Aufsatz 
Die Lehre von der Rechtfertigung aus dem Glauben : vom ethischen Gesichtspunkte aus dargestellt / von August Dieckmann
Entstehung
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wir ſind keineswegs müßige Zuſchauer bei dem Zuſtandekommen des Rechtfertigungsaktes. Wir müſſen Gott die Arbeit an unſeren Seelen ermöglichen, das geſchieht durch den Glauben als das bewußte und energiſche Eingehen auf die Abſichten der göttlichen Gnade. Weit entfernt aber iſt die Gnade, den Sünder ass ſolchen zu rechtfertigen. Auf nichts hin d. h. ohne die Vorausſetzung einer Veränderung in der Geſinnung des Sünders wird demſelben keine Sünde vergeben.„Wer da hat, dem wird gegeben, daß er die Fülle habe; wer aber nicht hat, von dem wird auch genommen, das er hat“ (Matth. 13, 12). Was wir haben müſſen, um als Sünder begnadigt zu werden, iſt Buße und Glaube. Zum Beweiſe der Schriftgemäßheit dieſer Anſicht braucht nur auf das Gleichnis vom verlorenen Sohne hingewieſen zu werden(Luc. XV, beſonders V. 17— 21). Wenn nun Röm. IV, 5 Gott bezeichnet wird als drxxνν ev Aoεf, ſo führe man doch nicht immer wieder dieſes Wort ins Feld, um eine Rechtfertigung zu ſtatuieren, bei welcher der Menſch mit ſeinem Willen und Wirken zunächſt ganz unbeteiligt ſei! Man überſehe doch nicht den Zuſammenhang jener Stelle, man iſuliere doch nicht die Worte Srxatchy TSv 3ε☚:⁊ von dem, was vorausgeht und nachfolgt! Es heißt: ſe 58 aoewc, nIgTS boOvrt 8¾ Toy dtkatodvra Aef, LoTlerat dloris adrod eis itovV. Auf morsöoytt ruht hier der Ton: Ein Sünder, der ſich glaubend dem Gotte vertraut, der die Sünder begnadigen will, iſt eben nicht mehr ſchlechtweg ein àοεe, er iſt ſchon durch ſeine Bußfertigkeit, mit der er ſich als Sünder bekennt und bei Gott Hülfe ſucht, über die Stufe des Gottloſen hinaus⸗ geſchritten. Bezüglich des à0«, der noch keinen Anfang zur ſittlichen Umwandlung gemacht, bleibt es bei Exod. 23, 7, wo Gott ſagt:„Ich laſſe den Gottloſen nicht Recht haben“, 7„XN No, eig.= ich erkläre den Gottloſen nicht für gerecht, rechtfertige ihn nicht. Ein Gottloſer kann überhaupt nicht in dem Sinne glauben, in welchem mοꝙτeo verſtanden ſein will. Bgl. Confessio Augustana, Artikel 20:„Nam diaboli et impii non possunt hunc articulum credere, remissionem peccatorum.“ Wer eine Rechtfertigung aus Gnaden in der Weiſe lehrt, daß auf ſeiten des Menſchen nichts vorliege, woraufhin die Rechtfertigung ordnungsgemäß erfolgen könne, verleugnet den bibliſchen Begriff ſowohl der Gnade als des Glaubens. üÜberall, wo die proteſtantiſche Orthodoxie im vermeintlichen Intereſſe des Dogma's von der„Rechtfertigung aus Gnade und Glaube allein“ dem Menſchen jeglichen ſittlichen Anteil an dem Rechtfertigungsprozeſſe abſpricht, ſchrumpft ihr der Begriff des Glaubens⸗ zu einem rein äußerlichen Fürwahrhalten, zu einer rein paſſiven Entgegennahme eines von Gott über die Sünder verfügten Urteils zuſammen. Alle juriſtiſchen Theorien können aber dann den ethiſchen Mangel nicht erſetzen. Es tritt dann gerade das ein, was die Reformatoren, aus ihrem lebendigen Glaubensleben herausredend, verhüten wollten, wenn es z. B. Conf. Aug. Art. 20 heißt:„Admonentur etiam homines, quod hic nomen fidei non significet tantum historiae notitiam, qualis est in impiis et diabolo, sed significet fidem, quae credit non tantum historiam, videlicet hunc articulum, remissionem peccatorum.“ Und weiterhin: Augustinus etiam de fidei nomine... docet in scripturis nomen fidei accipi non pro notitia, qualis est in impiis, sed pro fiducia, quae con- solatur et erigit perterrefactas mentes.“ Die Conf. Aug. ſieht mit Recht im Glauben das Vehikel des heiligen Geiſtes und eben damit Grund und Wurzel einer völligen Lebens⸗ erneuerung(Art. 20):„Et quia per fidem accipitur Spiritus Sanctus iam corda renovantur et induuent novos affectus, ut parere bona opera possint. Sic enim ait Ambrosius: Fides bonae voluntatis et iustae actionis genetrix est.“ So