Aufsatz 
Ueber die Natur der Eigennamen / Karl Dilthey
Entstehung
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Erziehung des deutſchen Volkes ſich geltend gemacht hat. Noch findet ſich eine Anzahl von Namen in unverändert lateiniſcher Form, wie ſie ſchon bei den Römern meiſt als Namen üblich waren, ſo Albinus(Albini), Capito, Caſtritius, Faber, Fabricius, Juſtus, Leo, Lucas, Lucius, Lupus(ſpan. Lopez, wiewohl frei⸗ lich auch ein rein deutſcher Lupus, mit Lipp zuſammenfallend, aus ahd. Liubo Lieb für möglich gehalten wird) Marcus, Medicus, Melior, Parcus, Prätorius, Prosper u. ſ. w., oder nur mit ganz geringer Germaniſirung der Form, wie Adrian, Anton, Auguſt und Augſt, Benedict, Clar, Fem. Clara lcelt. König Lear) Clement, Emil(freilich muß der lat. Aemilius meiſt hinter dem deutſchen Amala, Amelius, Emilo, Emele, Fem. Amalie, Emilie, Emeline zurückſtehen, obwohl jener ſeine Bildung und Liebenswürdigkeit bewährt, dieſer ſeine Makelloſigkeit verloren hat), Lorenz, Martin und Mertens, Paul und Pauli, Urban u. ſ. w. Manche derſelben haben neue Spröſſlinge erzeugt, wie aus Marcus geworden iſt Narx und Merk(wiewohl ahd. Marc auch aus marah: equus oder marka: limes entſpringen kann), Marcellus Merkel, doppelt verkleinernd Marcellinus Merklin, woraus der aus dem Buche der ſieben weiſen Meiſter entlehnte Name des Zauberers Merlin gebildet iſt. Daß dieſe Namen alle ohne Unterbrechung aus dem Altlateiniſchen verblieben ſeien, ſoll damit keineswegs geſagt werden, vielmehr mögen die meiſten derſelben erſt in neurer Zeit wieder hervorgeſucht, willkürlich gewählt oder aus deutſchen Namen latiniſirt oder überſetzt worden ſein. So iſt Lucius wohl nicht eigentlich der römiſche Lucius(ineunte luce, primo mane natus, oder lucidus, Lucullus, Lucumo, Zaleucus, Seleucus, Leucetius), ſondern durch Latiniſirung von Lutz oder Lotz aus Ludwig neu gebildet, und Curtman wird in ſeinem Urſprung weniger an curtus und Curtius, als an ahd. Curzipold oder Curt oder Kuno ſich anſchließen, alſo den zum Manne gereiften Curt bezeichnen. Ebenſo iſt Regine weniger regina, als Fem. von ahd. Regino, von Willich nicht Villicus, wie er zuweilen im Mittelalter heißt, ſondern Willico von g. vilja: voluntas. Zu dieſen Neologismen gehören denn auch diejenigen, die in reinlateiniſcher Form, jedoch bei den Römern noch niemals als Eigennamen vorkommend, meiſt den Betreiber eines Geſchäfts oder Gewerbes bezeichnen, wie Arcularius(Kypſelos, Käſtner, Kiſtner) Cellarius, Molitor, Piſtor(doch Jupiter Pistor ſchon aus Ovid bekannt) mit Piſtorius, germaniſirt Pfiſter, Plauſtrarius, Raſor, Sartorius, Sator, Scriba, Textor, Venator, Vietor(viétor ſachlich Bender, Benner) Vitriarius(f. Lever- rier). Andern iſt wenigſtens eine lateiniſche Endung angehängt, wie Bornagius, Freſenius,(Frieſen), Follenius, Gelfius, Gervinus, Gravelius, Heddäus, Knippelius, Köſterus, Mickelius(Michel), Mitzenius, Nillius, Sickenius, Steinius, Vigelius,(Weigel). Bajus, Suppus, (ſchon ahd. Suppus und Suppo) ſcheinen, nicht minder wie Baſinus in Basinsheim Bensheim rein deutſch zu ſein, doch kaun bajus die Grundform von bajulus enthalten, was im Mtl. it. bailo, balivo, f. bailli den Träger gerichtlicher Competenz, den Vorſteher einer Ballei(i. ballivia) bezeichnet.

Wenn im Allgemeinen die Regel gilt, daß je unkenntlicher die Fremdwörter der deutſchen Sprache geworden ſind, deſto höher ihr Alter iſt, und je reiner die lateiniſche Form, deſto neuer ihr Urſprung(wie Kerker im Verhältniß zu Carcer) ſo werden wir dadurch berechtigt, folgende Namen lateiniſchen Urſprungs meiſt zu den älteren zu zählen: ager, der griechiſchen, lateiniſchen und deutſchen Sprache gemeinſam, aber nur aus der lateiniſchen von ago als urſprüngliche Viehtrift zu erklären, im Deutſchen ſchon von Weigand richtig als Lehnwort erkannt, davon Acker, Ackermann areubalista corrumpirt in Armbruſt, campus: Kempf, d. i. Kämpe, Kämpfer. Camera zu d‿μιυημν eig. gewölbte Zimmerdecke: Kämmerer. carabus: Krebs, wie von cancer Can⸗