Horaz ist in
ästhetischer,
polt er, religiöser(mo- ralischer) Be- zichung nutz- bar zu machen.
wenn man Übersctzungen, wie sie Geibel oder Stadelmann oder Günther u. a. gefertigt, vorliest. Ebenso wird es von großem Werte sein, wenn man zur Vergleichung einige den Horazischen Oden inhaltlich entsprechende oder nahestehende deutsche lyrische Gedichte heranzieht. Ich habe davon immer viel Nutzen gehabt, wenn die Khnlichkeiten,(dleichheiten und Verschiedenheiten der modernen und antiken Dichtung durch diese Zusammenstellung so recht scharf hervortraten. Z. B. empfichlt es sich entschieden bei der Lektüre der Frühlingsoden Uhland'sche, Lenau'sche, Bodenstedt sche Frühlingslieder zu vergleichen, um recht deutlich erkennen zu lassen, worin die Naturempfindung des Römers und des modernen Deutschen sich unterscheidet. Wie interessant ist es, mit den Weinoden des Horaz die Bodenstedtschen Weinlieder, von denen ich schon vorher gesprochen, zusammenzustellen. Ferner gewinnt das bekannte integer vitae scelerisque purus eine ganz eigentümliche Beleuchtung, wenn man das Uhland'sche«Im Walde geh' ich wohlgemut, mir graut vor Räubern nicht» danebenstellt. Nicht ohne Nutzen wird man auch zu der Ode quid dedicatum poscit A pollinemy in ge-
wissem Sinne Schillers«Die Teilung der Erde» in Parallele stellen.
Ganz spät, nachdem die Teilung längst geschehen,
Naht der Poet, er kam aus weiter Fern»?; etc. Hier wie dort begnügt sich der Dichter mit seinem dichterischen Können, das ihn der Gottheit, nahe bringt. Diese Beispiele könnte ich noch vermehren, doch das Gesagte genügt, zumal ich hier auf Rosenberg und Gebhardi verweisen kann.
Bevor ich zum Schlusse komme, möchte ich noch einmal hervorheben, in welcher Be- ziehung, abgesehen von der Wort- und Sacherklärung, der Zusammenfassung und Wiedergabe des Inhalts und Entwicklung des Gedankenzusammenhangs, in welcher Beziehung vorzugs- weise die Lektüre der Oden für den Schüler nutzbar gemacht werden kann und soll. Es muß geschehen in dreifacher, in ästhetischer, in politischer, in religiöser(moralischer) Beziehung. Was die ästhetische Nutzbarmachung anlangt, so ist in der vorstehenden Abhandlung schon manche Andeutung darüber gegeben, besonders aber möchte ich noch darauf hinweisen, daß es gut ist, den Schüler den Unterschied zwischen einer Ode und einem Liede erkennen zu lehren, indem man z. B. I, 12(quem virum aut heroa lfra velacri) oder III, 3(Justum et tenacem) zusammen- stellt mit III, 13(O fons Bandusiae) oder I, 22(¶Integer vitae). Hier kann ich mir nicht ver- sagen, die geistvolle Erklärung beizufügen, die K. F. Becker in seinem Buche Der deutsche Stil»(erste Auflage) Frankfurt 1848, Seite 578 und 579 giebt. Die Worte lauten: Die Ode. Unter der Ode begreift man diejenigen lyrischen Gedichte, in denen sich das durch die Betrachtung eines Idealen zur Begeisterung gesteigerte Gefühl ausspricht; ihr gehört insbesondere die Begeisterung an, welche die erhabenen Ideen aus dem Gebiete der moralischen und religiösen Weltanschauung und auferordentliche, in Bezichung auf die höheren Interessen, der Menschheit folgenreiche Thaten und Begebenheiten in dem Gemüte hervorrufen. Es ist besonders die Erhabenheit des Inhalts und der höhere Aufschwung, der von der Begeisterung fortgerissenen Phantasie, was die Ode von anderen lyrischen Dichtungen unterscheidet, und auch der Darstellung eine eigentümliche Färbung giebt. Die Erhabenheit des Inhalts ergreift das Gemüt des Dichters und versetzt ihn in eine feierlich ernste Stimmung, die in einer feierlichen Würde der Darstellung in die Erscheinung tritt und sich auch dem Gemüte des Lesers mitteilt. In der Ode sollen darum Wörter und Ausdrucksformen und besonders die Bilder edel sein, und auch die rhythmischen


