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Gruner:“) in Düſſeldorf, der nach der Vertreibung der Franzoſen im Namen der Verbündeten die Verwaltung des Bergiſchen Landes bis zur Uebergabe an die Krone Preußens übernahm, hatte einen proviſoriſchen Schulrat errichtet, der eine Schulordnung für das Volksſchulweſen im Großherzogtum Berg entwerfen ſollte. In dieſen Schulrat wurde K. neben dem Direktor Kortüm und dem katholiſchen Schulrat Kononikus Bracht berufen, eine Stellung, die für ſein ſpäteres Leben von großer Bedeutung wurde.
Seine Wirkſamkeit in Düſſeldorf ſollte aber nicht mehr lange dauern. Auf Empfehlung des Oberpräſidenten der Provinz Weſtfalen, von Vincke, wurde K. nach Münſter als Schulrat an die Spitze der weſtfäliſchen höheren Schulen berufen und ſchied aus dem ihm teuer gewordenen Düſſeldorf im September 1818. Das ihm aufgetragene Werk war ſchwierig. Es galt, eine nicht geringe Anzahl von höheren Schulen beider Konfeſſionen, Gymnaſien und Progymnaſien, mit großer Verſchiedenartigkeit der Einrichtungen, Ziele und Leiſtungen im Geiſte der neuen preußiſchen Schulordnung zu organiſieren. Zwar machte ihn das katholiſche Münſter und die katholiſchen Gymnaſien Weſtfalens bedenklich, und er geſteht, daß er nicht ohne gewiſſe Befangenheit in das Schulkollegium dieſer Provinz eingetreten ſei. Aber der Gedanke, daß er an dem trefflichen Oberpräſidenten, deſſen Vertrauen er in hohem Maße beſaß, eine kräftige Stütze finden werde, gab ihm Mut. Es dauerte nicht lange, ſo genoß K. bei dem Lehrerſtande ein ſeltenes Vertrauen. Sein Wohlwollen gegen die Perſonen, ſein duldſamer, vom Eifern entfernter Sinn, ſeine ganze Perſönlichkeit hatte die fierzen gewonnen. Ein Umſtand hatte ihm beſonders den Weg zu einem guten Verhältnis bei dem katholiſchen Volke des Münſterlandes bahnen helfen:„Der Graf Friedrich Leopold Stolberg, der im ganzen Münſterlande eine große Achtung genoß, hatte ſich ſehr vorteilhaft über den humanen und unparteiiſchen Geiſt meiner„Deutſchen Geſchichte“ geäußert, und dieſes Urteil hatte ſich, als man meiner Ankunft in Münſter entgegenſah, allgemein verbreitet; man war nun froh, keinen proteſtantiſchen Eiferer und Neuerer erwarten zu müſſen. Es war natürlich, daß ich die konfeſſionellen Verhältniſſe in meiner„Deutſchen Geſchichte“ vorſichtig behandelte; ich war, da ich ſie verfaßte, Lehrer an einem gemiſchten Gymnaſium, und der grõßte Teil meiner Schüler beſtand aus Katholiken. Bald erkannten nun auch die Lehrer an den katholiſchen Anſtalten Weſtfalens, daß ich mich ihrer Schulen und der Förderung ihrer eigenen Angelegenheiten ebenſo tätig annahm, als der der proteſtantiſchen Anſtalten und Lehrer, und daß ich jeden treuen Arbeiter, ſei er Katholik oder Proteſtant, Geiſtlicher oder Nichtgeiſtlicher, an ſeiner Stelle gleichwert hielt, und ſo erzeugte ſich nach nicht langer Zeit ein in der Tat zutrauliches und erfreuliches Verhältnis zwiſchen mir und den Münſterſchen Lehrern, von denen ich einige, mir an Alter ziemlich gleichſtehende, Freunde nennen durfte.“
Mit beſonderer Verehrung ſpricht er von ſeinem Kollegen in der Regierung für das katholiſche Volksſchulweſen, dem Domherrn und Regens Melchers:„Das Andenken an dieſen wackeren Mann, mit welchem ich in der ganzen Zeit meines Lebens in Münſter befreundet geweſen bin, fordert mit Recht, daß ich ihn ebenfalls an dieſer Stelle als einen der vielen achtungswerten katholiſchen Geiſtlichen, die ich kennen gelernt habe, namhaft mache. Er war ein gerader, verſtändiger Mann, der das Gute mit Ernſt förderte und, ohne konfeſſionelles Vorurteil, den Menſchen als ſolchen achtete, wenn er Achtung verdiente. lch habe mich immer ſehr gut mit ihm verſtändigen können.— Wenn ich an dieſen und ſo viele andere Ehrenmänner unter den Katholiken zurückdenke, mit welchen ich in Weſtfalen in freundſchaftlichem Verhältnis gelebt habe, ſo wird mir das Herz warm, und ich preiſe mich glücklich, daß ich noch die Zeit in Münſter erlebt habe, wo der Unterſchied der Konfeſſionen noch nicht die traurige Schärfe erhalten hatte, die nachher, wenigſtens zeitweiſe, ſtattgefunden hat. Ich kam den Männern, mit welchen ich zu tun hatte, mit Vertrauen entgegen, hielt mich an die Sache, ſprach offen meine Anſichten und Abſichten aus und fand eine ebenſo offene Erwiederung.“
Außer ſeiner Tätigkeit als Provinzialſchulrat in Münſter war K. noch durch verſchiedene Prüfungskommiſſionen in Anſpruch genommen. Er war Mitglied der Prüfungskommiſſion für die Kandidaten der Theologie, Vorſitzender in der für das höhere Schulfach, ebenſo in der Maturitätsprüfung und gehörte ſogar der Prüfungskommiſſion für juriſtiſche Kandidaten an, ſodaß er in nicht weniger als vier Prüfungsbehörden aktives Mitglied war. Gern geſteht er, daß ihm, wenn er bei einem Kandidaten das Prüfungsfieber wahrnahm, unwillkürlich in den Sinn ge- kommen ſei, wie gut er bei ſeinem einzigen Prävium in Hannover gefahren ſei.
2) J. v. Gruner hnatte im J. 1814 ſeinen Sitz in Mainz und wohnte im ehemaligen Baſſenheimer Hof. S. Bockenheimer, Geſchichte der Stadt Mainz in den Jahren 1813 und 1814. Mainz 1886. S. 153.


