Aufsatz 
Festschrift zur Feier des 25jährigen Bestehens der Großherzoglichen Realschule zu Wimpfen a. Neckar am 2. und 3. April 1897
Entstehung
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Für den Turnunterricht wurde gesorgt durch Ausbildung von Turnlehrern und Anschaffung neuer Turngeräte, überhaupt wurde diesem Zweig des Schulunterrichts von dieser Zeit an eine erhöhte Aufmerksamkeit geschenkt.

Damit Hand in Hand ging die Förderung des sommerlichen Badens im Neckar und die Ausbildung im Schwimmen. Früher badeten die Schüler nach Belieben und an verschiedenen Stellen des Neckurs. Dies hatte mancherlei Unzuträglichkeiten zur Folge, ganz abgesehen davon, dass sich verhältnismässig nur wenig Schüler daran beteiligten. Daher mietete bereits Direktor Landgraf einen Platz an einer besonders günstigen, durch- aus ungefährlichen Stelle des Neckars und traf die nötigen Einrichtungen zu einem Schüler- bad; unter Direktor Münch wurde dann zuerst ein besonderer Schwimmlehrer gewonnen, der zugleich die Aufsicht über die Badenden führt und dann alle Schüler, die nicht durch einen besonders triftigen Grund zu befreien sind, genötigt, von diesen Einrichtungen Gebrauch zu machen. Seit jener Zeit verlässt fast kein Schüler, der in Wimpfen gewohnt hat, die Anstalt, ohne gut schwimmen zu können. Ein fast alljährlich abgehaltenes Wett- schwimmen mit Preisverteilung belebt den Eifer und trägt somit zur Förderung der Ge- sundheit unserer Schüler bei.

Die Einrichtungen werden soviel wie möglich jedes Jahr vervollkommnet. So hoffen wir bis zum nächsten Sommer ein neues, grösseres, leicht auf- und abschlagbares Bade- haus und eine verbesserte Badeeinrichtung zu bekommen. Besondere Verdienste hat sich Reallehrer Eek durch Führung der Rechnung für das Schülerbad erworben.

Im Schuljahr 1888/9 wurde mit Genehmigung Grossh. Ministeriums in der ganzen Schule Vormittagsunterricht eingeführt, nachdem sich 97% aller Eltern der Schüler dafür ausgesprochen hatten. Da etwa ¼ aller Schüler täglich von auswärts teils zu Fuss, teils mit der Bahn in die Stadt kommen, so ist diese Einrichtung für unsere Schule sehr segensreich, besonders im Winter. Die Kinder kommen dann bei Tage nach Hause, und es bleibt ihnen auch passende Zeit, ihre Hausaufgaben zu erledigen. Überhaupt hat die Einrichtung des Vormittagsunterrichts für ältere Schüler, also für die oberen Klassen ganz im allgemeinen grosse Vorzüge; für kleinere Schüler dagegen, etwa bis zu 14 Jahren, dürfte die Zweiteilung der täglichen Unterrichtszeit vorzuziehen sein.

Der Unterricht beginnt mit Rücksicht auf die täglich mit der Bahn eintreffenden Schüler um 8 ¼ Uhr und endigt um 1 Uhr; zwischen je zwei Stunden ist eine Viertel- stunde Pause zur Erholung der Schüler und gründlichen Lüftung der Schulzimmer. In den Wiatermonaten November bis Februar ist der Beginn im ganzen Grossherzogtum auf 8 ½ Uhr festgesetzt; damit dennoch um 1 Uhr geschlossen werden kann, wird die erste Pause um 10, die zweite um 5 Minuten gekürzt.

In demselben Schuljahr wurde in der obersten Klasse ein wahlfreier Unterricht in Buchführung eingeführt, von dem seitdem ein recht reger Gebrauch gemacht wird. Abgesehen davon, dass viele unserer Abiturienten sich dem Kaufmannsstande widmen, bricht sich die Überzeugung immer mehr Bahn, dass es in jedem Beruf nötig ist, in den Grundformen des kaufmännischen Verkehrs bewandert zu sein. Es wird dadurch Zeit, Geld und manche Unannehmlichkeit im. Leben erspart.

Kurz nach Beginn des Schuljahrs 1889/90 erkrankte Direktor Münch, und seine Stelle wurde zunächst durch den dienstältesten Lehrer, Reallehrer Eck, vertreten; da aber die Erkrankuug länger anhbielt, wurde von Beginn des Wintersemesters an ein be- sonderer Stellvertreter, Realgymnasiallehrer Dr. E. Volckmar von Offenbach a. M., mit der Leitung der Anstalt betraut.