Aufsatz 
Über den Lehrplan des Realgymnasiums
Entstehung
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Am Realgymnasium nun werden die praktischen Arbeiten der Schüler nach diesen Principien geleitet, und werden dabei gelegentlich der Referate, welche die Schüler über vollendete Analysen, theils mündlich, theils schriftlich(wöchentlich etwa eine Analyse) erstatten, alle wichtigen Gesetze und Processe gründlich und so oft repetirt, bis sie dem Schüler zum vollständigen Eigenthum geworden sind. Unter den Realschulen erster Ordnung finden wir ebenfalls mehrere, in deren Programm praktische Uebungen verzeichnet sind, doch scheinen dabei mitunter die analytischen Versuche eine mehr, untergeordnete Rolle zu spielen.*)

Die auf die chemischen Arbeiten verwendete Zeit darf natürlich wegen der aufhalt- samen Manipulationen, welche damit verbunden sind, nicht zu kurz gemessen sein. Im Realgymnasium zu Wiesbaden sind ihnen wöchentlich 6 Stunden gewidmet, 2 obligatorische und 4 facultative. Letztere Einrichtung ist deshalb getroffen, weil es einzelne Schüler giebt, für welche, da sie besonders rasch und sicher arbeiten, die Erreichung des absolut Nothwendigen auch in kürzerer Zeit nicht ausser dem Bereiche der Möglichkeit liegt. Jene 4 Stunden sind, eben weil sie fakultativ sind, amalgamirt mit den Uebungen in den- jenigen chemischen Arbeiten, die mit der technischen Anwendung der Wissenschaft in gewisser Beziehung stehen(einzelne quantitative Analysen, Präparatendarstellungen etc. etc.) und er- schienen daher im Programm bisher als praktische technologische Uebungen. In Wirklichkeit aber werden diese Arbeiten nicht in getrennter Weise vollzogen, sondern alle Schüler, welche den vollständigen Unterricht geniessen, beginnen mit Analysen, zuerst einfacherer, später zusammengesetzterer Körper, und diejenigen, welche dann in diesen Abschnitten ausrei- chende Fortschritte machen, werden in den letzten Semestern nebenbei mit Titrirversuchen, Blei-, Silber-, Kupferproben, Härtebestimmungen von Wasser, Präparatendarstellungen etc. beschäftigt. Praktisch hat sich dabei die Sache so herausgestellt, dass nur einzelne Schüler die 4 facultativen Stunden nicht besuchen, und selbst im letzten Semester zieht sie die leidige, so schwer zu beseitigende sogenannte Vorbereitung zum Maturitätsexamen von diesem Studium gottlob doch nicht ab, denn auch im letzten Semester betheiligen sich alle Schüler mit wenigen Ausnahmen an den 6 chemischen Arbeitsstunden. In den Real- schulen erster Ordnung wird im Ganzen dieselbe Unterrichtszeit für denselben Zweck ver- wendet**), in manchen werden die Nachmittage des Mittwochs und Sonnabends dazu be- nutzt***), was im Sommer zwar recht zweckmässig, im Winter aber wohl kaum durchzu- führen ist. Freilich giebt es auch Realschulen, in denen für diese Arbeiten weniger Leit ausgesetzt ist†), doch kann bei einer geringeren Stundenzahl der Zweck gewiss nicht vollkommen erreicht werden.

*) Halle 1859, Elberfeld 1860, Cöinisches Realgymnasium zu Berlin 1860, Königl. Realschule zu Berlin 1859. Im Programm der Friedrichs-Realschule zu Berlin 1859 wird gesagt, für das Laboratorium seien die zu den Arbeiten der Schüler nothwendigen Geräthschaften in erforderlicher Menge angeschafft worden, in der Lehrverfassung selbst aber sind die Arbeiten nicht erwähnt.

**) Königl. Realschule zu Berlin 1859 6 St. in I.

***) Cölnisches Realgymnasium zu Berlin 1860.

†) Breslau 1864 in Prima 2 St., Halle 1859.