Aufsatz 
Ueber die Natur der Eigennamen / Karl Dilthey
Entstehung
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turris: Thurn, wie Thurn und Taxis aus it. della Torre e Tasso. voco. advocatus: Vogt u. ſ. w.

Wie zunächſt auf dem Wege kirchlicher Vermittelung die lateiniſchen Fremdwörter in das Deutſche eingedrungen ſind, ſo finden ſie ſich noch jetzt unter den Namen am zahlreichſten in kirchlicher Beziehung. Zwar die Kirche ſelbſt ſchwankt in ſprachlicher Be⸗ ziehung zwiſchen circus als dem Ringwall der heidniſchen Cultusſtätten und dem freilich höchſt ſeltenen und in ſeiner geſchichtlichen Vermittelung ſchwer begreiflichen uαααον(lO- cus Domini), aber wie ſie oft das Kennzeichen und der Mittelpunkt für Gründung und Erweiterung von Ortſchaften wurden, das beweiſen bei uns noch Kirchbeerfurth, Kirchberg, Kirchbrombach, Kirchgöns, Kirchlotheim, Kirtorf für Kirch⸗ dorf, Beedenkirchen, Bromskirchen, Gonterskirchen, Hitzkirchen, Neun⸗ kirchen, Reiskirchen, Weißkirchen, wozu noch die Namen Kircheis, Kirch⸗ höfer, Kirchner, Kirſtein, Neukirch. Engel finden ſich in Engelbach, Engelrod(unter dem Schutz der Engel angerodetes Land), Engelſtadt, Engel⸗ thal, ſofern nicht ahd. Angilo, Ingilo mit Engelbert dabei betheiligt ſind, ſo auch in Ingelheim(Engilonheim 823), deſſen Namen die Franken mit nach Gallien ge⸗ nommen haben, um ihn auf das alte celtiſche Iculisma zu übertragen, was ſich nun⸗ mehr in Angouléème umgewandelt hat. Von kirchlichen Würdenträgern ſind noch vor⸗ handen Pabſt(Papa), Biſchof(episcopus), in Biſchoffen(aus Biſchofshofen, zu den Höfen des Biſchofs) und Biſchofsheim; Abt in Unter- und Oberabt⸗ ſteinach nebſt Asbach(Abbatisbach); Probſt(præpositus) und Pröbſter; Pfaff(papa) mit Pfeffel und Pfeffinger in Pfaffenbeerfurth, Pfaffen⸗ ſtein; Pfarr(parochus); Oppermann für Opfermann(von offerre); Mär⸗ tyrer(martyr). Daß die Klöſter(claustrum) in ihrer beſſeren Zeit einen heilſamen Einfluß auf die Cultur des Bodens ausübten und nachmals den reichſten Grundbeſitz hatten, wird noch durch manche Ortsnamen beſtätigt. So erſcheint noch der Mönch oder Münch(monachus)(f. Monge) in Mönchsbruch, ſonſt im Beſitz des Klo ſters Eberbach, Nünchbiſchheim, Münchhof, Münchleuſel; der Pater(pater) in Patershauſen oder Padenhauſen, nach welcher letzteren Form der Name frei⸗ lich von ahd. Bado ausgegangen iſt; die Nonne(nonna, ägyptiſcher Ehrentitel der Matrone) in Nonnenau, Nonnenhof, Nonnenmühle und Nonnweiler. Die erſten Anlagen der Klöſter beſtanden in iſolirten Mönchszellen(cella,, a ce- lando, alſo Hille und Hülle), daher noch drei Dörfer Namens Zell nebſt Zell⸗ hauſen und Zellmühle, auch Zeller als Bewohner einer Zelle nebſt Sandizell. Nur Echzell iſt davon auszunehmen, da es nach der alten Namensform(Achizuwila 956) einen am Waſſer liegenden Ort bezeichnet. Zur cella gehört das cellarium der Keller des Kloſters und deſſen Aufſeher cellarius Keller, Kellner, Keller mann, Kellermeiſter, welcher, um zum modernen Namen zu dienen, auch wieder in Cellarius zurück überſetzt worden iſt. Die meiſten Klöſter ſind nach Heiligen oder Ordenscongregationen benannt worden, doch gibt es auch allgemeinere Benennungen, wie die des Kloſters Himmelgarten zu Worms und des Ortes Seligenſtadt, welchen Namen Einhard oder einer ſeiner Nachfolger an die Stelle von Mühlheim geſetzt hat. Auch Einſiedel, Münſter und Altarberg deuten auf klöſterliche Stiftungen, wie das Zeichen des Kreuzes(crux), das noch in Kreuzburg vorkommt, in Groß⸗ und Klein⸗Kro⸗ tzenburg vielleicht ſchon in römiſcher Zeit aufgepflanzt wurde, wohl auch in Feld⸗ krücken verſteckt liegt und dem Kreuzer(cruciger) als Münze wie als Namen ſeine Entſtehung gewährt hat. Lacroix, St. Croix und Veracruz können zur Beſtätigung dienen. Endlich haben auch die Schotten als Heidenbekehrer ihr Andenken in der ro⸗ mantiſchen Sage von dem Urſprung der Stadt Schotten und in dem Namen Schott (Scot) auf die Nachwelt gebracht.