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Formen der Sätze sollen eine feierliche Stimmung ausdrücken. Die Begcisterung schafft sich eine neue Sprache; ungemeine Gedankeen und ungemeine Gefühle können nicht in alltéglichen, ver- brauchten Ausdrüchen in die Erscheinung treten; darum fordert besonders die Ode Neuheit des Ausdruckes; und sie gewinnt diese durch die Auswahl nicht gemeiner Wörter, durch die Bildung neuer Zusammensetzungen und durch den Gebrauch syntaktischer Formen, die jetzt veraltet sind. Eine große Wirkung thun besonders Bilder, die neu und überraschend sind. Die Aufregung des Gefühls thut sich in der sinnlichen Anschaulichkeit der Darstellung, in einem Reichtume von Figuren und hervorhebenden Gegensätzen, und ein höherer Aufschwung der Phantasie in dem Gebrauche kühner Bilder kund. Auch drückt sich ein rascher Wechsel der Gefühle in einem mannigfaltigen Wechsel der Fersmaße aus. Die Sprache der Begeisterung liebt endlich Kürze des Ausdrucks: drum bewegt sich die Ode in abgeschnittenen¹) Hauptsätzen und einfachen Satzverhältnissen und belebt die Darstellung mehr durch Bilder als durch Gleichnisse. Das Lied. Das Lied ist von der Ode nur darin verschieden, daß es leichtere Beicegungen des Ge-
fühls ausdrückt, welche minder erhabene Dinge zum Gegenstande haben. Die Schönheiten der
Natur, Liebe und Freundschaft, patriotische Gefühle, die Freuden des geselligen Lebens überhaupt und die Freuden besonderer Genossenschaften werden in dem Liede besungen und wenn es einen mehr erhabenen Inhalt und einen höheren Aufschwung der Begeisterung hat, ist es von
der Ode kaum zu unterscheiden. Die Form der Darstellung muß durchaus lyrisch— Ausdruck des Gefühls— sein; und auf das Lied ist alles das anzuwenden, was oben von der lyrischen
Darstellung im allgemeinen gesagt worden. Die Form der Darstellung muß jedoch dem Inhalte angemessen sein. Lieder, welche eine erhabene Idee und einen höheren Aufschwung der Be- geisterung zum Inhalte haben, fordern auch, wie die Ode, eine feierliche Würde der Darstellung; dagegen drückt in Liedern, welche sanftere Empfindungen, etwa Freundschaft und Liebe, oder die Freuden des geselligen Lebens zum Gegenstande haben, die ganze Art der Darstellung eine Stimmung des Gemütes aus, die je nach dem besonderen Inhalte mehr oder weniger ernst, heiter oder fröhlich ist. Es giebt Liedern, welche für besondere Genossenschaften, z. B. für Seeleute, Jäger oder Bergleute, bestimmt sind, oft einen besonderen Reiz, wenn in die Lieder Ausdrücke, welche der Sprache solcher Genossenschaften eigentümlich sind, oder Bilder auf- genommen werden, welche aus dem Leben derselben hergenommen sind.»
Wie schon in der eben citierten Erklärung angedeutet, ist die Ausdrucksweise eines Dichters, speciell des Lyrikers, eine ganz eigentümliche und charakteristische. Und es kommt darauf an, daß man nun dem Schüler zeigt, worin diese Eigentümlichkeit besteht, wie die geistige Thätigkeit des Dichters, sein Denken nichts anderes als ein Schauen in Bildern ist, wie es den echten Dichter immer zur Bildlichkeit drängt, wie selbst die abstraktesten Begriffe von der dichterischen Phantasie in anschauliche Bilder verwandelt werden(Psychologie der Lyrik von Dr. K. du Prel, Leipzig 1880). Mit Recht sagt du Prel:«Aus dem Dichter wird ein Philosoph, wenn er das, was er spricht, nicht mehr zu schauen vermag, sondern nur denken kann; Gedanken in einem lyrischen Gedichte machen den Eindruck, wie auf alten Gemälden jene von dem Munde der Figuren ausgehenden Bänder, auf welche die Worte geschrieben sind, die man den Figuren in
den Mund legt». Man muß nun den Schüler anweisen, diese plastischen Bilder, zu denen sich-
¹) Man gestatte mir den Zusatz: also stehen häufig die Sätze unvermittelt ohne die der Prosa ge- läufigen Übergangsformen und verbindenden Partikeln nebeneinander, und unsere Aufgabe ist es, den Gedankenzusammenhang, der in der Seele des von tcechselnden Empfindungen bewegten Dichters vorhanden war, zu suchen, nicht aber zu konjizieren oder gar zu streichen oder Gedichte zu trennen, wenn die haus- backene Logik den Gedankenconnex nicht finden kann.
Das Sprechen in Bildern.


