Aufsatz 
Festschrift zur Feier des 25jährigen Bestehens der Großherzoglichen Realschule zu Wimpfen a. Neckar am 2. und 3. April 1897
Entstehung
Einzelbild herunterladen

25

der Prholung und Ruhe; aber er gönnte sie sich nicht, und so nahm das Übel überhand. Bei sichtlicher Abnahme seines Körpers mehrten sich die Anzeichen geistiger Erkrankung, die sich in Verfolgungswahn äusserte. Dabei hielt er noch immer Unterricht, selhst am Tage vor seinem Tode. Am 12. März 1886 machte er seinem Leben durch einen Sprung aus dem Fenster seiner Wohnung im 3. Stock ein Ende.

Die Schule verlor in ihm gleichsam ihren Vater;denn ohne seine unermüdliche und aufopfernde Thätigkeit, heisst es im Programme von Ostern 1886,wäre Wimpfen nie in den Besitz einer Realschule gelangt. Sein Name ist zu eng mit der Geschichte der Schulo verknüpft, als dass derselbe jemals aus dem Gedächtniss aller derer, welche ein Herz für die Schule haben, verschwinden könnte.

Das Geschick Landgrafs ist echt tragisch. Zehn Jahre lang hatte er die höhere Bürgerschule unter mancherlei Anfeindungen und Erschwerungen erfolgreich geleitet und gross gemacht und dabei die volle Stundenzahl eines akademischen Lehrers übernommen bei einem Gehalt von 2000 2200 Mark; kaum war seine Stelle materiell besser ge- worden, sein Gehalt fast auf den doppelten Betrag gestiegen und die Zahl seiner Unterrichts- stunden geringer geworden, sodass ihm nach UÜberwindung der ersten Schwierigkeiten auch eine Arbeitserleichterung winkte, da brach er unter der Last zusammen.

Mit der Verwaltung der Direktorialgeschäfte bis zum Schlusse des Schuljahrs wurde der dienstälteste Lehrer Wilhelm Friedrich Landmesser betraut, und am 3. April 1886 wurde der Lehrer am Ludwig-Georgs-Gymnasium zu Darmstadt Ludwig Münch mit Wirkung vom 16. April an zum Direktor ernannt und am 4. Mai durch Herrn Geh. Oberschulrat Becker in öffentlicher Schulfeier in sein neues Amt eingeführt.

Er hat das Direktoriat 6 Jahre lang mit der ihm eigenen Energie und grossem Er- folge geleitet und sich dadurch ein dauerndes, segensreiches Andenken in Wimpfen und bei allen Freunden der Anstalt erworben.

Schon wiederholt hatten wir Gelegenheit, im Verlaufe unserer Darstellung seiner Thätigkeit zur äusseren Entwicklung und Förderung der Schule zu gedenken, worauf an dieser Stelle verwiesen sei.

Daneben richtete er jedoch auch sein Augenmerk hauptsächlich auf die innere Entwick- lung, die Vervollkommnung des Untoerrichts und die gleichmässige geistige und leibliche Aus- bildung der Schüler. Zunächst wurden die noch vorhandenen Kombinationsstunden be- seitigt und von nun ab alle Klassen vollständig getrennt unterrichtet. Es wurde dies da- durch ermöglicht, dass die beiden Accessisten Grünewald und Friedrich dem Direktor Münch freiwillig nach Wimpfen folgten und die neuen Unterrichtsstunden vorerst unent- geltlich übernahnmen. Da sich im Laufe der nächsten zwei Jahre die Notwendigkeit der Beibehaltung wenigstens einer Lehrstelle erwies, so wurde diese zunächst provisorisch und vom Schuljahre 1891/2 an definitiv bewilligt. Gleichzeitig wurde auch die Hillfs- lehrerstelle für die Vorschule in eine definitive umgewandelt, sodass die Anstalt seitdem einschliesslich der Direktorstelle 9 ordentliche Lehrstellen besitzt.

Die pädagogische und didaktische Ausbildung der Lehrer, insbesondere der jüngeren, wurde und wird seitdem durch gegenseitiges Hospitieren in den Unterrichts- stunden gefördert, wie denn überhaupt der Kunst des Unterrichtens fortdauernd die grösste Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Die innere Ausstattung der Schule wurde vollständig erneuert. Im Jahre 1891 wurden sämtliche Klassen mit neuen Schulbänken bester Konstruktion versehen, in den letzten Jahren kamen dazu neue Tafeln, neue Katheder u. s. w.