Aufsatz 
Ueber die Natur der Eigennamen / Karl Dilthey
Entstehung
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Köln und den Namen des durch ſeinen römiſchen Obelisken berühmten Dorfes Igel bei Trier erfunden hat. Von caminus(caminata, f. cheminée Kemnade, geheiz tes Zimmer) leitet Weigand ab Camberg, für Kemnadenberg. Das römiſche rastrum von Mainz wird noch in dem Käſtrich erkannt, deſſen Name auf Keſtrich, wo Mainz früher begütert war, übertragen zu ſein ſcheint; das castellum ſteht ihm gegenüber in Caſſel(Castellum ſchon 992). Auch Drusi lacus an der Waſſer⸗ leitung mag zu der alten Benennung Druſenloch Beranlaſſung gegeben haben, doch bleiben alle auch in Bingen vorkommenden Druſusbrücken, Druſusbrunnen, Druſusthore, ſelbſt als Draisbrunnen und Draisthor der gelehrten Erfin⸗ dung verdächtig. Fontana in Fontheim, jetzt Finthen an dem Ausgangspunkt der Waſſerleitung iſt dagegen über jeden Zweifel. Wie Corsica mitten in den Odenwald hineinkommt, darüber wage ich nicht einmal eine Vermuthung, obwohl eine urkundliche Notiz aus Karl's des Großen Geſchichte dazu Veranlaſſung bieten könnte. Bei dem Eisbach(Isina 766) von Worms an die Isis der Sueven zu denken, mag durch die Erinnerung an Mithras, Deus Casius, Jupiter Dolichenus u. ſ. w. entſchul⸗ digt werden, hat aber ſonſt weder ſprachlichen noch geſchichtlichen Grund. Die Stadt Lich heißt bei ihrer erſten Erwähnung 788 villa Lichom oder Lichonis villa, ſo dann 790 Leoche, was Weigand auf lucus Loh, Loch d. i. silva bezieht. Erwägt man aber die Lage des Ortes an der römiſchen Gränzwehr, vergleicht man dann die Nähe von Leihgeſtern(Leitkestre 804, ſpäter Leucastre, Leizcastrum und ähn⸗ liche Schreibarten) und die faſt unverkennbare Identität mit engl. Leicester, ſo wird man höchſt wahrſcheinlich finden müſſen, daß Lichonis villa aus römiſcher Zeit ſtamme, Lichheim(Lichom) überſetzt, Lich abgekürzt ſei, und daß Leihgeſtern auf Lichonis castrum zurückgeführt werden müſſe. Selbſt die Ausſprache des Volkes Laſtern bietet auffallende Aehnlichkeit mit dem engliſchen Leſter. Daß von oleum Ilsdorf (Olistorf 1327) und von oölla Aulendiebach benannt ſei, weil hier Töpfe gefertigt wurden, iſt Weigand's Angabe. Daß von mentha der Name Minzenberc(1226) ausgegangen ſei, beweiſt das Wappen eines blättrigen Stengels, mit dem ſtolzen Königs⸗ hauſe Plantagenet zu vergleichen, das ſeinen Namen von der beſcheidenen Pflanze genista Ginſter trägt. Die heutige Schreibart Münzenberg darf uns nicht berechtigen, mit Nebel hier eine mittelalterliche Münzſtätte zu ſuchen. Von palus iſt der Pfahl graben mit Pohlgöns, Pohlheim ſonſt hei Grüningen, vielleicht auch Bullau (Bullaha 1095) benannt. Paterni villa 763, die älteſte Benennung von Paternis⸗ heim 921, jetzt Pfeddersheim berechtigt uns, hier einen römiſchen Paternus anzu⸗ nehmen, der freilich in Paterniacum fr. Payerne in der Schweiz zum Peter in Peterlingen geworden iſt.(Das Gegenſtück dazu Materniacum bei Coblenz iſt Metternich). Daß man nicht Roma, ſondern Reginmar in Römershauſen zu ſuchen habe, beweiſt die ältere Form Reymershusen. Secciani murus für Seck⸗ mauern ſſt inſchriftlich geſichert. Straßheim iſt gleichen Urſprungs mit Straß⸗ burg, das Zuſammentreffen mehrerer römiſchen Straßen(via strata) oder wenig⸗ ſtens die Lage an der Heerſtraße bezeichnend, wozu denn auch Bergſtraße mit Bergſträßer. Den Ulvenbach(Ulvena 795) und Ulvenhof auf ulva, oder gar Ulfa(Oloffe) auf Ulpius zu beziehen, ſind leere Einfälle. Daß villa bella mißverſtändlich an ahd. felwa: salix angelehnt nnd ſo die Formen Felwila, Velwilre Vilbel zu Stande gekommen ſeien, iſt zwar in ſachlicher Beziehung wahrſcheinlich genug, zumal wenn man weiß, daß Vilbel der Fundort einer ſchönen römiſchen Moſaik⸗ arbeit iſt, aber es widerſtrebt die Compoſition, die bella villa verlangen würde, was in Gallien zweimal vorkommt. Nur weil und Weiler bleiben demnach als lateiniſche Beſtandtheile auch von Peterweil,(Peterwila 1222) Horrweiler und Lörz⸗. weiler. Freilich laufen in ſolchen Compoſitionen die Formen von villa und von