Aufsatz 
Die Horazischen Oden in der Schule / von Friedrich Curschmann
Entstehung
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Behandlung des Horaz in der Schule bei der ersten Lektüre.

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Wie kann man diese Stellen und ihre Bedeutung auch nur annähernd verstehen, wenn man nicht Kenntnis und zwar keine oberflächliche, sondern ganz genaue Kenntnis von dem Vorgang eines römischen Leichenbegängnisses hat? Hat man aber diese Kenntnis, so weiß man auch von der Verwendung der imagines oder cerae bei diesem feierlichen Akte, und nun wird einem die Bedeutung des ius imaginum klar, und Stellen werden verständlich wie Hor. sat. I, 6, 17«qui stupet imaginibus». Man kommt dadurch auf die äußeren Unterschiede oder Auszeichnungen der oberen Gesellschaftsklassen in Rom, des ordo equester und ordo sena- torius, es treten Stellen hinzu wie sat. I, 5, 36 praetextam et latum clavum, und sat. I, 6, 25 sumere depositum calvum; ferner sat. I, 6, 40 at Novius collega gradu post me sedet uno. Durch diese Stellen, die ebenfalls wieder eine ausführliche Erklärung fordern und eng wie die Glieder einer Kette mit den vorausgehenden zusammenhängen, entsteht ein Bild der Gesell- schaftsklassen in Rom und ihrer Bedeutung überhaupt. Wenn ich dazu nun alle einschlagenden Stellen des Tacitus und Cicero nehme, die ich mit dem Schüler lese, so muß ich auf diese und ähnliche Dinge eingehen, oder das römische Leben bleibt dem Schüler ein Buch mit sieben Siegeln, der Zweck des Unterrichts ist verfehlt.

Zum Schlusse will ich, weil ja auch die historische Erklärung von Weißenfels angefeindet wird, eine ganz flüchtig hingeworfene Zusammenstellung der Oden geben, die ohne jeden Zweifel ein Eingehen in die Zeitgeschichte, in die social-politischen Verhältnisse der Augu- steischen Zeit verlangen. I, 1, 2, 3, 6, 9, 11, 12, 14, 20, 21, 24, 26, 29, 31, 34, 35, 37. II, 1, 2, 6, 7, 8, 11, 12, 13, 15, 16, 18. III, 1, 2, 3, 4, 5, 6, 8, 14, 21, 23, 24, 29, 30. IV, 2, 4, 5, 14, 15.

Selbstverständlich soll der Lehrer bei der Lektüre, wenn er auch die historisch-reale Er- klärung betont, keine Kompendien der Geschichte und Antiquitäten lehren, sondern mit Dis- kretion das zum Verständnis Nötige heranzicehen und das durch die Lektüre Gebotene aus- nützen und gelegentlich das Gewonnene zusammenfassen. Denn es soll und muß flott gelesen werden. Z. B. verlange ich als poetische Lektüre der I. b wenigstens 55 Oden des Horaz und einige Epoden. Das von mir gewünſchte Ziel kann aber mit Leichtigkeit auch bei raschem Fortschreiten der Lektüre(die sogenannte statarische Lektüre und das Unterscheiden zwischen ihr und der kursorischen halte ich für ein pädagogisches Unding) durch die von mir oben berührte Art der Konzentration des lateinischen Unterrichts, speciell der lateinischen Lektüre erreicht werden.

Es pleibt mir noch übrig, in großen Umrissen zu skizzieren, wie ich mir die Behandlung der Horazischen Gedichte in der Schule bei der ersten Lektüre denke. Zunächst dürfen die einleitenden Bemerkungen über das Leben und die Dichtungsweise des Horaz nur kurz sein, damit man nicht der Selbstthätigkeit des Schülers vorgreift, denn die Lektüre liefert in dieser Hinsicht Material genug, das bei passender Gelegenheit und am passenden Orte von den Schülern unter Anleitung des Lehrers mit Leichtigkeit zu einem Gesamtbilde vereinigt werden kann. Überhaupt allzuviel Litteraturgeschichte mit der üblichen Kritik, die nur der Mund des Lehrers vermittelt, ist nicht sehr heilsam, die Schüler werden dadurch an dreistes Urteilen gewöhnt, das doch der Selbständigkeit entbehrt.— Einige Geschicklichkeit erfordert die Einführung in die Horazischen Metra, doch ist der Weg hierzu durch die vortrefflichen Arbeiten von Köpke und Schiller geebnet. Selbstverständlich soll den Schülern kein System der Metrik vorgetragen werden, aber für zweckmäßig halte ich es, bevor man zur Lektüre der Oden schreitet, in der Weise etwa, wie Köpke es empfiehlt, in knappen Worten einige Vorbemerkungen über die metrischen Elemente zu geben, auf denen die Zergliederung der Strophen beruht. Dadurch gewinnt man den Vorteil, daß der Schüler bei der Erklärung der einzelnen Versmaße selbst