetia bei dem Ravennatiſchen Geographen, Garmisa im Judendeutſch und Guarmazia der Italiener. Britonum villa heißt im Mittelalter Bretzenheim, offenbar wie Bretten in der Pfalz eine Station britanniſcher Hülfstruppen, oder von hierher verpflanzten Britanniern bewohnt, folglich celtiſcher Name, vorausgeſetzt, daß die Britones(nach Zeuß variegati) ſelbſt einen celtiſchen Namen tragen, was ſich bezweifeln ließe im Hinblick auf Boerria,

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