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Phantasie des Horaz die alte Märchen- und Götterwelt wieder lebendig geworden ist, aber mit, starker Betonung des ihr von jeher innewohnenden monotheistischen Zuges; cf. Od. III, 1, 6 imperium est Jovis, und J, 12, 17:
unde(ex Jove) nil maius generatur ipso
nec viget quicquam simile aut secundum.
Man mache den Schülern klar, daß also Horaz an einen Gott, an eine Gottheit glaubt, daß daher die übrigen Gottheiten, die er nennt, nur dichterische Personifikationen des Wirkens und der Thätigkeit dieser einen Gottheit auf verschiedenen Gebieten, gewissermaßen die aus- führenden Organe des höchsten Willens sind(wie z. B. in I, 34 die Fortuna erscheint); Hora⸗ glaubt fromm mit aufrichtigem Herzen an Gott und seine Allmacht, aber er hat diesen frommen Glauben der Kindheit, den er in thörichtem Unverstande als Jüngling«unweiser Weis- heit folgend' von sich geworfen(Od. cf. I, 34) ¹), erst in den reiferen Jahren seines Lebens wiedergewonnen, nachdem er seine Erfahrungen gemacht.(Wer nie sein Brot mit Thränen aß etc.) Wie der Lehrer, der die Herzen der heranwachsenden Jünglinge kennt, gerade diesen Stoh mit voller Energie behandeln muß, brauche ich wohl nicht auszuführen. Mit welch herrlichen Worten Ioraz dem Glauben an Gottes Allmacht Ausdruck verleiht, dessen Hand sich in der Natur und in der Geschichte der Völker zeigt, dafür sprechen die Verse von I, 34:
Valet ima summis mutare et insignem attenuat deus
ses sind ja Gott geringe Sachen und seiner Allmacht gilt es gleich, den Reichen klein und arm zu machen, den Armen aber groß und reich» etc. Gôtt der Allmächtige ist nun, so führt Horaz aus, huldreich gesinnt nur denen, die frommen und reinen Herzens sind(cf. integer vitae scelerisque purus), sie stehen unter seinem Schutze als Hüter der Frömmigkeit und der Moral(I, 12 am Ende), er gönnt ihnen frohes Genießen, während er die Sünder mit seinem gewaltigen Arme züchtigt. Von der allergrößten Bedeutung aber ist die Hinweisung auf den Gedanken, den die 6. Römerode ausführt, daß ein Reich, ein Staat ohne Gottesfurcht und ohne Gottesverehrung dem Untergang sicher geweiht ist. Die Vorahnung einer geistigeren Frömmigkeit spricht aus dem Liedchen III, 13(caelo supinas si tuleris manus), das den Gedanken ausführt, daß auch die kleine Gabe des Armen der Gottheit angenehm ist(Weißenfels).
Wenn man in dieser und ähnlicher Weise die Lektüre der Horazischen Oden in der Schule betreibt, wo die wviva vor des Lehrers noch mächtiger wirkt als das geschriebene Wort,
J“) Der Donnerschlag in dieser Ode wird fälschlich allegorisch(cf. Rosenbergs Ausgabe der Horazischen Oden), am wunderlichston von Kern(Progr. des Gymnasiums in Ulm 1877/78) erklärt. Ich fasse die Stelle ganz wörtlich. Der Donner aus heiterem Himmel ist das donnerähnliche oder vielmehr dem Donner ganz gleiche Getöse, wie es bei einem Erdbeben entsteht(wie könnten die Worte quo bruta tellus et raga flumina etc. concutitur eine bessere Erklärung finden?), einem Erdbeben, das infolge der vulkanischen Bewegungen des Vesuv in Italien nicht allzuselten vorkam und vorkommt. Dieses Donnergetöse aber bei heiterem Himmel widerstritt der vulgären, rationalistischen(epikuräischen) Doktrin, die lehrte, bei einem Gewitter blitzt und donnert nicht Zeus, sondern die schwarze Wetterwolke am Hlimmel ist die Ursache dieser Er- scheinungen. Wo war aber diese schwarze Wolke, als an einem schönen Tage bei heiterem Sonnenschein ein gewaltiges Donnergetöse die Erde erschütterte, wo ist sie, fragte sich IIoraz(egit in V. 8 ist im Sinne des gnomischen Aorist zu fassen), wenn er diese Erscheinung öfters erlehte? Durch dieses gewaltige Natur- wunder bewegt sieht unser Dichter(denn lange Zeit«insanientis sapientiae consultus» hatte er den Glauben an Gott verloren und bewunderte die oben erwähnte rationalistische Doktrin), reuig zum Glauben zurück- kehrend, ein, daß Gottes Hland in den Erscheinungen der Natur mächtig ist, wie sie auch in der Geschichte der einzelnen Menschen und der ganzen Völker sichtbar hervortritt.


