Aufsatz 
Reisebericht (über die Taubstummen-Institute in Münster, Halberstadt, Magdeburg, Berlin, Dresden, Prag und Gmünd) : 1. Heft
Entstehung
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angefertigt. Im letzten Jahre ihres Schulbeſuches werden die Maͤdchen vom Nachmittagsunterrichte dispenſirt und lernen in dieſer Zeit bei der Lehrerin noch das Schneidern, um ſpaͤter dadurch ihr Fortkommen zu ſichern.»

Waͤhrend meines Beſuchs bei Herrn Seminardirector Hartung kam noch folgendes zur Sprache:

Graſers Idee: Taubſtumme zugleich mit hoͤrenden Kindern zu unterrichten werde ſtets ein frommer Wunſch bleiben, deſſen Realiſtrung man ſicherlich vergeblich erwarte, was die Erfahrung aber auch ſchon ſattſam gezeigt habe.

Der Taubſtummenunterricht gedeihe am beſten in Taubſtummen⸗Anſtalten und ſei immer da am beſten beſtellt, wo alle ſchulpflichtigen taubſtummen Kinder aufgenommen und unterrichtet werden koͤnnten.*)

Mit dem Vorbereitungsunterrichte von Seiten eines mit der Methode vertrauten Lehrers an einer Volksſchule ſei es auch ſo eine Sache. Wenn ein ſolcher(Lehrer) im Schweiße ſeines Angeſichtes ſechs volle Stunden des Tages geſchult habe, ſei er erſchoͤpft und abgeſtumpft, beduͤrfe der Erholung und koͤnne, wenn man ihm nicht zu viel aufbuͤrden wolle, nicht noch hintendrein Taub⸗ ſtumme unterrichten; denn der Taubſtummenlehrer muͤſſe in ſeiner ſchweren Arbeit friſche Geiſteskraft und die ausdauerndſte Geduld beſitzen, die aber be⸗ kanntermaßen einem Lehrer, der unter ſaurer Muͤhe im Laufe des Tages ſchon ſechs Stunden in ſeiner Schule gearbeitet habe, abgingen. Jedenfalls verdienen die Bemerkungen des Herrn Seminardirectors, der ſelbſt Taubſtummenlehrer war, daher aus eigener Erfahrung ſpricht, eine allgemeine Beachtung.

*) Demnach wäre für die Ausbildung der Taubſtummen im Herzogthum Naſſau, deſſen Inſtitut ſämmtliche ſchulfähige taubſtumme Kinder aufnehmen kann, ganz gut geſorgt.

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