Aufsatz 
Aufgaben, Methode und Bedürfnisse unseres Unterrichts in der Chemie
Entstehung
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Augen erzeugt. Aber iſt dadurch dasBild von Chlor abgerundet, vollendet? Ich glaube, daß dies Niemand zugeſtehen wird. Nur derjenige kann ſich ein klares Bild vom Chlor machen, der die Eigen⸗ ſchaften ſeiner Verbindungen kennt. Die Chlormetalle aber werden auch nach der alten Methode bei je den betreffenden Metallen erzeugt, alſo, wie bei der Arendt'ſchen Methode, zerſtreut. Die Löslichkeits⸗ verhältniſſe derſelben, ihre Zerſetzungsart u. A. gehören aber doch ſicherlich zur Charakteriſtik des Chlors. Wollte man überhaupt die Baſis des oben angeführten Einwurfes als Grundſatz bei der Ertheilung des chemiſchen Unterrichts feſtſtellen, ſo müßte in jeder Schule, welche die Chemie als Unterrichtsgegen⸗ ſtand eingeführt hat, um das Bild des Kohlenſtoffs zu einem vollſtändigen zu machen, die ganze orga⸗ niſche Chemie durchgenommen werden.

Die Frage: ob bei dem chemiſchen Unterricht ein Laboratorium erforderlich iſt, behandelt Dr. Arendt in der oben erwähnten Schrift(Organiſation, Technik und Apparat des chemiſchen Unterrichts) auf Seite 20 und 21, hat aber nur die Arbeiten im Auge, die dem Schüler aufgetragen werden, wenn er die unorganiſche Chemie vollſtändig bewältigt hat: die Arbeiten der qua⸗ litativen und quantitativen Analyſe. Ich bin darüber zu folgender Ueberzeugung gelangt. Wie es in anderen Diſciplinen als nothwendige Regel gilt, daß nicht allein von Seiten des Lehrers die theo⸗ retiſch entwickelte Wahrheit durch practiſche Fälle erläutert wird, ſondern, und in größerem Maße ſogar, die Schüler ſelbſt durch paſſende practiſche Arbeiten ſich der Theorie immer feſter bemäch⸗ tigen ſollen, ſo gilt das ebenmäßig für die Chemie. Der Schüler braucht nicht erſtdas ganze Gebiet der Chemie vollſtändig zu beherrſchen, ehe er ſichmit Erfolg in practiſchen Arbeiten verſucht. Ohne daß, wie Arendt fürchtet,das practiſche Chemiſiren zu einer unnützen, ja nicht ſelten höchſt gefährlichen Spielerei ausartet,kann der Schüler mit richtiger Anweiſung das ihm gebotene Laboratorium zu ſeinem großen Nutzen ausbeuten, wenn die ihm aufgetragenen Arbeiten parallel mit der Entwickelung ſeiner chemiſchen Kenntniſſe fortſchreiten. Gerade nach der Arendt'ſchen Methode können, die Unterrichtszeit zu drei wöchentlichen Stunden angenommen, meiner Anſicht nach die Arbeiten ſchon im Laufe des zweiten Unterrichtsſemeſters beginnen, und zwar mit dem III. Abſchnitt des Arendt'ſchen Lehrbuchs(Salze). Bei dem KapitelKryſtallwaſſer wird dem Schüler geſagt, daß kohlenſaures und ſchwefelſaures Natron 10 Moleküle, Eiſen⸗ und Zinkvitriol 7 Moleküle Kryſtallwaſſer ent⸗ halten u. A. m. Dies Alles muß der Schüler auf Treu und Glauben hinnehmen. Warum läßt man ihn nicht ſelbſt die Menge des Kryſtallwaſſers beſtimmen? Es geht nicht über ſein Wiſſen und Können, da er die empiriſchen Formeln der Salze kennt. Er lernt mit Wage und Gewicht umgehen und das Intereſſe an dem Gegenſtand wird ſich erhöhen, da er ſelbſt dabei activ iſt. Für ſpätere Arbeiten können dieſe Beſtimmungen von großer Wichtigkeit für ihn werden. Wenn eine Maßanalyſe, bei welcher z. B. titrirte Oxalſäureflüſſigkeit gebraucht wird, unzuverläſſige Reſultate ergibt, ſo kann ja dies daran liegen, daß die angewandte Oralſäure nicht mehr das der Formel entſprechende Quantum Krrſtallwaſſer ent⸗ hält. Später werden die Alkalimetrie und Acidimetrie, die Maßanalyſen überhaupt, Veranlaſſung zu zahlreichen Arbeiten. Der Schüler dehnt dieſe auf eigentlich practiſche Fälle aus: Er unterſucht ver⸗ ſchiedene Potaſche⸗ und Sodaſorten, Braunſtein u. dgl., er beſtimmt die Stärke der im Laboratorium befindlichen Säuren und Baſen; auch die Füllungsanalyſen werden derartige Arbeiten hervorrufen, kurz, gerade nach der Arendt'ſchen Methode, wird es niemals an Stoff zu ſolchen Uebungen fehlen, die parallel der in der Lehrſtunde entwickelten Theorie fortgeführt werden und welche ſtets für den Schüler intereſſant bleiben.

An unſerer Schule ſind wir nicht ſo glücklich, den Schülern dieſe practiſche Ausbildung geben zu können. Wir haben kein eigentliches Laboratorium; wir ſind ſogar in mancher Beziehung höchſt un⸗ zureichend ausgerüſtet. Die uns zu Gebot ſtehenden Geldmittel reichen zwar aus, die Arendt'ſche Me⸗ thode ziemlich vollſtändig durchzuführen und die dazu nöthigen, oft nicht unbedeutende Geldopfer erfor⸗ dernden Apparate und Reagenzien anzuſchaffen; allein der Mangel eines ſ. g. Abdampfraums nöthigt uns, die Abdampfungen meiſt im Schulzimmer vorzunehmen. Daher kommt es, daß Lehrer und Schuͤler oft ſtundenlang in einer die Geſundheit angreifenden Atmoſphäre zu verweilen gezwungen ſind, trotzdem bedeutendere Abdampfungen in der Regel auf der Fenſterbrüſtung außerhalb des Zimmers vorgenommen werden. Dabei iſt jedoch zu bezweifeln, ob, trotz der ziemlich freien Lage unſeres Hauſes, dies uns nicht polizeilich unterſagt werden könnte. Auch der Mangel eines Heerdes mit Waſſer⸗ und Sandbad, Trocken⸗

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