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Eine intereſſante Darſtellung gibt K. von ſeinem Verkehr mit dem berühmten Anführer des Freikorps, dem General von Lützow, der damals in Münſter als Brigadekomman- deur lebte. Aus ſeinem Munde hatte er viele Schilderungen aus der Kriegszeit, namentlich über deſſen Gefangennahme und Begegnung mit Napoleon. Das Verhältnis zwiſchen dem bekannten Dramatiker und Romandichter Karl L. Immermann(1796— 1840) und der geiſt- reichen Frau von Lützow, geb. Gräfin von Ahlefeld hat K. während ſeines Aufenthalts in Münſter ſich entwickeln ſehen, und da er mit allen beteiligten Perfſonen in engem Verkehr geſtanden, iſt er in der Lage, manches falſche Urteil zu berichtigen. Namentlich fühlt er ſich gedrungen, vor der einſeitigen Darſtellung des mit großer Begeiſterung für die ſchönen Eigenſchaften der ungewöhnlichen Frau geſchriebenen Buches von Ludmilla Aſſing„Gräfin Eliſa von Ahlefeldt, Berlin 1857“ zu warnen, das alle Schuld der Trennung beider Gatten auf Lützow wirft.
Neben Krankheitsfällen in der Familie bereitete K. ein Vorkommnis ſchwere Sorge und Kränkung. Im Jahre 1824 erſchien eine Miniſterialverfügung von Berlin an die Schulbehörden der Monarchie, durch welche der Gebrauch ſeiner„Deutſchen Geſchichte“ im Schulunterricht verboten wurde. Der reaktionäre Geheime Staatsrat von Kamptz, der neben ſeinen anderen Dienſtobliegenheiten auch der Unterrichtsabteilung im Miniſterium vorſtand, hatte an einzelnen Stellen der 2. Auflage(1818) des Buches, beſonders wo des Wartburgfeſtes(1817) Er- wähnung geſchah, Anſtoß genommen. Auch nach Münſter kam natürlich dieſe Verfügung an den Oberpräſidenten von Vinckhe, mit dem Auftrage, ſie auf eine für K. môglichſt ſchonende Weiſe zur Ausführung zu bringen. Wie dieſes geſchehen mochte, war jedoch ſchwer abzuſehen. Denn wenn das Buch des erſten Aufſichtsbeamten für die Schulen der Provinz wegen gefährlicher politiſcher Anſichten für den Unterricht verboten wurde, ſo wurden damit auch die politiſchen Grundſätze dieſes Mannes ſelbſt als gefährlich verurteilt, und das Verbleiben in ſeinem einflußreichen Amt in Frage geſtellt. Aber ſchon nach ein paar Monaten, nachdem ſich K. in der noch in demſelben Jahre erſchienenen 4. Auflage des Buches zu einigen kleinen Aender- ungen entſchloſſen hatte, wurde das Verbot durch ein Rundſchreiben wieder aufgehoben.
Im Sommer des Jahres 1827 unternahm K., veranlaßt durch das Miniſterium, eine Reiſe nach Magdeburg, Berlin und Schulpforta, um auch gréßere preußiſche Gymnaſien kennen zu lernen und durch einen Vergleich mit den weſtfäliſchen ſeinen pädagogiſchen Geſichtskreis zu erweitern. Bei dieſer Gelegenheit lernte er den bedeutendſten Berliner Künſtler, den Bild- hauer Rauch, kennen, der für den König Friedrich Wilhelm lIl. von Preußen und Ludwig l. von Bayern die erhabenen Bildwerke lieferte. Ebenſo erhielt er die erwünſchte Gelegenheit, den Philoſophen Schleiermacher perſönlich kennen zu lernen, der einen bedeutenden Einfluß auf ſeine philoſophiſche Bildung gehabt hatte. Auch mit dem Philoſophen Auguſt Wilhelm Schlegel, der aus Rom gerade in Berlin anweſend war, traf er bei einem Eſſen zuſammen, das der Geheime Rat Hufeland den Mitgliedern des Miniſteriums gab und wozu er auch ſeinen alten Hausfreund K. eingeladen hatte.„Die zahlreiche Geſellſchaft, nach unſerer Sitte ganz ſchwarz gekleidet, war ſchon verſammelt, als ein neuer Gaſt wie ein Schmetter- ling, von Kopf bis zu den Füßen in gelben Nanquin gekleidet, hereintrat und mit einer gewiſſen Aufmerkſamkeit behandelt wurde. Ich fragte meinen Nachbar Schulze, ¹) wer der Fremde ſei; er ſah mich mit Verwunderung an und erwiederte:„Kennen Sie denn Auguſt Wilhelm Schlegel nicht?“ Voll Erſtaunen ſah ich näher zu und erkannte, allerdings mit Mühe, etwas von den Zügen wieder, die ich in den Jahren 1803 und 1804 ſo oft in demſelben Hufelandſchen Hauſe und in den Vorleſungen der Litteratur geſehen hatte. Aber damals war dieſe Figur in Grau gekleidet, und auch das Geſicht war grau, das Haar ziemlich vernachläſſigt, und jetzt konnte man ſich des Argwohnes nicht erwehren, daß das Geſicht geſchminkt ſei, und das Haar der künſtlich friſierten Perücke wurde ganz ungeniert mit einem Kamme, der zugleich einen Spiegel enthielt, zurückgekämmt.“ Er gibt dann noch eine ſchnurrige Streitfrage zum Beſten, die Schlegel mit einem Gaſte, dem Archäologen Hirt, hatte. Unter den Gäſten war auch der oben erwähnte Geheime Rat von Kamptz. Er ließ ſich nach Tiſch mit K. bekannt machen und gab ihm in freundlicher Weiſe für das Verfahren von 1824 Genugtuung.
Zwölf Jahre, von September 1818 bis Juni 1830, iſt K. in ſeiner Stellung als Preußiſcher Provinzialſchulrat in Münſter geblieben und hat durch ſeine Inſpektionsreiſen die genaueſte Be- kanntſchaft mit den verſchiedenen Schulen und Lehrern gemacht. Auch die Zahl der Gymnaſien
3 ¹) Johannes Schulze, Geh. Oberregierungsrat im Unterrichtsminiſterium in Berlin.


