Aufsatz 
Aus den Lebenserinnerungen des Königlich Hannoverschen Generalschuldirektors Friedrich Kohlrausch (1780-1867). Ein Beitrag zur Geschichte des rheinhessischen Schulwesens
Entstehung
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wurde durch Gründung von zwei Anſtalten, zu Coesfeld und Recklinghauſen, vermehrt. Durch ſeinen unmittelbaren perſönlichen Einfluß hat er viel Gutes gewirkt.

Aus dieſem Wirkungskreis ſollte K. nunmehr bald abgerufen werden. Im Königreich Hannover war der Gedanke zur Geltung gekommen, für die Verwaltung des höheren Schul- weſens eine eigene Behörde, ein Oberſchulkollegium, zu errichten. Auf Veranlaſſung ſeines Freundes, des Konrektors und Profeſſors Abeken am Ratsgymnaſium zu Osnabrück, wurde Kohlrauſch von der Königl. Regierung zu Hannover angegangen, ein Gutachten über die in Hannover zu treffenden Einrichtungen für das höhere Schulweſen abzugeben. Seine Anſichten fanden den Beifall des Miniſteriums, und man wünſchte, daß K., ein Landeskind, das ſeit 16 Jahren am Rhein und in Weſtfalen manichfache Erfahrungen geſammelt hatte, dieſe in ſeinem Vaterlande nutzbar machen möchte. Und ſo wurde K. der Vorſitz des neu zu errichtenden Ober- Schulkollegiums angetragen, mit dem Titel eines Generalinſpektors der gelehrten Schulen des Königreichs. Die Dankbarkeit und Anhänglichkeit an Preußen, ſein ihm liebgewordenes Ver- hältnis zum Oberpräſidenten von Vincke, zu ſeinen nächſten Kollegen, ſeinen Freunden in Münſter, den weſtfäliſchen Schulen und den vielen ihm befreundeten Lehrern machten ihm den Kampf nicht leicht. Aber alle dieſe Empfindungen kämpften in ihm mit der Liebe zu ſeinem hannoverſchen Vaterlande und der Ausſicht, dort etwas Gutes zu ſtiften. K. ſtand in ſeinem 49. Lebensjahre und fühlte Luft und Kraft in ſich, in der Organiſationsarbeit, die er in Weſtfalen erfolgreich durchgeführt hatte, noch einmal von vorn anzufangen. Auch gefiel ihm die Stellung an der Spitze eines zwar dem Miniſterium untergeordneten, aber doch mit vielen ſelbſtändigen Befugniſſen ausgeſtatteten Kollegiums. Es war zwar nicht unwahrſcheinlich, daß K. als Referent in das Miniſterium nach Berlin berufen werden konnte— eine Andeutung war ihm ſchon bei ſeinem Aufenthalt in Berlin gemacht worden—, aber eine ſolche Stellung zog ihn nicht an. Da ſeine Neigung zur Annahme der Stellung in Hannover entſchieden war, ſo knüpfte er auch keine Verhandlungen darüber an, ob und was man ihm für das Bleiben im preußiſchen Dienſte etwa anbieten mõchte. Er erbat im November 1820 ſeine Entlaſſung aus dem preußiſchen Staatsdienſt und erhielt ſie für das Frühjahr 1830, wenn ein Nachfolger für ihn gefunden ſein würde. In der Zwiſchenzeit aber ſollte er auf eine harte Probe geſtellt werden. Zu den vielen Berufs- arbeiten, die er noch gerne erledigen wollte, kam die Bearbeitung von neuen Auflagen ſeiner Bücher, denen er nur die Nacht widmen konnte. Infolge Ueberanſtrengung entwickelte ſich im Februar bei ihm ein ſehr hartnäckiges Unterleibsleiden, das trotz aller Anſtrengungen nicht weichen wollte, ſo daß er ſich für einige Zeit beurlauben laſſen mußte. Aber dadurch wurde die Sache nicht beſſer. Sich ſelbſt überlaſſen, quälten ihn die Gedanken über ſeine Unfähigkeit nur noch heftiger und vermehrten das körperliche Uebelbefinden. In ſeiner verzweifelten Ge- mütsverfaſſung ſchreibt er:„Wenn ich des Nachts, nach kurzem Schlafe, erwachte, und mein Puls fieberhaft ſchlug, ſo trat die Sorge vor mich hin und ſetzte den eben unterbrochenen ängſtlichen Traum fort.„Der König von Preußen hat mich ſeines Dienſtes entlaſſen, der von Hannover mir noch keine Beſtellung erteilt, wenigſtens hatte ich meinen hannoverſchen Dienſt noch nicht angetreten; ich ſaß alſo, wie man zu ſagen pflegt, zwiſchen zwei Stühlen, und wenn ich nicht wieder arbeitsfähig wurde, ſo wollte mich weder Preußen noch Hannover haben; ich konnte mit meinen Kindern betteln gehen.— Wenn der eine oder andere meiner Leſer ähnliche Zu- ſtände kennt, ſo wird er mich bedauern; und wenn er gar noch von ihnen gequält wird, ſo er- fahre er, daß jene Schilderung gerade für ihn geſchrieben iſt, damit er Mut faſſe und den krank- haften Zuſtand für einen vorübergehenden halte, denn er iſt bei mir vorübergegangen und in den 32 Jahren nachher ſo nicht wiedergekehrt.“ Erſt im Juni konnte er, obwohl man ihn in Hannover ſchon ſeit Oſtern erwartete, es wagen, die Reiſe nach Hannover in der Kutſche anzu- treten, und das Ober-Schulkollegium ins Leben treten laſſen. Seine ſchwankende Geſundheit erforderte aber noch eine Erholung während der Sommermonate, für die er sich ſofort einen Urlaub ausgebeten hatte, den er zu Wiesbaden und Godesberg verbrachte.

Bevor er aus MNünſter ſchied, wurde ihm eine große Freude zu teil. Die Lehrer der Provinz Weſtfalen hatten ſich vereinigt, um ihm zum Abſchied einen wertvollen ſilbernen Becher mit einer Inſchrift und einem lateiniſchen Gedichte zu überreichen.

Am Tage ſeiner Einführung und Beeidigung in Hannover(4. Juni 1830) gab der Miniſter v. Strahlenheim ein Eſſen, bei welchem K. ſeinen Platz neben einem älteren Miniſterialrat erhielt. Dieſer flüſterte ihm treuherzig ein Wort ins Ohr, das er im preußiſchen Dienſte nie gehôrt hatte:„Nun, Herr Oberſchulrat, Sie ſind hier neu; ſoll ich Ihnen einen guten Rat geben, ſo arbeiten Sie ſich nicht zu Tode; man weiß Ihnen doch keinen Dank.“ Das Wort