Aufsatz 
Aufgaben, Methode und Bedürfnisse unseres Unterrichts in der Chemie
Entstehung
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Auf gleiche Weiſe geht Glycolſäure: Cal 0. in Oxalſäure: ca 0, über. Wie der Schüler, durch

die Thatſachen gezwungen, ſich die Schwefelſäure nach der Form 31n 0. zuſammengeſetzt denken muß,

ſo wird er in gleicher Weiſe iſomere Körper verſtehen lernen. Die Verbindung CzII,Oz tritt mit dreierlei vollſtändig von einander verſchiedenen Eigenſchaften auf. Dieſe Verſchiedenheit erklärt ſich leicht durch die betreffenden rationellen Formeln:

CIIO HIO CIIO GI o, Ci 0 und Gr o. Ameiſenſaurer Eſſigſaurer Propionſäure.

Aethyläther. Methyläther. Denn es können analog vielen anorganiſchen Vorgängen, je nach den vorwaltenden Umſtänden aus dem Complex CzII.Oz entweder die Atomengruppe Ce;(Aethyl), reſp. CII(Methyl) ausgeſchieden und durch IH erſetzt werden, wodurch Ameiſenſäure, reſp. Eſſigſäure enſteht, oder es tritt im dritten Fall für den typiſchen Waſſerſtoff ein baſiſches Radikal ein, wodurch ein propionſaures Salz entſteht.

Dieſe aus verſchiedenen Theilen der organiſchen Chemie entnommenen Beiſpiele genügen wohl, um zu zeigen, daß unſerem Schüler, dem wir die anorganiſche Chemie nach der Arendt'ſchen Methode vorgeführt haben, wohl ſelten ein organiſcher Proceß vorkommen wird, für den er nicht in der anor⸗ ganiſchen Chemie ein Analogon findet. Ihm erſcheint die Typentheorie nicht aufgezwungen, nicht ge⸗ waltſam hereingetragen, ſondern natürlich, ſelbſtverſtändlich; iſt ſie ihm ſchon bei einfacheren Vorgängen die gleichſam von ſelbſt erſtandene Richtſchnur für ſeine Beurtheilung chemiſcher Vorgänge geweſen, ſo wird ſie ihm um ſo willkommener ſein bei der Erklärung complicirterer Erſcheinungen, welche ſich durch ſie auf alt gewohnte Weiſe ohne Schwierigkeit erklären laſſen.

Die logiſche Behandlungsweiſe des Stoffes nach der Arendt'ſchen Methode bringt eine Aufeinan⸗ derfolge der Verſuche mit ſich, welche ihr von gegneriſcher Seite als ein großer Mangel vorgeworfen wird. So wird z. B. Eiſen zum erſtenmal mit ſeinen phyſikaliſchen Eigenſchaften auf Seite 5 erwähnt, ſein Verbrennen in Sauerſtoff auf Seite 29, das Eiſenoxyd als Baſe auf Seite 52, die Verbindungen des Eiſens mit Schwefel auf Seite 75, die mit Chlor auf Seite 85; die Reductionen der Sauerſtoff⸗ verbindungen des Eiſens kommen auf Seite 90—101 vor, die Eiſenſalze an verſchiedenen Stellen viel ſpäter; kurz, wie Arendt ſelbſt in dem Vorwort zu ſeinem Lehrbuch ſagt,„die chemiſchen Thatſachen, welche ſich auf einen und denſelben Körper beziehen und die in den ſyſtematiſchen Lehrbüchern wohlge⸗ ordnet an gleicher Stelle aufzufinden ſind, ſind bei dem vorliegenden Lehrbuch räumlich im Werke mehr oder minder zerſtreut und gelangen deßhalb auch zeitlich ganz verſchieden zur Kenntniß des Schü⸗ lers.“ Dieſer„Mangel“ wenn man ihn als ſolchen betrachten will,„wird,“ wie Arendt richtig meint, „reichlich dadurch aufgewogen, daß das Intereſſe des Schülers für die einzelnen Gegenſtände ſtets wach erhalten wird, da dieſe ihm immer von Neuem begegnen und andere, bis dahin unbekannte Eigenſchaften darbieten.“ Andrerſeits läßt ſich dieſem„Mangel“ dadurch abhelfen, daß, wie Arendt vorſchlägt, der Schüler ein Heft führt,„in welchem für jedes wichtige Element eine Seite beſtimmt iſt. Auf dieſe wird dann nach nnd nach, wie der Unterricht fortſchreitet, alles auf das Element Bezügliche mit Ver⸗ weiſung auf die entſprechende Seite bes Lehrbuchs eingetragen, wobei natürlich bloß das Thatſächlichſte, und zwar in möglichſter Kürze, Berückſichtigung findet.“ Wenn man nun aber dieſen Umſtand als Hauptargument gegen die Arendt'ſche Methode anführt, ſo iſt dies vollſtändig ungerechtfertigt. Man ſagt, dieſer Lehrgang ſei deßwegen nicht zu empfehlen, weil, wenn ein Schüler aus der Anſtalt trete, ehe der ganze Curſus beendet ſei, er nicht einmal ein abgerundetes Bild von einem einzigen Element habe. Ganz abgeſehen davon, daß eine Schule ihren Lehrgang nicht nach denjenigen Schulern richten kann, die zu beliebiger Zeit austreten, bietet die alte Methode denſelben Nachtheil für dieſen Fall. Denken wir uns einen Schüler, der, nachdem in der Chemie die Metalloide durchgegangen ſind, aus der Schule tritt. Trägt er ein abgerundetes Bild aller Metalloide in ſich? Vom Chlor z. B. weiß er, daß es mit Waſſerſtoff die Salzſäure, mit Sauerſtoff mehrere Säuren bildet, daß es außerdem zu vielen Metallen Verwandtſchaft hat; denn es werden einige Verbindungen derſelben mit Chlor vor ſeinen