Aufsatz 
Beiträge zur Kenntnis der Oxychloride / von Casselmann
Entstehung
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men, so ist nicht zu bezweifeln, dass die genannten Elemente in den verschiedenen Substanzen in Rücksicht auf ihre Anordnung und Gruppirung den mannichfaltigsten Variationen unterliegen. Das innerste Wesen eines organischen Körpers ist sjcherlich hauptsächlich durch diese Anord- nung bedingt, und der organischen Chemie kommt- die Ausmittelung derselben als wichtigste Aufgabe zu, wie andererseits die Gesetze, nach denen die Bestandtheile organisirter Körper entstehen ohne deren Kenntniss niemals erforscht werden können, und die Ausbildung der Physiologie wesentlich davon abhängt, dassdie organische Chemie die in dieser Rich- tung erforderlichen Vorarbeiten erledigt. 8

Es ist nun kaum länger als zehn Jahre her, dass sich selbst diejenigen Systeme der organischen Chemie, welche am meisten auf wissenschaftliche Anordnung Anspruch machen konnten, fast nur auf solche Charakteristiken der Substanzen gründeten, welche aus deren allgemeinem Verhalten abstrahirt waren, so wie dass über einen bestimmten Körper andere Fragen als die, ob er eine Säure, ein Alkaloid, eine stärke-, zucker-, aceton-, aldehyd- etc. artige Substanz sei, namentlich Fragen über seine innere Constitution selten beantwortet werden konnten. 3

Der sichern Erkenntniss von der innern Constitution der Körper sind zwar wahrschein- lich ihre Grenzen gesteckt, über welche hinaus das Gebiet der Hypothesen beginnt. Dass es z. B. jemals gelingen wird, mit Bestimmtheit auszumitteln, ob im Glaubersalz wirklich Schwe- felsäureatome mit Natronatomen oder ein den Halogenen vergleichbares Sulfan(SO0 ½) mit Na- triummetall chemisch verbunden, möchte sehr zweifelhaft sein. Allein in Betreff der organi- schen Verbindungen wird noch manches Gebiet durchforscht, noch manche Frage, die sich über diese Verhältnisse aufdrängt, mit Entschiedenheit beantwortet werden können, bevor wir an jener Grenze angelangt sein werden.

In dem letzten Decennium hat die Anzahl ausgezeichneter Forscher, welche die innere Constitution organischer Körper zu studiren bemüht sind, sehr zugenommen, und die Arbeiten derselben haben einiges Licht in dem bisherigen Dunkel zu verbreiten begonnen, so dass wir, wenn nicht alle Zeichen trügén, wahrscheinlich am Anfang einer Epoche stehen, welche ein wirklich wissenschaftliches System der organischen Chemie endlich begründen wird.

Manche Resultate dieser Arbeiten sind mit einer Sicherheit festgestellt, wie sie die an- organische Chemie in ihren Lehren nicht grösser besitzt, wie z. B. das Substitutions- gesetz.

Dieses Gesetz hat bekanntlich Dumas, gestützt auf seine Erfahrungen über die Einwirkung des Chlors auf Terpentinoel und auf Essigsäure, zuerst aufgestellt und unter Be- nutzung der von mehreren andern Chemikern erlangten Resultate dahin formulirt, dass aus einer jeden organischen Verbindung jedes Element, Atom für Atom, herausgenommen und durch ein anderes Element in gleicher Atomenzahl oder durch Complexe zusammengesetzter Atome ersetzt werden könne, ohne dass sich der chemische Charakter der Substanz seinen