Aufsatz 
Ueber die Natur der Eigennamen / Karl Dilthey
Entstehung
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16 Aegidius(fr. St. Gil, Gille, daher fr. gilét als moderner Aegide, mit derſelben Leichtfertigkeit gebildet, wie fr. bläme von blasphemia, cabale von Kabbala, fr. géne von Gehenna oder Ge Ben Hinnom, chicane von ciccus, intrigue von tricae); Alois(wenn griechiſch, Tennemann, wenn deutſch, wahrſcheinlich für Alaghis: templi gæsum), Andreas(virilis) mit Andres, Apollonius, Plönnies, wohl irrthümlich an das holſteiniſche Plön angelehnt. Erasmus aus 9ααναιαονο amabilis, und nur ſcherzhaft in eras-mus zerlegt, wovon noch Asmus. Georg(ruricola, Bauer, Landmann) mit Georgi in Georgenhauſen und Gorxheim; Hieronymus (Sacro nomine insignis) mit Hieronymi. Die heil. Katharina(pura) thront noch in der Katharinenkirche zu Oppenheim, und ihr Name dauert fort in Katharinus Katharina, Käthchen. Nikolaos(victor populi, vincens per populum, victoriam populo parans) mit Nikolai, Nickel, Nick, Klaus, in Niklauspforte hat vielfältige Entſtellungen erfahren, wie it. Cola pesce, e. the old Nick: der Teufel ſelbſt, mit einer Beziehung auf ahd. nichus, die Waſſernix, die auch im Deutſchen den heil. Nikolaus zum Popanz und Schreckbild der Kinder gemacht hat, vergrößernd fr. Nicot, wovon die herba Nicotiana, patronymiſch e. Nicholson, Nelson(was jedoch auch von Cornelius kommen kann), Nickels, dän. Niels(wie ſchon ſpätgriech. Nilus), Nielſon, letzteres der einzige däniſche Name in Darmſtadt. Auch Philippus (amans equorum) mit Philippi iſt entſtellt zu Lips und Lipp, aber Lippert aus ahd. Liutbert, Leutbert oder Liubhart Liebhart. Phöbus beruht eher auf moderner Wahl, als alter Tradition. Simon(naso depresso) der Urheber der Simonie iſt oft verwechſelt worden mit Simeon. Die heil. Sophia charakteriſirt ſich ſelbſt durch ihre aus Glauben, Liebe und Hoffnung perſonificirten Töchter Spes, Fides und Caritas. Von Stephanus(corona) kommmt Steppes. Thekla iſt ſpätgriechiſch für Theoclea, Dei gloria, wozu jedoch nicht Theobald gehört, was wie ähnliche Namen, Diemar, Ditmar, Dietrich, aus Dietbald(in populo valens, ahd. Theudebald αν⁶οέναανοοσ, fr. Thibaut) gräciſirt worden iſt, verkürzt in Dippold und Dippel vom Dippelshof. Timotheus(cultor Dei) wird zwar noch als Vorname gebraucht, auch in e. Tim abgekürzt, aber Thym wird eher ahd. Tiemo ſein, nur in der Schreibart mißverſtändlich an Thymian angelehnt. Veronica, von der Legende durch vera icon zu dem wahren Bilde Chriſti in Edeſſa in Beziehung geſetzt, iſt griechiſchen Urſprungs, aus Berenice entſtellt, wie die macedoniſche Lautverſchie⸗ bnng von peoeviwn lautet. Baptiſt, Dorothea, Eugenie, Theodor u. ſ. w. bedürfen keiner Erkäuterung.

Andere Namen ſind zwar gleichfalls griechiſch, jedoch bei den Griechen ſelbſt niemals im Gebrauche geweſen und erſt in der Nenzeit erfunden, wie es bekanntlich im 15. und 16. Jahrhundert allgemeine Sitte war, deutſche Namen in's Griechiſche und Lateiniſche zu überſetzen. Wie Chyträus, Kapnio, Melanchthon, Melander, Oeko⸗ lampadius, Oporinus, Opſopöuns mögen alſo auch Namen entſtanden ſein, wie Chelius(Scherer?), Mylius(Müller), Trygophorus(Winzer), vielleicht auch Anthes, wenn aus Antheas für Blümmer oder Blumauer. Noch ließe ſich eine Reihe von Namen anführen, die zwar rein deutſch zu ſein ſcheinen, doch aber urſprünglich aus dem Griechiſchen ſtammen, wie Baſel, Biſchof, Drach, Drachen fels, Engel, Krebs, Märtyrer, Münch, Sophie u. ſ. w.; da ſie jedoch zunächſt nur durch Vermittelung des Lateiniſchen in das Deutſche übergegangen ſind(wie Almoſen aus eleemosyne, Pfingſten aus pentecoste, Prieſter aus pres byter, Pfarrer aus paroecus verderbt in parochus u. ſ. w., ſo laſſen ſie ſich eben ſo wohl unter den lateiniſchen Naämen mit aufzählen. Leonhard, Leonhardi, italieniſch Lenardo, Lehnert ſind zwar wirklich löwenkräftig, aber die Benennung des Löwen(in Sanſcrit und Gothiſchen fehlend, ahd. leo, lewo), iſt nicht griechiſchen,