Aufsatz 
Ueber die Natur der Eigennamen / Karl Dilthey
Entstehung
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weilen, die übrigens vielleicht einen hoͤheren gemeinſamen Urſprung haben(villa von vicus ſehr zweifelhaft) dermaßen durcheinander, daß eine ſtrenge Scheidung meiſt unmög lich wird. In ſeltenen Fällen treffen Lateiniſch und deutſch ſo zuſammen, daß ſie kaum zu unterſcheiden ſind, wie in Nauſes eben ſo wohl nova sedes als Neuſitz liegen kann. Daß übrigens in römiſchen Inſchriften öfters ſchon rein deutſche Namen zum Vorſchein kommen, findet auch in Mainz ſeine Beſtätigung, wo, wenn auch Dekmann irrthümlich für Decimanus, doch Folkmar mit Altilius durch einen Freundſchaftskranz vereinigt und Voberg in der juventus Vobergensis erſcheinen.

Celtiſche Fremdnamen.

Von der lateiniſchen Sprache gehen wir zur celtiſchen über, die zwar in der ge ſchichtlichen Folge der lateiniſchen am Rhein vorausgegangen iſt, aber doch inſofern ihr nachgeſetzt werden kann, als ihre Namen faſt ausſchließlich nur durch lateiniſche Ver mittelung und in latiniſirter Form auf uns gekommen ſind. Bekanntlich ſind Celten die älteſten Bewohner eines großen Theils von Germanien, celtiſche Helvetier namentlich des Landes zwiſchen Donau, Rhein und Main gegeſen, bis germaniſch-ſueviſche Völker ſchon vor Cäſar ihre Stelle einnahmen. Der Umſtand, daß viele celtiſche Namen, und dar⸗ unter ſelbſt Rhein und Main, Mainz und Worms in Oberitalien ſich wiederfinden, was von den Celten zur Zeit des Tarquinius Priscus im Anfange des 6. Jahrhunderts vor Chriſto beſetzt wurde, läſſt auf das Alter celtiſcher Namen und Ortſchaften am Rhein einen gegründeten Rückſchluß machen. Aber die celtiſche Nation iſt vernichtet, ihre Sprache verſchollen. Was ſich von der letzteren aus alter Zeit erhalten hat, beſteht in Wörtern und Namen, die als celtiſch ausdrücklich von den Alten bezeugt oder durch mittelalterliche Gloſſen erklärt werden. Die gelehrte Forſchung hat ihre Zuflucht genommen zu den noch beſtehenden angeblich celtiſchen Volksdialekten in der Bretagne, in Wales, in Schott land, in Irland. Aber wie hoch man auch die wiſſenſchaftlichen Verdienſte von Lorenz Dieffenbach, von Mone, Zeuß und Andern anſchlagen möge, die Summe deſſen, was für altceltiſche Worterklärung als ſicheres Ergebniß bis jetzt gewonnen worden, iſt eine ſehr kleine und eben nur groß genug, um fühlbar zu machen, daß wir hier auf ſchlüpfrigem Boden ſtehen. Man hat weiter ſeine Zuflucht zur franzöſiſchen und engliſchen Sprache genommen und in beiden Alles, was nicht aus dem Lateiniſchen oder Deutſchen ſich er⸗ klären ließ, für celtiſch ausgegeben. Aber die Verwirrung wuchs, indem dieſer angeblich celtiſche Beſtandtheil weder mit den altgalliſchen Ueberreſten, noch mit den modernen Volksdialekten recht übereinſtimmen wollte, und ſeitdem Diez, der Meiſter auf dieſem Ge⸗ biete, eine kritiſche Sichtung der romaniſchen Sprachen durchgeführt hat, iſt im Franzö⸗ ſiſchen von celtiſchen Beſtandtheilen auffallend wenig zurückgeblieben, und daſſelbe Reſultat wird vielleicht auch für die engliſche Sprache ſich herausſtellen, ſobald dieſe ihren Diez wird gefunden haben. So durchaus iſt hier noch Alles im Schwanken begriffen, daß neuerdings Holtzmann die paradoxen Behauptungen aufſtellen konnte, die Germanen ſind die echten und eigentlichen Celten, und die Britannen ſind keine Celten. Wie dem auch ſein möge, ſo viel ergibt ſich mit zunehmender Sicherheit, daß, was die alten Autoren uns als celtiſch oder galliſch aufbewahrt haben, wie die Geſammttſtellung der celtiſchen Nation es erwarten läſſt, zwiſchen dem Lateiniſchen und Deutſchen in der Mitte ſteht, zwiſchen beiden das verbindende Mittelglied bildend, ſo daß in einzelnen Fällen die Er⸗ klärung aus dem einen oder dem andern augenſcheinlich und unleugbar das Richtige trifft, wenn ſie auch noch zu vereinzelt ſtehen, als daß eine ſyſtematiſche Sicherheit ſich begrün⸗ den ließe. Mindeſtens wäre dazu noch ein altgalliſches Namenbuch erforderlich, wie jetzt ein altdeutſches von Förſtemann vorliegt, und wie es zu liefern wohl vor Allen Pro feſſor Becker in Frankfurt berufen ſein möchte.