Aufsatz 
Geschichte der Großherzoglichen Real- und Landwirtschaftsschule zu Groß-Umstadt in den 25 Jahren ihres Bestehens
Entstehung
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Nach dem jetzigen Plane, der durch Wegfall der engliſchen Sprache vom folgenden Schuljahre an einige ÄAnderungen erleiden wird, wurde unterrichtet:

In Landwirtſchaftslehre: 3. Kl.: Pflanzenbau, Tierzucht; 2. Kl.: Ackerbau, Obſt⸗ und Weinbau, Tierzucht, Buch⸗ führung; 1. Kl.: Wieſenbau, Milchwirtſchaft, Buchführung, Betriebslehre, Volkswirtſchaftslehre, Ackerbau, Tierzucht.

In Chemie: 3. Kl.: Anorganiſche Chemie; 2. Kl.: Anorganiſche Chemie beendigt, organiſche begonnen, praktiſche Übungen; 1. Kl.: Organiſche Chemie, beendigt, praktiſche Ubungen. 1

In Mineralogie: 3. Kl.: Überſicht über die wichtigſten Mineralien; 2. Kl.: Kriſtallographie, das Wichtigſte aus der Erd⸗ geſchichte.

In Botanik: 3. Kl.: Kenntnis des inneren Baues und der Lebensthätigkeit der Pflanzen; 2. Kl.: Kryptogamen mit be⸗ ſonderer Berückſichtigung der Pflanzenkrankheiten und der ſie verurſachenden Paraſiten; 1. Kl.: Wiederholung des natür⸗ lichen Syſtems und der Nährſtoffe, mikroſkopiſche Ubungen.

In Zoologie: 3. Kl.: Kenntnis des inneren Baues und der Lebensthätigkeit der Wirbeltiere; 2. Kl.: Gliedertiere, Weich⸗ tiere, Würmer mit beſonderer Berückſichtigung der landwirtſchaftlichen Schädlinge und der tieriſchen Schmarotzer; 1. Kl.: Wiederholung und verwandtſchaftlicher Zuſammenhang der Klaſſen und Ordnungen des Tierreiches.

Im Planzeichnen und Feldmeſſen: 2. Kl.: Einfache geometriſche Konſtruktionsaufgaben, Kartieren geradlinig begrenzter Grundſtücke nach gegebenen Winkeln und Seiten, Berechnung des Flächeninhaltes derſelben. Zeichnen in verjüngtem Maß⸗ ſtabe; 1. Kl.: Feldmeſſen, Aufzeichnen der aufgenommenen Grundſtücke, Vermeſſen und Kartieren kleinerer Flächen, Auf⸗ nahme eines größeren Situationsplanes, Diſtanzſchätzen, Abſtecken von Parzellen mit gegebenem Flächeninhalt, Teilungsauf⸗ gaben, Aufnahme mit dem Meßtiſche, Nivellieren.

In Mathematik wird in den beiden oberen Klaſſen der Unterrichtsſtoff der Realſchule etwas abgerundet. Die ſeither auch für Deutſch und Franzöſiſch nötige Abrundung iſt von dem nächſten Schuljahre an nicht mehr nötig, da der Wegfall des Engliſchen ermöglicht, für dieſe Fächer dieſelbe wöchentliche Stundenzahl, wie für die Realſchule, anzuſetzen. In der 3. Kl. werden ebenfalls die für Algebra ſeither angeſetzten 2 wöchentlichen Stunden auf 3, mit der Realſchule übereinſtimmend, erhöht.

Da der Chemie⸗Unterricht in der 3. Kl. Schwierigkeiten bietet, ſo werden in dieſem Fache in Zukunft in der 3. Kl. nur 3 St. Chemie und Mineralogie ſtatt 4 St., dagegen in der 1. Kl. 4 St. ſtatt 3 St. erteilt. Hierdurch wird das praktiſche

Arbeiten in der 1. Kl. mehr betont werden können..

Zur Ausgleichung wird gegen ſeither in der Landwirtſchaftslehre in der 2. Kl. wöchentlich 1 St. mehr, in der 1. Kl.

1 St. weniger gegeben.

Die geſamte wöchentliche Stundenzahl der 1. Klaſſe wird ſich von 38 auf 37 erniedrigen.

Das Verſuchsfeld.

