Aufsatz 
Ueber die Natur der Eigennamen / Karl Dilthey
Entstehung
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Rom, wohin ſie Ovid nach umirrender Meerfahrt kommen läſſt, mittelſt Beziehung auf annus zu der Jahresgöttin Anna Perenna umgedeutet, endlich wiedergeboren als deutſche Anna von g. ano: avus, alſo avita.

Die letzten hebräiſchen Wortbildungen finden ſich im neuen Teſtamente, aber meiſtens ſchon in der Form völlig gräciſirt, oder ſelbſt in das Griechiſche überſetzt. Zu den erſteren gehören außer Jeſus(hebr. Josua: salus), deſſen Namen nur die Jeſuiten beizubehalten gewagt haben, Matthäus und Matthias(donum Dei, Deodatus, f. Diendonné) mit Mathes und Matty; Johannes(Dei gratia) mit Johann, John, Hans, Hannes, Hanneken, auch in St. Johann, Johannishof; Bartholomäus(tilius Ptolemaei) mit Bartholomä, Barthel, welches letztere in der Praxis freilich mit ahd. Bardilo untermiſcht wird; Thomas(Didymus, geminus); Lazarus(aus Eleaſar Deus adjuvet, Gotthelf) in dem nach Analogie von myrtetum, quercetum, rosetum mittelalterlich benannten lazaretum; Zachäus (purus) mit Zacheis; Maria(aus Mirjam amaritudo) noch in Marienborn, Marienhagen, Marienkron, Marienſchloß; Magdalena aus der Stadt Magdala von hebr. migdil: turris); Eliſabet(cui Deus est sacramentum, Dei cultrix), wovon Elsbeth, Lisbeth, mit der Deminntivform Betty und daraus latiniſirt Bettina. Andere ſind ſchon in das Griechiſche überſetzt, wie Chriſtus (hebr. Meſſias unctus), wovon Chriſt, Chriſtian, Chriſtlieb, Chriſtmann; ſodann Petrus l(aus hebr. selah: rupes), noch in Petersburg, Petershain, Peterweil, wie in Peter, Peters, Petri(deutſche und lateiniſche Genitivform, alſo elliptiſch Petri sc. filius), Petermann abgekürzt Petſch; von der franz. Form Pierre, vergrößernd Pierrot, Perrot, Pierrotti. Je allgemeiner ſolche Namen üblich wurden, um ſo mehr wurde freilich auch ihre urſprüngliche Beziehung vergeſſen, und die ſcherzende Laune des Volkes hat, ohne auch nur entfernt an eine Profanirung zu denken, keinen Anſtoß darin gefunden, ſie zu mannichfachem Wortwitz zu verwenden, wie it. perrochetto, f. peroquet, perruche und die Höllenhaube dieſes Vogels(von Diez anders gedeutet) it. parrucia, f. perruque beweiſen.

Griechiſche Fremdnamen.

Gehen wir nun zu unſern rein griechiſchen Namen über, ſo iſt zwar die Anzahl derſelben ziemlich bedeutend, doch iſt vielleicht nicht ein einziger darunter, von dem man annehmen könnte, daß er ſchon in alter Zeit unmittelbar aus dem Griechiſchen und nicht erſt ſpäter durch lateiniſche, namentlich kirchliche Vermittelung in das Deutſche über gegangen ſei. Zudem iſt es bei der nahen durch die Pelasger vermittelten Verwandt⸗ ſchaft der Griechen und Römer oft kaum möglich, einfach zu beſtimmen, welcher von beiden Sprachen ein Wort eigentlich angehöre, weßhalb wir uns für jetzt auf folgende Auswahl beſchränken. An der Spitze ſteht Alexander, ſchon in Indien zu einer Form verkürzt, die wie Sander lautete und darum bezogen auf ſr. tschandra: luna, was die orientaliſche Fabel von Iſkander dem Zweigehörnten erzeugt hat und ſelbſt das Wappen des türkiſchen Halbmonds veranlaſſt haben ſoll. Der Fluß fr. tschandra- bagha, der den Griechen wie Sandrophagus Alexanderfreſſer lauten mochte, wurde deshalb in Acesines(von aεονα, einen Fluß des Heils umgewandelt. Auch der nach Alexander folgende König wird nach deſſen Namen Sandrocottus(ſr. tschandragupta a Luna protectus) genannt. Der durch Skanderbeg vermittelte Urſprung des deutſchen Sander würde hiernach keinem Zweifel unterliegen, wenn nicht ein allgemeines Geſetz uns verpflichtete, Fremdnamen als neuere Sprachgebilde anzuſehen, ſo weit ein rein deutſcher Urſprung derſelben ſich nachweiſen läſſt, was in dem vorliegenden Falle durch ahd. Sandheri ermöglicht wird, wenn anch die erſte Sylbe unerklärt bleibt. Es folgen