II. Huszug aus den Derfügungen der vorgesetzten Behörden.
Homburg v. d. H., 25. April. Die Polizeiverwaltung übersendet Merkblätter über die Schädlichkeit des Alkoholgenusses für Kinder.
Berlin, 3. Juni. Die hundertste Wiederkehr des Todestags der Königin Luise soll in den Schulen festlich begangen werden.
Berlin, 13. Juni. Es sollen von den Schülern, die an dem betreffenden Tage keine Turnstunde haben, am Vormittag Freiübungen gemacht werden.
Cassel, 30. Juli. Herr Dr. F. Konze wird zur Vertretung des H. Oberlehrers Bräuning überwiesen.
Cassel, 22. August. Es werden Themata für die Direktoren-Konferenz gestellt.
Cassel, 30. November. Es wird Aufstellung neuer Personalblätter verlangt.
III. Zur Schulgeschichte.
1. Lehrerkollegium. Am Schlusse des Schuljahrs 1909 stellte sich heraus, dass die Gesamtzahl der Quartaner infolge der Versetzung der Schüler auf mehr als 50 gestiegen war. Da es unmöglich war, diese gemeinschaftlich in einem Klassenzimmer zu unterrichten, stellte der Direktor den Antrag, die Gymnasiasten der Quarta von den Real- schülern vollständig zu trennen. Um diese Massregel durchzuführen, mussten 11 Lehrstunden neu eingerichtet werden. Nachdem die städtischen Behörden hierfür die Mittel bewilligt hatten, wurde unserer Schule vom Königl. Provinzial-Schulkollegium Herr W. Prinz aus Frankfurt a. M. überwiesen. Dieser übernahm ausser den genannten Stunden noch zwölf wöchentliche Lehrstunden zur Entlastung des Herrn Professor Dr. Gerland, da dieser eine von der Königlich-Preussischen Akademie der Wissenschaften ihm übertragene Arbeit rasch fördern musste. Die Kosten dieser Stellvertretung wurden vom Herrn Minister über-
nommen.— Zwei Oberlehrern, Herrn Purgold und Herrn Dr. Gerland, wurde am 2. Juli der Charakter als Professor verliehen.— Da Herr Oberlehrer Bräuning zu einer
achtwöchigen militärischen Uebung am 4. August eingezogen wurde, wurde zu seiner Ver- tretung Herr Dr. Konze aus Frankfurt a. M. vom Königl. Provinzial-Schulkollegium unserer Anstalt zugewiesen. Wir sind ihm für den Eifer, mit dem er zwei Monate hindurch den Unterricht erteilte, zu Dank verpflichtet.—
Am 15. August feierte der katholische Religionslehrer an unserer Schule, Herr Pfarrer Menzel, das 50 jährige Jubiläum der Priesterweihe. Dem verehrten Jubilar, der seit Dezember 1869 an unserer Anstalt mit immer gleicher Pflichttreue tätig ist, über- brachten Herr Oberbürgermeister Li bke, Herr Professor Dr. Spranck und der Unter- zeichnete im Namen des Kuratoriums und des Lehrerkollegiums herzliche Glückwünsche.— Dem Geh. Baurat, Professor Jacobi, Direktor des Saalburgmuseums, der an unserer Schule seit ihrer Gründung bis zum Jahre 1882 als Zeichenlehrer tätig war, und am 24. September 1910 starb, gaben viele Mitglieder unseres Kollegiums das Geleite zur letzten Ruhestätte.
Den neuen Besoldungsetat hatten, wie im vergangenen Jahre berichtet worden ist, die städtischen Behörden für das Jahr 1909 eingeführt. Am 15. und 19. April 1910 be- schlossen Magistrat und Stadtverordneten-Versammlung, den Normaletat vom 1. April 1908 an in Kraft treten zu lassen, nachdem die Königliche Behörde genehmigt hatte, dass der Fehlbetraggaus dem Ersparnisfonds des Gymnasiums entnommen werde Durch diese Mass- nahme sind die Lehrer unserer Schule in sehr dankenswerter Weise den Kollegen an Staatsanstalten gleichgestellt worden,


