Aufsatz 
Vitam M. Rhabani Mauri, primi Germaniae praeceptoris, festo ejus saeculari decimo ad imitandum juventuti exposuit
Entstehung
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Einen der hoffnungsvollſten und beſten unter dieſen Schülern rief der Tod ab aus den Armen ſeiner tiefbe⸗ trübten Eltern, in deren Liebe und Pflege er während der Oſterferien die Geneſung gehofft und geſucht hatte. Der Quartaner Adolph Buſch erlag nach längerem Krankſein einem Herzleiden am 9. April 1855 zu Limburg im elterlichen Hauſe, und wurde den 11. d. Mts. zur Erde beſtattet Die äußere Theilnahme von Seiten ſeiner Lehrer und Mitſchüler konnte der Ferien wegen nur gering ſein, deſto inniger und berzlicher war die Theilnahme des Herzens an dem Verluſte des braven Schülers, wie an dem gerechten Schmerze ſeiner Eltern, denen damit eine ihrer ſchönſten Lebenshoffnungen mit zu Grabe ſank. Ein zweites jugendliches Opfer aus unſerem Kreiſe raffte die in dem benachbarten Städtchen Diez herrſchende Brechruhr dahin. Dort ſtarb in den Herbſtferien am 5. October 1855 der Quartaner Wilh. Maxheimer von Diez, dem wenige Tage darauf ſeine Mutter ins Grab folgte, die mit dem tiefgebeugten Vater ihr höchſtes Lebensglück in dieſem frühgeſchiedenen braven Sohne erblickt hatte.

2) Bibliothek und Apparate...

Ueber die Verwaltung und Verwerthung der Bücherſammlung des Gymnaſiums durch Herrn Prof. Schmitt iſt in dem vorangehenden Jahresberichte von Oſtern 1855 das Geeignete zur näheren Kenutniß gebracht worden. Der erheblichen Mühe und Sorge, das Inſtitut in Beſtand und Ordnung zu erhalten, und die Wünſche der Lehrer und Schüler in dieſer Beziehung zu erfüllen, hat ſich der neue Bibliothekar mil einer Bereitwilligkeit und Ausdauer unterzogen, welche zur gerechteſten Anerkennung verpflichtet. Gleiches darf in Betreff der übrigen Theile des Lehr⸗ apparats geſagt werden, deren Beſorgung die Herren Bill, Meiſter, Colombel, Weppelmann und Diefen⸗ bach übernommen haben. Der Beſtand von beiden wurde um den Betrag der höheren Ortes bewilligten Budget⸗ ſumme vermehrt, die für die Bibliothek 280 fl., für die übrigen Apparate 420 fl. rhein. betrug.

Auch in dieſem Jahre find uns mehrere Geſchenke für das Gymnaſium zugegangen, die wir um ſo dankbarer hier erwähnen, als neben dem materiellen Zuwachs an Unterrichtsmitteln ein Zunehmen von freundlicher Theilnahme bierdurch ſich bekundet, die ſehr hoch auzuſchlagen iſt bei einer Erziehungsanſtalt, deren allſeitige Wirkſamkeit zum Theil auf dieſer moraliſchen Convergenz beruht. So erhielt unſere Bücherſammlung von Herrn Courector Dr. Guido Sandberger in Wiesbaden, der in freundlicher Geneigtheit bei keinem Werke ſeiner wiſſenſchaftlichen Muſe unſeres Gymnaſtums vergißt, 1) Zwei naturwiſſenſchaftliche Mittheilungen, Wiesbaden 1855; 2) Aperçu des produits minéraux de Nassau, ib. 1855; 3) Clymeniarum et Goniatitum natura notaeque primariae, Mosquae 1853. 8. Von Herrn Seminardirektor Kehrein erhielt die Anſtalt ſeine Grammatik der deutſchen Sprache des 15. 17. Jahrhunderts 2. u. 3. Theil, Leipzig 1855; und von Herru Profeſſor Dr. Sporer: Lehner, de Republica Romana, Sulzbach 1823. Herr Seminarlehrer Gaſſ er zu Montabaur ſchenkte ein Exemplar ſeines neueſten Werkchens: Das Rechnen mit gemeinen und Decimalbrüchen, Weilburg 1855; endlich Herr Buchhändler Mathi dahier, ein Exemplar von A. Molé Wörterbuch der franzöſiſchen Sprache. 13. Aufl. Das erſte Geſchenk, das wir einer mit dem Gym⸗ naſium in Geſchäftsverkehr ſtehenden Buchhandlung verdanken. Die naturhiſtoriſche Sammlung der Auſtalt wurde vermehrt durch mehrere Geſchenke des ſchon früher als Freundes unſerer Schule erwähnten Herrn Gutsbeſitzers Münch auf dem Schneppenhäuſer Hofe bei Hadamar, der von ſeiner Jagdbeute uns gütig zuwies ein Paar liebliche Enten: Anas querquedula, Knäkente; ein grünfüßiges Rohrhuhn, Gallinula Chloropus, und einen ſehr netten Raubvogel: Falco Tinnunculus, Thurmfalke. Zugleich gab er die freundliche Zuſage für geeignete Vierfüßler, die ſeinem Schuſſe künftig begegneten. Herr Kaufmann J. C. Siebert überließ uns einen von ihm erlegten Faleo palumbarius, Taubenhabicht, in einem recht ſchönen Exemplare, und Herr Gemeinderath J. Adamy eine Lachmöve, Larus ridi- bundus. Sämmtliche Stücke wurden von dem kunſtfertigen Herrn Lehrer Döͤrr in Unterliederbach ausgebalgt, und ſind nun unſerer Sammlung einverleibt. Herr Zeichenlehrer Maler Diefenbach gab uns zwei Anſichten von Rhei⸗ niſchen Ritterſchlöſſern, dargeſtellt auf galvanoplaſtiſchem Wege, die im phyſikaliſchen Kabinette ſich befiuden. Dank den freundlichen Gebern.

Die im Programm des vorigen Jahres S. 39 erwähnte Hilfsbibliothek für unbemittelte Schüler, die von deu Abiturienten des Schuljahres 1853 54 begründet worden war, hat auch durch die Oſtern 1855 zur Univerſität abgegangenen Primaner eine anſehnliche Bereicherung erhalten. Zu den Gebern unter ihnen gehören: Cathrein, Hanz, Held, Höchſt, Kniſel, Michels, Schuber, Thewalt. Die Mittel zum Umbinden der großentheils ſehr verbrauchten Exemplare gewährte ein an dem Gymnaſium durch 3 Söhne betheiligter Schul⸗ und Jugendfreund, der bei ſeiner anſehnlichen Liebesgabe von 10 fl. hier nicht genannt ſein will; ferner der Abiturient Franz Graf von Walderdorff, der neben der unmittelbaren Unterſtützung eines unbemittelten Gymnaſiaſten während ſeiner Reife⸗ prüfung, nach Vollendung derſelben dem Direktor 2 fl. als Beitrag zur Hilfsbibliothek einhäudigte. Das Bewußtſein einer fruchtbringenden Wohlthätigkeit im Gebiete der Schule bleibe den freundlichen Gebern der Ausdruck unſerer Dankbarkeit.