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Am 4. Februar 1890 übernahm Direktor Münch seinen Dienst wieder, aber bereits am 2. März 1892 wurde er auf sein wiederholtes Nachsuchen mit Wirkung vom 15. April an von seinem Amte entbunden und unter Verleihung des Charakters als Professor zum Lehrer am Neuen Gymnasium zu Darmstadt ernannt, wohin er aus persönlichen Gründen zu kommen gewünscht hatte(gegenwärtig Direktor des Realgymnasiums in Darmstadt).
Sein Nachfolger wurde Dr. Karl Kemmer von der Realschule zu Bingen a Rh. Er wurde am 25. April 1892 durch den Geh. Oberschulrat Soldan öffentlich in den Dienst eingeführt und leitet seitdem die Anstalt.
Seine Ansichten über Erziehung und Unterricht und über die Mittel und Wege, das erstrebte Ziel zu erreichen, legte er in seiner Antrittsrede kurz auseinander, worauf hier nicht näher eingegangen werden kann. Vergl. Wimpfener Zeitung vom 27. April 1892.
Da die äussere Entwicklung der Anstalt fürs erste abgeschlossen und für die innere eine feste und sichere Grundlage geschaffen war, auf der, dem Fortschritt der Zeit ensprechend. ruhig weiter gebaut werden konnte, so ist nichts mehr von Bedeutung zu berichten. Die preussischen Lehrpläne und die Organisation der preussischen Schulen von 1892, eine Folge der Berliner Schulkonferenz von 1890, sind für unsere hessischen Schulen so ziem- lich ohne Einfluss geblieben, weil im grossen und ganzen in Preussen bezüglich der Real- schulen erst geschaffen wurde, was in Hessen schon länger als ein Vierteljahrhundert bestand und zweckentsprechend ausgebaut worden war.
Kurz gedacht sei hier nur noch der Schulausflüge und der Schulfeste, weil sie einen nicht zu unterschätzenden Faktor für die Erziehung und Heranbildung der Jugend bilden.
Die Schulausflüge bieten nicht nur eine Abwechslung im alltäglichen Schulleben und dienen der Gesundheit und körperlichen Entwicklung der Schüler, sondern sie sind auch vorzüglich geeignet, einen näheren persönlichen Verkehr zwischen Lehrern und Schülern anzubahnen und zu fördern. Das empfängliche Gemüt der Jugend, die meist noch nicht weit über das heimatliche Gebiet hinausgekommen ist, nimmt auf einem solchen Ausflug, mit dem fast ausschliesslich eine kräftige Wanderung verbunden ist, unter der leitenden Hand des Lehrers unendlich viel auf; noch im späteren Leben stehen bei vielen Menschen solche einfache Schulausflüge weit über grösseren Reisen. Für kleinere Ausflüge, sowie auch für Tagesausflüge der jüngeren Schüler bietet die nächste Umgebung reiche Ab- wechselung. Die oberen Klassen streben einmal im Jahr weiter. Das romantische untere Neckarthal bis Heidelberg mit seinen bewaldeten Höhen und zahlreichen Ruinen und Burgen und der Odenwald mit Katzenbuckel geben zu rechten Fusswanderungen reiche Ge- legenheit; Natur, Kunst und geschichtliche Erinnerungen vereint bieten Ausflüge nach Schwäbisch Hall mit Komburg und Einkorn, nach Schillers Geburtsort Marbach, nach Ludwigsburg und Hohenasperg, nach Kloster Maulbronn, nach Stuttgart und Umgebung u. s. w.
Die Schulfeste tragen meist einen patriotischen Charakter, sie sollen Begeisterung erwecken und die Liebe zum Vaterland, zu Kaiser und Landesfürst beleben. In den siebziger Jahren war es besonders die Feier des Sedantages, an der sich die Schule stets sehr lebhaft beteiligte; später fiel dieser Tag in die Ferien. Trotzdem fanden sich zur allgemeinen Jubelfeier im Jahre 1895 fast alle Schüler aus der näheren und ferneren Umgebung ein, um sich zu begeistern an den Thaten der Väter und im stillen Herzen zu geloben, im Falle der Not es ihnen gleich zu thun. Der Geburtstag des Landesfürsten und des Kaisers werden alljährlich durch Gesänge, Deklamationen und eine Rede eines Lehrers gefeiert teils im Rahmen der Schule, teils öffentlich. Eine öffentliche Feier ist


