Aufsatz 
Über den Lehrplan des Realgymnasiums
Entstehung
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action zum Grunde liegt, nachzudenken, und des dabei zur Anwendung kommenden Ge- setzes sich bewusst zu werden.

Ein weiterer, nicht hoch genug anzuschlagender Vorzug, welchen die Analysen vor den Darstellungen von Präparaten haben, liegt sodann darin, dass letztere mehr oder weniger in einem Arbeiten nach detaillirten Recepten bestehen, während erstere Untersuchun- gen sind, die durch eine Reihe von Schlüssen gebildet werden, also in formaler Beziehung so- wohl im Allgemeinen*) ein weit wichtigeres Bildungsmittel abgeben, als auch die specifischel Methode, über chemische Vorgänge Beobachtungen anzustellen und Urtheile zu fällen. vie gründlicher einüpen. Auf letzteres ist besonders grosses Gewicht zu legen, weil nichts wichtiger ist, als dafür zu sorgen, dass der Schüler von der Schule die Fähigkeit zu einer richtigen Beurtheilung chemischer Vorgänge, natürlich nur bis zu einem gewissen Grade und so weit sie überhaupt durch schulmässigen Unterricht in der Elementarchemie ver- mittelt werden kann, mit in das Leben hinübernehme. Wer der letzteren baar ist und auch die für den Zweck der Realschule wichtigen Naturgesetze nicht zum festen Eigen- thum erworben hat, wird aus den vagen Vorstellungen über„chemische Substanzen“, die er in der Schule erworben, schwerlich für das Leben einen wichtigen Vortheil ziehen.— Es versteht sich übrigens von selbst, dass auch Analysen zusammengesetzterer anorganischer Substanzen nicht ausgeschlossen sein dürfen, denn die bei ihnen vorkommenden Trennungen sind ein unentbehrliches Hülfsmittel zur Einprägung einer grossen Anzahl chemischer Ge- setze. Diese Analysen selbst zeichnen sich ferner besonders durch die Uebung im exacten Denken und Arbeiten, zu der sie Veranlassung geben, aus, sie gewöhnen an scharfes Un- terscheiden, richtiges Gruppiren des Aehnlichen, und an Auswählen des Besonderen aus dem Allgemeinen mit Bewusstsein des dabei zu erreichenden Zweckes.

Es soll nun aper nicht etwa gesagt sein, dass die Darstellung von Präparaten voll- ständig vermieden werden müsse, allein es dürfen mit derselben nur solche Schüler be- schäftigt werden, welche bereits soweit vorangeschritten sind, dass sie voraussichtlich hinter dem durch die Analysen zu erreichenden Ziele bei Beendigung des Cursus nicht zurück- geblieben sein werden, und die Präparate selbst müssen so ausgewählt werden, dass der Schüler auch wirklich die Hauptarbeit selbst verrichten kann, namentlich auch diejenige, welche Ueberlegung und Eindringen in die Processe und in die Eigenthümlichkeiten der anzu- wendenden Stoffe verlangt, und nicht blos, nachdem er bei dem Herrichten der Apparate hülf- reiche Hand geleistet hat, zusehen muss, wie der Lehrer die eigentlichen Versuche ausführt.

*) Die Vernachlässigung dieser Rücksicht, sowie eine leider noch zu häufig angetroffene, zur mechani- schen Schabulonenmanier herabgesunkene Methode beim theoretischen Unterricht sind Ursache, dass der formale Nutzen des chemischen Unterrichts von vielen Pädagogen so gering angeschlagen wird. Wenn dieser letztere Unterricht freilich blos darin besteht, dass der Lehrer einen Körper vorzeigt, seine„Dar- stellungsmethode erklärt“, ein Register von„Eigenschaften“, von„Verbindungen“ und„Zersetzungen“ aufstellt und durch Versuche„érläutert“, dann wissen wir auch nicht, woher formaler Nutzen kommen soll, der aber in hohem Grade unfehlbar erreicht wird, wenn die Naturgesetze in analytischer Methode aus Schlüssen, welche auf Beobachtungen gegründet sind, hergeleitet und zu einem lebendigen Bilde ver- einigt werden.