18
die Zuſammenſetzung vieler organiſcher Körper wird nachgewieſen, daß das für die Bildung unorganiſcher Verbindungen allerdings gültige Geſetz der multiplen Proportionen für die organiſche Chemie ſchwankend wird, ja ſogar in ſo lange als werthlos gelten muß, als man die überaus große Mannig⸗ faltigkeit in der Zuſammenſetzung der Kohlenſtoffverbindungen nicht in beſtimmte Geſetze bringen kann. Für die allgemeine Chemie bleibt alſo bis jetzt nur das Geſetz der conſtanten Verhältniſſe übrig: Die Materie beſteht aus Atomen, welche an Subſtanz und Gewicht verſchieden ſind. Bei jeder der bis jetzt bekannten Art von Atomen(Element) iſt die Subſtanz und das Gewicht unveränderlich. Die Atome können ſich unter einander in ſehr mannigfachen Verhältniſſen verbinden, deren Geſetzmäßigkeit noch nicht erkannt iſt. Es wird weiter auseinandergeſetzt, warum man in der neueren Chemie das Atomgewicht des Sauerſtoffs als 16, überhaupt die Atomgewichte der zwei⸗ und vierwerthigen Elemente doppelt ſo groß annimmt als früher; die Atom⸗ und Molekulargröße der Körper wird unterſucht: Die Atom⸗ gewichte der gasförmigen oder gasförmig darzuſtellenden Elemente werden durch Zahlen ausgedrlckt, welche den Gewichten gleicher Gasvolumen ent⸗ ſprechen(H, Cl, Br, J, O, S, N,) oder zu denſelben in einem einfachen Verhältniß ſtehen(P und As die Hälfte, Hg das Doppelte) und: die Moleküle aller Gaſe ſind gleichgroß und nehmen denſelben Raum ein wie 2 At. Waſſerſtoff. Die Theorie von der Werthigkeit wird eingehend begründet und dann ſchließlich die Typentheorie in über⸗ ſichtlicher Weiſe dargeſtellt. Gehören die zuletzt behandelten Gegenſtände gerade nicht zu den leicht zu erfaſſenden und können dieſelben nur durch ernſtes Denken zur Klarheit kommen, ſo werden ſie doch durch Schüler von der Reife unſerer Abiturienten bewältigt; die überſichtliche Darſtellung der Typentheorie dürfte außerdem denjenigen Schülern, welche die Chemie weiter ſtudiren, ſehr nützlich ſein.
In wie weit es mir gelungen iſt, die Vorzüge der Arendt'ſchen Methode, den unbeſtreitbaren Mängeln der älteren Lehrmethode gegenüber, in das richtige Licht zu ſtellen, entzieht ſich natürlich meiner Beurtheilung. Bei der Schwierigkeit, ein ſo großes Material auf dieſe wenigen Blätter zuſammenzudrängen und dabei den logiſchen Zuſammenhang der Behandlung durchleuchten zu laſſen, kann es vorgekommen ſein, daß ich ſolche Abſchnitte, bei welchen ſich die logiſche Behandlungsweiſe leichter durch den zu behandelnden Gegenſtand ſelbſt ergibt, nur kurz, vielleicht zu kurz erwähnt habe. Es mag daher demjenigen Leſer, dem die Arendt'ſche Methode bis jetzt unbekannt war,— nnd deren wird es wohl noch viele geben, da dieſelbe ſonſt, meiner Anſicht nach, ſchon mehr Eingang in unſern Schulen gefunden haben müßte— dieſe Methode minder vortheilhaft erſcheinen, als ſie wirklich iſt. Man kann die Vorzüge derſelben wohl nicht präciſer ausdrücken als Arendt*) ſelbſt: 1. Der geſammte Unter⸗ richt bildet ein zuſammenhängendes Ganzes. 2. Ueberall iſt ein Fortſchritt vom Einfacheren und Faßlicheren zum Zuſammengeſetzteren und ſchwerer Ver⸗ ſtändlichen angeſtrebt. 3. Die Entwickelung der Theorie geht mit der Ent⸗ wickelung derchemiſchen Anſchauung ſchrittweiſe vorwärts, ſo daß jeder Ab⸗ ſchnitt einige Hauptlehren dertheoretiſchen Chemie erörtert. 4. Der Unter⸗ richt bleibt vom erſten bis zum letzten Kapitel feſſelnd und intereſſant. Ich habe dieſe Sätze durchgängig als wahr gefunden. Zu dieſen Vorzügen kommt nun noch, der alten Methode mit dualiſtiſcher Theorie gegenüber, der nicht hoch genug anzuſchlagende Vortheil, daß die Arendt'ſche Methode den Schüler ſpielend in die Typentheorie einführt. Jeder, dem noch, wie mir, im Gedächtniß iſt, wie fremd die Typen demjenigen Studirenden entgegentreten, der vorher alle chemiſchen Vorgänge nur nach der dualiſtiſchen Theorie zu erklären gelehrt worden war, wie ihm dieſe Typentheorie mit Mühe herbeigezogen erſcheint, nar um die ungeheure Maſſe der orga⸗ niſchen Verbindungen leichter bewältigen zu können, wird nur mit einem wohlthuenden Gefühl der Zu⸗ friedenheit daran denken, wie viel beſſer ausgerüſtet unſere Schüler an das Studium der organiſchen Chemie gehen, als wir ſelbſt. Nicht die geringſte Schwierigkeit bieten Jenen alle die Subſtitutions⸗
.*) In: Organiſation, Technik und Apparat des Unterrichts in der Chemie von Dr. Rud. Arendt, einem Werk, das zu dieſer Arbeit mannigfach benutzt wurde.


