Aufsatz 
Ueber die Natur der Eigennamen / Karl Dilthey
Entstehung
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die Gränzmark zwiſchen den vier Gauen Lobdengau, Oberrheingau, Maingau und Win⸗ garteiba gebildet hat. Alle Heilige insgeſammt finden ſich noch in Arheiligen. Den Engeln und Heiligen gegenüber hat der Teufel(diabolus) die ihm gebührende Stelle erhalten, und überall, wo ſein Name in Teufelsberg, Teufelsmauer, Teufels⸗ ſtein u. ſ. w. hervortritt, kann man mit Wahrſcheinlichkeit ein Werk aus der heidniſchen oder römiſchen Zeit, oder eine heidniſche Cultusſtätte vermuthen. Sonſt hat der Teufel durch ſeine Heldenkraft eine gewiſſe Popularität erlangt, die ſogar erlaubt hat, ſeinen Namen in die Menſchenwelt einzuführen, in welcher der erſte Teuffel oder Man teuffel einen Mann wie einen Teufel, d. h. von heldenmüthiger Kraftentwicklung be⸗ zeichnen ſollte.

Um übrigens eine Anſchauung davon zu gewinnen, wie die Ideen und Beiſpiele des Chriſtenthums ſelbſt auf beſchränktem Raume maßgebend eingewirkt haben, braucht man nur nach Mainz zu blicken und die Namen ſeiner Straßen, Plätze, Häuſer, Kirchen, Capellen, Klöſter, Spitäler, Stifter, Thore, Mühlen und ſonſtigen Localitäten einer Mu ſterung zu unterwerfen. Wir finden zu ihrer Benennung verwendet die Namen Aegidius, Agnes, Alban, Andreas, Auguſtin, Aureus, Barbara, Bartholomäus, Blaſius, Bonifa⸗ cius, Chriſtoph, Clara, Dominicus, Emmeran, Franciscus, Gangolf, Jakob, Ignatius, Johann, Katharina, Laurentius, Magnus, Magdalena, Margareta, Maria(Liebfrau), Martin, Mauritius, Michael, Nepomuk, Nikolaus, Paulus, Petrus, Quintinus, Rai⸗ mund, Rochus, Sebaſtian, Stephan, Thomas, Victor und außerdem noch den heiligen Geiſt, das heilige Grab und Kreuz, den Biſchof, die Pfaffen, den Domküſter, die Capn⸗ ziner, Clariſſen, engliſchen Fräulein, Jeſuiten, Karmeliter, Karthäuſer, Minoriten, Weiß⸗ frauen, Welſchnonnen u. ſ. w.

Erwägt man nach Maßgabe des Bisherigen, in welchem Grade die lateiniſche Sprache durch alle Lebensverhältniſſe hindnrchgedrungen iſt, und welche Menge von Fremdwörtern ſie der deutſchen Sprache mitgetheilt hat, ſo kann es auffallend erſcheinen, daß außerhalb der kirchlichen Sphäre doch nur wenige Orts⸗ und Localnamen von den Römern geblieben ſind, um ſo auffallender, da die Römer den von dem limes trans- rhenanus und transdanubianus umſchloſſenen Südweſten von Germanien, alſo auch die hieſige Gegend bis an den Pfahlgraben über 200 Jahre lang beherſcht, zu deren Cultur ſo förderlich mitgewirkt und ſo großartige Anlagen und Bauwerke in Mainz, am Taunus und im Odenwalde aufgeführt haben. Es erklärt ſich das aber aus dem Umſtande, daß die Römer nicht den Anbau des Landes und die Anlegung der Ort⸗ ſchaften begonnen, ſondern nur das lateiniſche Element zwiſchen das celtiſche und ger⸗ maniſche eingedrängt haben, weshalb wir weit mehr celtiſche und germaniſche Namen in latiniſirter Form, als rein lateiniſche vorfinden, ja ſelbſt die letzteren wieder noch ſehr beſchränkt werden müſſen, wenn diejenigen ausgeſchloſſen werden ſollten, welche zwar lateiniſchen Urſprung verrathen, aber erſt nach völliger Germaniſirung des Landes zu neuen Wortbildungen verwendet worden ſind. Umgekehrt haben aber auch einheimiſche Namen oft eine latiniſirte Form erhalten, die leicht mit lateiniſchem Urſprung verwechſelt wird. Der letztere Fall liegt z. B. vor bei Amöneburg, was mit amoenus nichts zu ſchaffen hat, ſondern als Amanaburg von dem Fluſſe Amana, Amena Ohm abzuleiten iſt, vielleicht auch bei Amorbach und Wüſtamorbach, wenn Ammer⸗ bach wie Ammergau die richtige Form des Namens ſein ſollte. Daß von aquae- ductus das Attacher⸗Feld an der römiſchen Waſſerleitung bei Mainz benannt worden iſt, hat Schaab urkundlich nachgewieſen. Daß aber von aquila der Eichel⸗ ſtein benannt ſein ſoll, wird um ſo weniger Glauben verdienen, da der mythiſche König Eigil(Agilo, auch in den baieriſchen Agilolfingern wie in Egloffſtein und Egelsbach hervortretend) von Trier als Urheber ſolcher Wunderwerke der mittel⸗ alterlichen Sage zu Gebote ſteht, die wohl in gleicher Weiſe auch den Eichelſtein zu