Aufsatz 
Ueber die Natur der Eigennamen / Karl Dilthey
Entstehung
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ſondern ſemitiſchen(hebräiſch labi) oder ägyptiſchen(äg. labu) Urſprungs, und Leo⸗ pold aus Liutpold(coram populo pugnax) nur mißbräuchlich an leo angelehnt. Zuletzt müſſen wir den griechiſchen Namen auch noch Graf oder Graff beizählen, wenn dieſes Wort von œ‿xeis und dem ſpätlateiniſchen graphio ausgegangen den Schriftkundigen bezeichnet hat. Dieſe Angabe Weigand's ſtimmt aber nicht bloß zur Sache ſelbſt, ſondern wird auch auffallend beſtätigt durch fr. greffe und greffier(von Diez minder richtig gedeutet, wie ſchon celt. grefiat: notarius beweiſen kann), wie durch den Griffel als Inſtrument des Schreibens. Zur franzöſiſchen Form ſtimmt Grebe, latiniſirt Gra velius, wiederkehrend in Gräfenhauſen(Grebinhusen 1291), Grebenau (Grebinowe), Grebenhain(Grefenhachon 1067). Daß der Grafentitel hiernach urſprünglich den ſchriftkundigen Mann bezeichnete, dies wird man nicht auffallend finden, wenn man ſich in die Zeiten verſetzt, für welche die secreta literarum des Tacitus die Kunſt des Schreibens als eine tief verborgene, geheimnißvolle und nur wenigen Hoch⸗ ſtehenden zugängliche bezeichnen. Führen uns doch ſelbſt jetzt noch die Ausdrücke, welche ſich auf das Schreiben beziehen, ſofern man ihrem Urſprung nachgeht, in das geheimniß⸗ volle Dunkel der urweltlichen Geſchichte zurück. Papier und Charte ſind wahrſcheinlich ägyptiſch, Abe, Ziffer und Zauber phöniciſch, Alphabet, Styl, Rhythmus(wovon Reim), Diplom, Protokoll, Bibel, Bibliothek, Graf, Griffel, Clere griechiſch, Literatur, Codex, Secretär, Schrift, Tinte, Brief, Siegel und Oblaten lateiniſch; nur Rune, Buch, Buch ſtab und Feder, letztere ſeit dem oſtgothiſchen Theoderich, kommen als germaniſche Zu that hinzu; zuletzt haben die Slaven ihr Petſchaft darauf gedrückt. Daß Poeſie griechiſch, Proſa lateiniſch iſt, wird dabei nicht minder bedeutſam hervortreteu.

Die Frage, ob auch griechiſche Ortsnamen in unſerm Gebiete vorhanden ſeien, wird nicht überflüſſig erſcheinen, wenn man erwägt, daß ſelbſt Baſel, München, Münſter und Wien noch griechiſche Namen tragen, freilich Baſel(regia) wohl nur durch Vermittelung irgend eines römiſchen Baſilus, und in der Vorausſetzung, daß er nicht mit Hülfe von ahd. Baso und Basinus in einen Alemannen umgewandelt wurde, München(von monachus), und Münſter(monasterium) als chriſtliche Stiftungen, Wien in Folge einer noch nicht genugſam aufgeklärten Verwechſelung von Baérva in Kreta und Vienna in Gallien mit Vindobona(nach Zeuß von celt. fin oder find: albus). In ähnlicher Weiſe laſſen ſich als griechiſch Hercynia und Melibocus anführen. Herkynia(von( νοο) heißt eine in die Tiefe gehende Felſengrotte mit einem Fluſſe gleiches Namens bei Lebadea, in deren unterirdiſchem Pferch die Todesgöttin (Oreina) Demeter Herkyna thront. Indem die Griechen dieſen Namen gebrauchten, um den germaniſchen Urwald zu benennen, muſſten ſie von einem deutſchen Namen ausgehen, welchen ſie dadurch zu gräciſiren glaubten. Alles ſpricht dafür, daß jener gelautet habe ahd. erchanwald(genuina silva) und noch jetzt vorhanden ſei in dem Namen Erkenbrecht(Erkanberaht) und dem Ort Herchenhain, wiewohl dieſes in Ermangelung der alten Namensform Weigand von Herrich(Herrigo) ableitet. Hinſichtlich des Melibokus habe ich bereits anderwärts zu erweiſen verſucht, daß dieſer griechiſche Name, mit welchem Ptolemäos den Harz bezeichnet, aus Malbug oder Malbuckel gebildet, durch einen Irrthum der Gelehrten auf den mons Malscus der Bergſtraße übertragen wurde, und daraus wieder als zweiter Irrthum die Annahme eines comitatus Chattimelibocensis ſich entwickelt habe.

Lateiniſche Fremdnamen.

Aemilium genus fecundum bonorum civium. Tacit. Bei weitem die zahl⸗ reichſten unter den Fremdnamen ſind die lateiniſchen zum anſchaulichen Beweiſe, wie tief eindringend der von dem heidniſchen und chriſtlichen Rom ausgehende Einfluß auf die

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