Das Verſuchsfeld hat den Zweck, die Schüler praktiſch in den landwirtſchaftlichen Pflanzenbau einzuführen; doch werden ſtets auch einige vergleichende Anbauverſuche und Düngungsverſuche ausgeführt. Das dazu benutzte Grundſtück liegt dem Schulgebäude gegenüber und enthält nach Vermeſſung durch die Schüler 2031 qm. Der Boden iſt tiefgründiger Lehm⸗ mergelboden mit kalkreichem Untergrunde und gehört dem in der Gegend weit verbreiteten Lößgebiete an. Es iſt ein Klee⸗ boden erſter Klaſſe, auf dem auch Luzerne 6 bis 8 Jahre aushält, und für Rüben⸗ und Gerſtenbau vorzüglich geeignet. Das ganze Grundſtück iſt eingefriedigt und gartenmäßig hergerichtet. Durch einen gepflaſterten Hauptweg und zwei Nebenwege wird es in 4 Abteilungen geteilt, von denen jede einige 50 Beete enthält. Jeder Schüler erhält eine Anzahl Beete zum Anbau und hat Buch zu führen über Vorbereitung und Düngung des Bodens, Ausführung der Saat, Entwickelung der Pflanzen, Pflege und Ernte derſelben. Die Erträge des Verſuchsfeldes werden öffentlich verſteigert. Mit dem Wechſel der Beete wird annähernd die Fruchtfolge eingehalten: 1. Hackfrucht, 2. Sommergetreide, 3. Klee⸗ und Grünfutterpflanzen, 4. Wintergetreide, 5. Hack⸗ frucht, 6. Hülſenfrüchte, 7. Ol⸗ und Geſpinſtpflanzen. Gedüngt wird faſt ausſchließlich mit Kunſtdünger unter gleichzeitiger Anwendung der Gründüngung.

Vergleichende Düngungsverſuche(nach Wagner) wurden ausgeführt mit Thomasmehl und Superphosphat zu Hack⸗ früchten, Gerſte und Klee; mit Schwefelſanrem Ammoniak und Chiliſalpeter zu Weizen und Roggen; mit Kainit zu Gerſte und Hackfrüchten; mit Gründüngung und Chiliſalpeter zu Hackfrüchten und Wintergetreide.

Vergleichende Anbauverſuche wurden beſonders mit Sortimenten von Kartoffeln und Runkelrüben vorgenommen; die bewährten Kartoffelſorten werden als Saatgut verkauft. Bei Runkelrüben erſtreckte ſich ein Anbauverſuch auf den Ertrag von gedrillten und von nach der ortsüblichen Weiſe verpflanzten Rüben, wobei ſich für die langen Sorten das Drillen, für die runden das Verpflanzen als vorteilhafter erwies. Die höchſten Erträge gaben die aus Groß⸗Umſtädter Samen gezogenen runden gelben Runkeln. Als vorzügliches Wintergetreide für Boden und Klima der Gegend erwies ſich die Mammuth⸗Winter⸗ gerſte, die ſelbſt in den kalten Wintern 1890/91 und 91,92 nicht im geringſten litt und im Durchſchnitt einen Körnerertrag von 1 Pfund p. am, das wären 25 Zentner auf den Morgen, lieferte. Allerdings iſt der Schluß von kleinen, gartenmäßig ge⸗ haltenen Beeten auf große Flächen nicht zuläſſig.

Angebaut wurden im letzten Jahre: 7 Sorten Winterroggen, 3 Sommerroggen, 10 Winterweizen, 10 Sommer⸗ weizen, 4 Winterſpelz, 2 Sommerſpelz, 2 Winteremmer, 2 Sommeremmer, 1 Einkorn, 4 Wintergerſte, 12 Sommergerſte, 6 Hafer, 6 Mais, 2 Zuckerhirſe, 3 Buchweizen, 3 Lupinen, 2 Linſen, 5 Wicken, 4 Erbſen, 3 Bohnen, 2 Pferdebohnen, 2 Lein, 2 Hanf, 1 Winterraps, 1 Rübſen, 1 Senf, 2 Sonnenblumen, 2 Mohn, 1 Madia, 14 Kleearten, 14 Grasarten, 1 Seradella, 4 Möhren, 2 Kohlrüben, 2 Kuhkohl, 2 Kopfkohl, 4 Waſſerrüben, 12 Futterrunkeln, 4 Zuckerrüben, 1 Cichorie, 20 Kartoffel⸗ ſorten und 1 Sorte Topinambur.

In der vorderen linken Ecke des Verſuchsfeldes wurden 50 verſchiedene Arten Gewürzpflanzen und Küchenkräuter angeſäet, die beſonders zu botaniſchen Unterrichtszwecken dienen. In der rechten vorderen Ecke iſt eine kleine Baumſchule ange⸗ legt, die in dieſem Jahre abgeräumt und neu eingerichtet wird.

Das Umgraben des Bodens wird von einem Tagelöhner, die anderen Arbeiten werden von den Schülern beſorgt unter Anleitung des Landwirtſchaftslehrers.